vor 5 Stunden
Kommentar zur DBB-Entscheidung
Alex Mumbru darf nun doch als Bundestrainer eine Doppelfunktion ausüben. Der DBB springt dabei über seinen eigenen Schatten und zeigt, dass man die Zeichen der Zeit doch verstanden hat. Ein Kommentar.

Nun also doch: Der DBB erlaubt Bundestrainer Alex Mumbru eine Doppelfunktion - ein Streitpunkt, der vor zwei Jahren dazu führte, dass Weltmeister-Coach Gordon Herbert seinen Posten aufgab und damit Platz für Mumbru machte.
Letztlich kann man dem Deutschen Basketball-Bund zu diesem Sinneswandel nur beglückwünschen, denn alles andere wäre auch nicht zeitgemäß gewesen. Mumbru selbst hatte immer wieder angedeutet, dass er auch wieder gerne als Vereinstrainer arbeiten würde. Mit 47 Jahren hat der Katalane natürlich noch Ambitionen und wäre langfristig mit ein paar Einsätzen in den Fenstern und bei großen Turnieren sicherlich nicht zufrieden gewesen.
Es war ohnehin überraschend, dass der DBB 2024 einen Coach mit EuroLeague-Erfahrung fand, einen endlosen Pool an Kandidaten gibt es hier nicht. Immer wäre das nicht gut gegangen, umso besser ist es, dass man mit Mumbru einen Kompromiss gefunden hat und gewissermaßen über den eigenen Schatten gesprungen ist.
Es mag idealistisch sein, dass sich ein Bundestrainer voll auf die Nationalmannschaft konzentriert, ist gleichzeitig aber eher ein angestaubtes Modell. Fast alle Coaches der großen Nationen üben nebenher noch eine andere Tätigkeit aus, von den vier EM-Halbfinalisten war nur Mumbru nicht noch bei einem anderen Klub angestellt.
Ergin Ataman (Türkei) trainierte Panathinaikos, Vassilis Spanoulis die AS Monaco und Finnlands Coach Lassi Tuovi war sogar in Japan aktiv und schaffte es trotzdem, dass er aus den Finnen überraschend einen Medaillenanwärter machte. Es zeigt: Die Qualität des Coachings muss darunter nicht leiden.
Für den Start war es sicherlich gut, dass Mumbru jede Menge Zeit hatte, um die Spieler und die Liga besser kennenzulernen, nach knapp zwei Jahren in dieser Rolle dürfte sich vieles eingespielt haben. Das sollte auch für sein Trainerteam gelten. Mit Alan Ibrahimagic hat der Bundestrainer einen Co-Trainer, der in Deutschland vor Ort ist und dem die Spieler auch vertrauen, das zeigte die EM mehr als deutlich.

Dass der DBB nun doch gesprächsbereit war, zeigt eine gewisse Entwicklung und Vertrauen. Was wäre das auch für ein Signal gewesen, wenn man den zweiten Erfolgstrainer innerhalb weniger Jahre aus dem gleichen Grund verloren hätte?
Dies passiert nun zum Glück nicht. Mumbru bekommt seine zweite Chance als Coach in der EuroLeague, der DBB behält eines der Gesichter des Erfolges. Alle gewinnen hier und es ist gut, dass dies die Parteien auch so verstanden haben.
Robert Arndt