vor 12 Stunden
Hauptstädter erzwingen Entscheidungsspiel um BBL-Titel
Tropische Bedingungen in der Max-Schmeling-Halle - und am Ende hatte Alba die frischeren Beine. Mit einer beeindruckenden zweiten Halbzeit erzwangen die Berliner gegen den FC Bayern das entscheidende fünfte Finalspiel um die deutsche Meisterschaft. Jetzt wartet am Sonntag (16.30 Uhr) die letzte Herausforderung der Saison - und die Chance auf eine Sensation.

34 Grad zeigte das Thermometer am Freitag in Berlin. Die Klimaanlage der Max-Schmeling-Halle kam gegen die Hitze nur bedingt an. Spiel vier der Finalserie zwischen Alba Berlin und Bayern München fühlte sich zeitweise eher nach einem Saunagang als nach einem Basketballspiel an.
Und trotzdem konnte Alba noch einmal zulegen. Mit 71:61 gewannen die Berliner - nach zwischenzeitlichem Zehn-Punkte-Rückstand. "Wir haben in der ersten Halbzeit schon extrem viel investiert, sind viel gelaufen und haben viel Druck gemacht", sagt Malte Delow. "Irgendwann sind die Bayern dann ein bisschen müder geworden als wir."
Genau darauf bauen die Berliner seit Monaten auf. Albas größte Chance, so sind die Spieler überzeugt, liegt in ihrer Identität. "Wir geben nie auf. Wir spielen mit Leib und Seele", sagt Michael Rataj. Als der 22-Jährige vor zwei Monaten nach Berlin kam, hätte er nicht damit gerechnet, wenige Wochen später um die deutsche Meisterschaft zu spielen.
Beeindruckend ist dabei vor allem die Reife des jungen Teams. "Viele von den Jungs haben noch nie richtig Playoffs gespielt", sagt Jonas Mattisseck. "Was sie mental leisten, wie sie in diese Spiele reingehen und einfach alles reinhauen, ist wirklich beeindruckend."

Das zeigte sich auch am Freitag. Selbst als Bayern die Partie zunächst kontrollierte, blieb Alba ruhig. Trainer Pedro Calles rotierte früh, hielt das Tempo hoch und versuchte, die körperlichen Belastungen auf möglichst viele Schultern zu verteilen.
"Pedro ist an der Seitenlinie gefühlt der sechste Mitspieler für uns", so Rataj. "Er gibt uns Energie und super Anweisungen." Die Rechnung ging auf. "Wir haben eine hervorragende zweite Halbzeit defensiv gespielt", findet Mattisseck. "Bayern hat sehr wenig Antworten auf unsere Physis gefunden."
Dass Alba seine intensive Spielweise über 40 Minuten durchziehen konnte, war angesichts der Bedingungen keineswegs selbstverständlich. "Wenn man auf unsere Bank geschaut hat: Die ganzen Kühlbags lagen am Nacken", erzählt Rataj. "Pedro hat versucht, sehr schnell zu wechseln, damit wir unsere Spielweise nicht verändern müssen."
Mattisseck erklärt, wie groß das Thema bereits vor dem Spiel gewesen war: "Wir haben das am Morgen adressiert. Unsere Physios und Ärzte waren vorbereitet, alle haben gut getrunken und Eisbags waren da", sagt der 26-Jährige. "Vielleicht hat es uns sogar geholfen, weil wir am Ende etwas frischer waren."
Delow kann darüber nur noch lachen. "Wenn ich euch hier alle angucke, ihr seid auch nicht verschont geblieben", sagt er grinsend zu den Journalisten. "Ich bin ganz schön geschafft."

Trotz des Sieges bleibt Alba am Sonntag Außenseiter. Gleichzeitig sehen die Berliner den Druck klar bei Bayern. "Wir haben unser Heimspiel gewonnen. Das war unser großes Ziel, dass wir zu Hause einen Sieg holen und Spiel fünf erzwingen", sagt Mattisseck. "Ich würde trotzdem sagen, dass Bayern noch Favorit ist", meint Delow. "Sie spielen zu Hause, sind nominell das bessere Team und hatten die bessere Hauptrunde."
Am Ende wird aber auch entscheidend sein, wer die letzten Reserven mobilisieren kann. Und Alba weiß, dass der Kraftakt vom Freitag nur dann einen Wert bekommt, wenn am Sonntag der letzte Schritt folgt. "Wenn wir jetzt nach München gehen und das Spiel nicht gewinnen, hat der Sieg natürlich keine Bedeutung", findet Rataj. "Deswegen müssen wir jetzt den Sack zumachen."
Die Berliner haben nun zwei Tage Zeit. Viel mehr als Erholung wird nicht möglich sein. Delow rechnet deshalb nicht mit Überraschungen. "Inzwischen kennt man sich sehr gut. Und mit so wenig Zeit zwischen den beiden Spielen geht es eher darum, den Körper zu regenerieren. Und am Sonntag das zu machen, was uns die ganze Saison stark gemacht und hierher gebracht hat."
Für ihn ist klar: "Geilere Spiele gibt es nicht im Leben", sagt Delow. "Sonntag geben wir alles."
Franziska Staupendahl