NBA - Fast eine Milliarde für drei Stars: Warum OKC trotzdem die Zukunft gehört | basketball-world
NBA
14.07.2025
Können sich die Thunder das leisten?
Fast eine Milliarde für drei Stars: Warum OKC trotzdem die Zukunft gehört
Die Oklahoma City Thunder sind amtierender Champion - und verteilten an ihre drei Stars Verträge von zusammengerechnet von fast einer Milliarde Dollar. Das ist viel Geld, aber wenn ein Team den Balanceakt aus Finanzen und Sport meistern kann, dann OKC.
Die drei Stars der Thunder: Jalen Williams, Chet Holmgren und Shai Gilgeous-Alexander. picture alliance / ASSOCIATED PRESS
Eine Situation wie es sie in OKC gibt, ist selten, beinahe eine Anomalie der Gesetze der NBA. Die Thunder gewannen einen Titel mit nur zwei Spielern über 26 Jahren sowie gleich zwei Schlüsselspielern (Jalen Williams, Chet Holmgren), die noch unter ihren Rookie-Verträgen spielen.
Während andere Teams an den neuen Regularien zerbrechen (siehe Celtics, siehe Suns), sind die Thunder so gut aufgestellt, dass sie (zunächst) drei Maximalverträge unter einen Hut bringen können. In diesem Sommer bekamen alle drei Stars eine Verlängerung. Williams und Holmgren verlängerten für fünf Jahre bis 2031 für 250 Millionen Dollar, wobei Williams sogar 287 Millionen kassieren könnte, wenn er ein weiteres All-NBA-Team erreicht.
Die Gehälter der Oklahoma City Thunder (in Mio. Dollar)
Spieler
Position
25/26
26/27
27/28
28/29
29/30
30/31
Shai Gilgeous-Alexander
Guard
38,3
40,8
60,8
65,7
70,5
75,4
Isaiah Hartenstein
Center
28,5
28,5**
UFA
Lu Dort
Guard
17,7
17,7**
UFA
Alex Caruso
Guard
18,1
19,5
21,0
22,4
UFA
OKC und die Gefahr des "Second Apron"
Das ist jedoch in erst sechs Jahren, doch für die kommenden Saisons sind die Thunder so flexibel aufgestellt, dass sie sich um den gefürchteten "Second Apron" erst einmal keine Sorgen machen müssen. Hier noch einmal zur Erinnerung die wichtigsten Punkte für die Luxussteuer und den Second Apron.
Luxussteuer: Diese muss gezahlt werden, wenn die sogenannte "Luxury Tax Line" überschritten wurde. Diese liegt 21,5 Prozent über dem Salary Cap. Für die ersten fünf Millionen Dollar zahlen Teams 1,50 Dollar pro Dollar, zwischen fünf und zehn Millionen sind es 1,75 Dollar pro Dollar.
Repeater Tax: Wer in drei der vergangenen vier Saisons Luxussteuer gezahlt hat, muss höhere Strafen zahlen. Bei den ersten fünf Millionen sind es dann bereits 2,50 Dollar pro ausgegebener Dollar.
First Apron: Dieser liegt ca. sieben Millionen Dollar über der Luxussteuergrenze und die Strafen werden härter, wenn diese überschritten wird. Es dürfen keine Spieler per Sign-and-Trade verpflichtet werden, die Bi-Annual-Exception (5,1 Mio.) steht nicht zur Verfügung. Dazu kann nicht auf die Midlevel-Exception zurückgegriffen werden (14,1 Mio.), es verbleibt nur die Taxpayer Midlevel-Excption (5,7 Mio.). Dazu kann auf dem Buyout-Markt kein Spieler geholt werden, der mehr als die MLE verdiente.
Second Apron: Dieser liegt noch einmal zehn Millionen Dollar darüber. Teams haben keinen Zugriff auf eine MLE, dürfen in Trades nicht mehr Geld aufnehmen, als das sie zurückgeben. Sie können keine Trade Exceptions benutzen und keine Erstrundenpicks traden. Dazu dürfen keine Spieler zusammen getradet werden. Und: Ist das Team in drei von fünf Spielzeiten im Second Apron, wird der nächste Erstrundenpick automatisch an Position 30 gesetzt.
Isaiah Hartenstein hat in Oklahoma City noch einen Vertrag bis 2027. IMAGO/Icon Sportswire
OKC hat weiter Flexibilität
Das alles sind Gründe, warum unter anderem die Boston Celtics in diesem Sommer aggressiv Kosten einsparten. All diese Regeln machen es schwer, einen Contender zu bauen und diesen auch über mehrere Jahre zusammenzuhalten. OKC ist hier eine Ausnahme. Sie sind bereits Champion, ohne dass sie die Steuer zahlen mussten und das werden sie auch in der kommenden Saison nicht, da die abgeschlossenen Deals erst ab 2026 (Williams, Holmgren) bzw ab 2027 (SGA) greifen.
Teuer wird es erst ab 2026/27, wobei die Thunder auch hier ein Ass im Ärmel haben. So besitzen Spieler wie Isaiah Hartenstein (28,5 Mio.), Lu Dort (18,2 Mio.) oder Kenrich Williams (7,2 Mio.) Team-Optionen. So kann die finanzielle Last gedrückt werden. Gleichzeitig sind dies Spieler, die auf dem Markt Interesse wecken und per Trade (durch günstigere Spieler) ausgetauscht werden könnten.
Zudem ist die Schatulle mit Draft-Picks weiterhin gefüllt und OKC damit weiterhin nicht von den eigenen Leistungen abhängig. Hier ein Überblick über alle Picks, die in den kommenden Jahren nach Oklahoma City wandern könnten/werden.
Die kommenden Draft-Picks der Thunder
Jahr
Pick
2026
Utah (1-8 geschützt)
2026
Philadelphia (1-4 geschützt)
2026
Eigener Pick
2027
Denver (1-5 geschützt)
2027
Tauschrecht mit Clippers
2027
San Antonio (1-16 geschützt)
2028
Tauschrecht mit Dallas
2029
Eigener Pick
2030
Eigener Pick
2031
Eigener Pick
2032
Eigener Pick
OKC: Die Draft-Picks kommen weiter
Somit ist garantiert, dass die Thunder stets junge Spieler (mit günstigen Verträgen) an Land ziehen können, um den Kader aufzufüllen. GM Sam Presti traf dabei zuletzt viele gute Entscheidungen, echte Draft-Flops gab es seit Jahren nicht mehr. Um die drei Stars kann das Personal somit fast beliebig ausgetauscht und die Kosten im Rahmen gehalten werden.
Das kann ansonsten mit den Ausnahmen Houston und San Antonio fast niemand. So funktioniert das derzeitige System sogar eher zugunsten der Thunder, weil OKC schon alle Teile zusammen hat und andere Contender damit beschäftigt sind, die Kosten im Rahmen zu halten. Teams wie Boston, Indiana, Minnesota, die Lakers oder auch Cleveland mussten alle Rotationsspieler abgeben, während die Thunder ihr Team problemlos zusammenhalten konnten.
Unvorhergesehene Dinge können natürlich immer geschehen, doch die Position, in der sich die Thunder befinden, ist luxuriös. Und: Der derzeitige Kollektivvertrag könnte 2029 schon wieder Geschichte sein, womöglich werden dann gewisse Regularien entschärft. Auch das könnte den Thunder erneut helfen. Nach sieben Jahren mit sieben Champions schienen Dynastien tot, OKC könnte tatsächlich das Gegenteil beweisen.