16.06.2025
Personalsorgen vor dem Start
Personell geschwächt und mit drei Niederlagen aus vier Testspielen reisen die DBB-Frauen nun nach Hamburg zur Women’s EuroBasket. Der Weg ins Viertelfinale dürfte schwer werden.

Zwei verletzte Spielerinnen, drei Niederlagen und ein Sieg: Die Bilanz der Testspielreihe der deutschen Basketballerinnen im Vorfeld der Women’s EuroBasket in Hamburg könnte besser sein. Lediglich gegen die Türkei gelang ein 81:65-Erfolg, gegen Tschechien (70:86) sowie Belgien (45:80 und 97:60) hatte die deutsche Mannschaft das Nachsehen. Anfang der Woche trifft das Team von Bundestrainerin Lisa Thomaidis nun in Hamburg ein, um sich final auf die Gruppenphase gegen Schweden, Spanien und Großbritannien vorzubereiten. Nach den vergangenen Wochen bleiben dabei jedoch einige Fragezeichen - vor allem personell.
Denn nach der Absage von Satou Sabally und der Verletzung von Marie Gülich gab es weitere Rückschläge für das deutsche Team: Eine Woche vor Start der Europameisterschaft sagte auch die zweite Sabally-Schwester ab. Nyara Sabally musste in der WNBA-Saison bei New York Liberty bereits sechs Spiele aussetzen, da sie Probleme am rechten Knie hatte. Hier hatte sich die 25-Jährige bereits zweimal das Kreuzband gerissen. Am 10. Juni war sie gegen Chicago Sky zwar wieder einsatzbereit gewesen und landete direkt in der Startformation. Mit neun Punkten und drei Rebounds feierte sie dabei ein gelungenes Comeback. Doch einen Tag später sagte sie die Teilnahme an der EuroBasket ab, die Belastung für das Knie sei zu hoch. "Nyara ist ein weiterer großer Verlust für unser Team. Doch ihre langfristige Gesundheit und ihre künftige Spielerkarriere sind das Wichtigste", sagte Thomaidis.
So sind am Sonntag nur noch zwei WNBA-Spielerinnen zum deutschen Team gestoßen: Leonie Fiebich, ebenfalls bei New York Liberty, und Luisa Geiselsöder. Immerhin scheinen beide in Topform zu sein. Vor allem Geiselsöder macht in ihrer Rookie-Saison einen starken Eindruck. In ihrem siebten Einsatz für die Dallas Wings machte sie gegen las Vegas Aces insgesamt 13 Punkte. Und auch Fiebich kommt auf 6,7 Punkte pro Spiel. Beide werden daher eine große Bereicherung für das deutsche Team darstellen. Allerdings hatten sie keinerlei gemeinsame Vorbereitung und müssen sich erst in den neuen Kader einfinden. Dadurch lastet eine große Verantwortung auf den Schultern der beiden WNBA-Spielerinnen.
Eine Verantwortung, die sie sich mit nur wenigen erfahrenen Spielerinnen teilen können. Denn auch Alina Hartmann verpasst die Europameisterschaft. Im ersten Testspiel gegen Belgien zog sich die 29-Jährige eine Meniskusverletzung zu und wird daher nicht im Kader für die EuroBasket stehen. Auch Alexandra Wilke setzte zuletzt aus gesundheitlichen Gründen aus, wie fit sie ist, wird sich wohl in den kommenden Tagen zeigen. Für Thomaidis keine leichte Aufgabe, denn die Optionen im Kader werden somit immer weniger. Sie wird nun neben der Erfahrung von Alexis Peterson und Romy Bär vor allem auf die jungen Talente im Team setzen müssen. Immerhin: Die zeigten sich in den Testspielen von einer guten Seite.
Gerade in den Spielen gegen Tschechien und die Türkei überragte Frieda Bühner. Mit 30 Punkten gegen die Türkinnen erreichte sie ihren persönlichen Rekord. Im ersten Spiel gegen Belgien wurde sie stark verteidigt, im zweiten Test konnte sie aber mit 20 Punkten wieder ihre Stärke zeigen und war mit Abstand deutsche Topscorerin. Auch Emily Bessoir (23) vom spanischen Team Lointek Gernika Bizkaia war in den Testspielen eine starke Korbjägerin. Und die beiden Newcomerinnen Hilke Feldrappe (21) und Clara Bielefeld (17) konnten ebenfalls regelmäßig Punkte sammeln. Bielefeld war im ersten Spiel gegen Belgien mit zehn Punkten sogar Topscorerin, Feldrappe mit neun Punkten knapp dahinter. Für beide war es die beste Punkteausbeute bisher.
Nun gilt es bis zum ersten Spiel gegen Schweden (19. Juni, 20 Uhr) die Erfahrungen aus den Testspielen aufzuarbeiten und daraus zu lernen. Defensive und Chancenverwertung müssen in der Gruppenphase besser funktionieren, will man nach Piräus fahren, um dort die Hauptrunde zu spielen. Immerhin: Im zweiten Spiel gegen Belgien hielt die deutsche Auswahl zunächst gut mit und konnte im zweiten Viertel sogar unentschieden spielen, bevor Belgien schließlich doch gewohnt stark davonzog. "Ich fand das Team hat sich im Vergleich zum ersten Spiel in Leuven gesteigert. Wir fokussieren uns auf unseren täglichen Fortschritt und freuen uns auf die neu-ankommenden Spielerinnen und das Auftaktspiel in Hamburg", resümierte Thomaidis nach der Partie.
Ein großer Pluspunkt aus den vier Testspielen: Das deutsche Team bewies eine tolle Moral. Auch wenn man wie beim ersten Spiel gegen Belgien weit zurücklag, hatte sich die DBB-Auswahl nie aufgegeben und immer bis zum Schluss gekämpft. Neben den rein spielerischen Aspekten eine wichtige Grundlage, um aus der Gruppenphase in Hamburg mindestens auf Platz zwei herauszugehen. Denn auch wenn etwa Schweden und Großbritannien nicht so stark einzustufen sind wie die Belgierinnen und ebenfalls eine eher durchwachsene Vorbereitung auf die EuroBasket hatten, dürfte die Aufgabe in der Inselpark Arena keineswegs einfach werden. Ganz zu schweigen von den Spanierinnen, die zuletzt ungeschlagen sind.
Doch nicht zu vergessen: das Heim-Publikum in Hamburg. In beinahe ausverkaufter Halle wird die deutsche Mannschaft sicherlich einen ordentlichen Push von außen bekommen. Bleibt abzuwarten, ob das nun recht junge Team dem Druck gewachsen ist und das Positive aus der Fan-Unterstützung herausziehen kann.
Nina Probst