vor 2 Stunden
KD nur mit drei Punkten nach der Pause
Die Los Angeles Lakers haben Spiel 2 gegen die Houston Rockets nicht nur gewonnen, sondern auch eine klare Blaupause geliefert, wie diese Serie verlaufen kann. Vor allem nach der Pause legte L.A. die strukturellen Probleme der Rockets offen.

Dabei sah es zunächst nicht danach aus. Kevin Durant dominierte die erste Halbzeit mit 20 Punkten, fand seine Spots und hielt Houston im Spiel. Die Lakers führten zwar zwischenzeitlich mit 15 Punkten, doch die Rockets arbeiteten sich bis zur Pause auf 51:54 heran - auch, weil Durant offensiv kaum zu kontrollieren war.
Der Bruch kam nach dem Seitenwechsel. Die Lakers änderten ihre Herangehensweise deutlich, verteidigten Durant körperlicher, hedgten aggressiv bei Pick-and-Rolls und schickten konsequent zweite Verteidiger. Plötzlich wurde aus dem Rhythmus ein Kampf um jeden Ballkontakt. Durant kam im dritten Viertel nur auf einen Punkt, im vierten auf zwei - bei nur zwölf Würfen insgesamt und neun Turnovern.
| Viertel | 1. | 2. | 3. | 4. |
|---|---|---|---|---|
| Punkte | 11 | 9 | 1 | 2 |
Die Strategie war dabei keine neue Idee, sondern eher eine konsequente Umsetzung dessen, was Los Angeles bereits in der Regular Season gezeigt hatte: Durant aus dem Spiel nehmen und den Rest schlagen lassen. Genau hier liegt aktuell das Problem der Rockets. Sobald Durant den Ball unter Druck abgeben muss, fehlt es an Struktur, Übersicht und Shot Creation. Wenn die Pässe aus schwierigen Situationen überhaupt ankamen, verpufften sie häufig, weil die Mitspieler die offenen Würfe nicht verwerten konnten - 24 Prozent von der Dreierlinie sprechen eine klare Sprache.
Hinzu kommt die personelle Situation. Ohne einen klaren Ballhandler fehlt Houston in genau diesen Momenten die Kontrolle. Ein Spieler, der das Spiel beruhigt, Double-Teams liest und selbst etwas kreieren kann, ist aktuell kaum vorhanden. Genau deshalb wirkt das Non-Point-Guard-Experiment in dieser Serie bislang nicht wie ein tragfähiges Playoff-Konzept.

Umso mehr stellt sich die Frage nach Reed Sheppard: Der 21-Jährige bringt Shooting und schnelle Entscheidungen mit, kann offene Würfe treffen und gerade gegen aggressive Hilfe zumindest etwas Entlastung geben. In Spiel 1 noch Starter, kam er in Spiel 2 allerdings nur auf zehn Minuten - obwohl Houston auf genau dieses Skillset eigentlich angewiesen wäre.
Auch deshalb rücken die anderen Leistungsträger stärker in den Fokus. Alperen Sengün konnte die Räume, die durch die Aufmerksamkeit für Durant entstanden, nicht konstant genug nutzen. Tracy McGrady brachte es nach dem Spiel bei Prime deutlich auf den Punkt: "Ist er ein All-Star? Ja, ist er, aber so muss er auch spielen. Er muss performen." Genau das brauchen die Rockets, wenn sie die Lakers aus ihrer klaren defensiven Komfortzone bringen wollen.

Auf der anderen Seite zeigte sich, warum die Lakers in dieser Serie gefährlich bleiben. LeBron James kontrollierte das Spiel, ohne permanent gedoppelt zu werden - auch, weil Houston das Risiko scheute, seine Playmaking-Fähigkeiten zu öffnen. Dass die Lakers am Ende 46 Prozent ihrer Dreier trafen, dürfte diese Vorsicht zusätzlich erklärt haben.
"Wir wussten, wie motiviert sie sein würden, also mussten wir noch motivierter sein. Ich finde, wir haben ein verdammt gutes Spiel gemacht", sagte James. Über die Defense gegen Durant erklärte er: "Wir müssen ihm verschiedene Looks geben - Fastballs, Curveballs, alles. Das Coaching Staff hat uns in die richtigen Situationen gebracht."
Diese Anpassungsfähigkeit könnte in der Serie entscheidend bleiben. Denn während die Lakers mehrere Wege finden, ein Spiel zu kontrollieren, hängt bei Houston aktuell zu viel an einem Spieler.
Mit Blick auf die kommenden Partien und wie man die Energie nach Houston bringt formulierte James abschließend: "Es sind die Playoffs. Wir haben keine Wahl. Es ist der erste (zweite) von vier Siegen - nie der erste von einem oder zwei."
Sam Müller