20.10.2026
Offseason im Detail
Die Los Angeles Clippers haben ihren überalterten Kader innerhalb weniger Monate radikal umgebaut. James Harden, Ivica Zubac und nun auch Kawhi Leonard sind weg. Um Darius Garland und Top-Pick Keaton Wagler entsteht eine jüngere Mannschaft, die aber schon vor dem ersten Spiel vom Verletzungspech eingeholt wird.

Kaum ein Team der NBA hat sich in den vergangenen Monaten so stark verändert wie die Los Angeles Clippers. Dabei begann der Umbau schon während der letzten Saison. Im Februar wurde James Harden nach Cleveland geschickt, im Gegenzug kam mit Darius Garland ein zehn Jahre jüngerer Point Guard nach Los Angeles. Einen Tag später wechselten Ivica Zubac und Kobe Brown nach Indiana. Die Clippers erhielten Bennedict Mathurin, Isaiah Jackson, zwei Erstrundenpicks und einen Zweitrundenpick.
Mathurin gehört inzwischen allerdings nicht mehr zum neuen Kern. Nachdem sich beide Seiten nicht auf einen langfristigen Vertrag einigen konnten, zogen die Clippers Ende August ihr Qualifying-Offer zurück. Der 24-Jährige unterschrieb daraufhin für zwei Jahre und 16 Millionen Dollar bei den New Orleans Pelicans.
Im Sommer setzte man den eingeschlagenen Weg dann fort. John Collins unterschrieb als Free Agent bei den Detroit Pistons, Bogdan Bogdanovic schloss sich Houston an. Bei Nicolas Batum lehnten die Clippers die Teamoption ab. Im Draft wählte die Franchise mit dem fünften Pick, der aus Indiana kam, Keaton Wagler. Der 19-jährige Guard von Illinois soll gemeinsam mit Garland zu den wichtigsten Bausteinen der neuen Generation werden.
Mit den weiteren Picks sicherten sich die Clippers Baba Miller an Position 36 sowie die Rechte an Nick Martinelli und Narcisse Ngoy. Letzterer soll zunächst weiter am College für Auburn spielen. In der Free Agency kam Rui Hachimura für zwei Jahre und 28 Millionen Dollar vom Stadtrivalen, Bradley Beal unterschrieb einen neuen Zweijahresvertrag über 13,2 Millionen Dollar. Das zweite Jahr beinhaltet eine Spieleroption.
Der größte Deal zog sich bis in den September. Schon Anfang Juli hatten sich die Clippers mit Toronto auf einen Trade von Kawhi Leonard geeinigt, wegen der NBA-Untersuchung rund um den Superstar wurde die Abwicklung aber ausgesetzt. Am 14. September wurde der Wechsel offiziell. Im Gegenzug kamen Brandon Ingram, Gradey Dick, Erstrundenpicks für 2031 und 2033, zwei Zweitrundenpicks (2030, 2033) sowie ein Pick-Swap für 2027 nach Los Angeles.
Zugänge
Draft: Keaton Wagler (#5), Baba Miller (#36), Nick Martinelli, Narcisse N'Goy
Free Agency: Rui Hachimura (2 Jahre, 28 Mio), Bradley Beal (2 Jahre, 13 Mio.)
Trade: Gradey Dick, Brandon Ingram (beide Toronto), Johni Broome (Philadelphia), Max Strus (Cleveland)
Extensions: Kobe Sanders (4 Jahre, 11,2 Mio.), Jordan Miller (3 Jahre, 15,3 Mio.)
Abgänge
Free Agency: John Collins (Detroit), Bogdan Bogdanovic (Houston), Bennedict Mathurin (New Orleans), Nicolas Batum (Teamoption abgelehnt)
Trade: Kawhi Leonard (Toronto)
Ein klassischer Rebuild ist das allerdings nicht. Die Clippers haben zwar mit Harden und Zubac zwei wichtige Spieler abgegeben und inzwischen auch das Kapitel Leonard beendet., Gleichzeitig wurde der Kader aber nicht komplett auf Talente und Draftpicks ausgerichtet. Garland ist mit 26 Jahren zweimaliger All-Star, Ingram wäre mit 29 Jahren ebenfalls im besten Basketballalter und Spieler wie Hachimura, Strus, Beal oder Brook Lopez sollen dafür sorgen, dass man auch kurzfristig konkurrenzfähig bleibt. Die Clippers starten wohl eher einen Neustart im laufenden Betrieb.
Dass Los Angeles nicht einfach mehrere Jahre verlieren und auf hohe eigene Draftpicks hoffen kann, hat inzwischen auch noch einen anderen Grund. Nach der Untersuchung rund um Leonard wurde die Franchise von der NBA hart bestraft. Die Clippers müssen in jedem Draft zwischen 2029 und 2033 einen Erstrundenpick abgeben. Damit wurde ein klassischer Neuaufbau über den Draft erschwert.
Umso wichtiger sind die jungen Spieler und zusätzlichen Assets, die sich die Clippers schon vor der Strafe sichern konnten. Garland, Wagler und möglicherweise Dick bilden einen neuen Kern, weitere Picks kommen wohl durch die Trades von Zubac und Leonard dazu.

Die größte Baustelle befindet sich unter dem Korb. Mit Zubac verloren die Clippers einen der zuverlässigsten Center der NBA, der beim Rebounding und beim Schutz des Rings eine wichtige Rolle gespielt hatte. Der mittlerweile 38 Jahre alte Brook Lopez kann defensiv weiter wertvoll sein und das Feld mit seinem Dreier breit machen, ist über eine komplette Saison aber kaum noch als alleinige Lösung auf der Fünf einzuplanen. Hier fehlt ein klarer Nachfolger.
Isaiah Jackson bringt zwar Athletik mit, während Yanic Konan Niederhauser langfristig eine größere Rolle übernehmen könnte. Der Schweizer laboriert allerdings noch an einem Bänderriss im Fuß, der seine Saison im März beendete, und wird zum Auftakt ebenfalls nicht zur Verfügung stehen.
Fragezeichen gibt es auch auf dem Flügel. Mit Leonard verlieren die Clippers ihren mit Abstand besten Two-Way-Spieler, und dessen Nachfolger fällt erst einmal aus. Bei Ingrams Fersen-OP im Mai stellten die Ärzte zusätzlich einen bis dahin unbekannten Teilriss der Achillessehne fest. Zum Saisonstart wird der Forward nicht bereit sein, einen Zeitplan für seine Rückkehr gibt es nicht. Auch Beal (Entzündung im rechten Knie) verpasst den Auftakt, nachdem er schon in der Vorsaison nach einer Hüft-OP nur sechs Spiele absolviert hatte. Dazu zog sich Neuzugang Strus in der Preseason einen Teilriss der Plantarfaszie im rechten Fuß zu und wird erst in rund vier Wochen neu untersucht. Jordan Miller fehlt nach einer Schulter-OP ohnehin noch Monate. Derrick Jones Jr. und Kris Dunn können schwierige Matchups übernehmen, insgesamt droht die Defense aber, zum Problem zu werden, zumal auch Garland wegen seiner Größe angreifbar ist.
| Position | Starter | 2nd | 3rd | 4th | Weitere |
|---|---|---|---|---|---|
| PG | Darius Garland | Kris Dunn | Jalen Pickett | ||
| SG | Keaton Wagler | Bradley Beal | Max Strus | Jordan Miller | Cam Christie |
| SF | Brandon Ingram | Gradey Dick | Kobe Sanders | Nick Martinelli | |
| PF | Rui Hachimura | Derrick Jones Jr. | Baba Miller | Johni Broome | - |
| C | Brook Lopez | Isaiah Jackson | Yanic Konan Niederhauser | Jamarion Sharp | - |
Große Sprünge sollte man von den Clippers nicht erwarten. Dafür waren die Verluste von Harden, Zubac und Leonard zu groß, und zum Start fehlen mit Ingram, Beal und Strus gleich drei eingeplante Rotationsspieler. Es steckt aber zu viel Qualität im Kader, um die Clippers als klassisches Lottery-Team abzuschreiben.
Im stark besetzten Westen gehören die Clippers damit eher zum erweiterten Play-In-Feld als zum sicheren Kreis der Playoff-Teams. Rund 33 bis 38 Siege erscheinen für die neu formierte Mannschaft realistisch. Läuft bei Gesundheit und Entwicklung vieles zusammen, ist das Play-In erreichbar. Für einen größeren Angriff fehlt dem Kader, vor allem ohne Kawhi, aber die defensive Stabilität und Qualität in der Spitze.
Lukas Hetterich