05.03.2026
Slowene tritt mit Los Angeles auf der Stelle
Die Los Angeles Lakers sollten die Playoffs erreichen, womöglich sogar mit Heimvorteil. Gleichzeitig spielt Luka Doncic statistisch eine exzellente Saison, ist bester Scorer der NBA - und wirkt dennoch immer wieder frustriert. Etwas passt nicht in LA. Doch was? Und weshalb?

Luka Doncic und JJ Redick waren sich uneins. Während Doncic nach einer Auswechslung auf seinen Bankplatz zulief, sprachen sie - und führten ihre Unterhaltung fort, als Luka saß. Nicht entspannt, aber auch nicht aufgeregt. Sie diskutierten. Redick sprach viel. Am Ende einen letzten Satz, nach dem er sich einfach umdrehte und zurück Richtung Anschreibetisch lief. Voreilig für Doncic. Vielleicht hatte Redick auch den Handshake vergessen. Doncic stand auf und schien seinem Coach hinterherzulaufen, bis Jarred Vanderbilt sich entspannt erhob und sich, einer Szene auf dem Feld applaudierend, Luka in den Weg stellte, ohne den Anschein zu machen, genau das vorzuhaben.
Eine kurze Sequenz. Im Gesamtkontext womöglich eine unwesentliche. Unter dem Brennglas jedoch eine, die den Spekulationsraum weit öffnete. Gibt es Probleme zwischen Superstar und Coach? Mögen sich Luka und Redick womöglich nicht? Was bedeutet das für die Zukunft? Will Luka wieder weg aus LA? Darf Redick bleiben? Wie gern in solchen Momenten verselbständigte sich das Narrativ ein wenig. So sehr, dass Redick nun gegensteuerte.
"Ich habe mir ehrlich gesagt da schon nicht viel dabei gedacht", sagte der Lakers-Coach. "Ich glaube, Luka auch nicht. Wir haben eine großartige Beziehung. Sie ist mir viel wert. Und ich glaube, solche Dinge passieren. Nicht während jedes Spiels, aber sie passieren regelmäßig." Redick hat einen Punkt. In einer hochkompetitiven Atmosphäre, unter maximalem Druck werden im Zweifel nicht nur die ganz freundlichen Worte ausgetauscht. Kleine Entladungen gehören im Sport dazu. Zumal die Saison der Lakers - und auch die von Doncic - ein wenig sonderbar anmutet.
Nur 1,5 Spiele fehlen auf die Rockets auf Rang drei im Westen. Luka füllt den Boxscore mit 32,4 Punkten bei 47,3 Prozent aus dem Feld (der viertbeste Wert seiner Karriere), 8,6 Assists sowie 7,7 Rebounds. Zuletzt gewannen die Lakers drei Mal in Folge. Und dennoch wirken sie nicht wie ein Team, das wirklich daran glaubt, die Playoffs ernsthaft aufmischen zu können. Tatsächlich wirkt auch Doncic häufig, als liefen die Dinge ganz grundsätzlich nicht so, wie er sie sich vorstellt..
Nun ist der Slowene auf dem Feld grundsätzlich ein offenes Buch. Ein süffisantes Lächeln gehört zu Doncic wie der komplizierte Wurf, der sich dann doch irgendwie durch den Ring quält - oder der verzweifelte Schrei nach einem Foulpfiff. Kommt der nicht, beginnt häufig die Diskussion. Ein zentraler Kritikpunkt. Weil es a)nichts bringt und b) Luka danach hinten fehlt, sein Team Vier-gegen-Fünf verteidigen muss. Kurz wirkte es, als habe er sich in dieser Saison besser im Griff. Längst sind die alten Gewohnheiten zurück.
Fast jeden Zug zum Korb begleitet die feste Überzeugung, sich angesichts seiner Anstrengung doch einen Pfiff verdient zu haben. Kommt er nicht, bricht der Frust aus. Da zu sein, scheint er ohnehin. Denn auch so grinst sich Doncic gern leicht genervt durch Spiele. Es wirkt, als sei die Freude, die er zu Beginn seiner Karriere ausstrahlte, verschwunden. Jedenfalls zu einem gewissen Teil.
Denn so positiv einige Aspekte der Saison sein mögen, zur Wahrheit gehört auch, dass die drei Siege in Serie gegen die Warriors, Kings und Pelicans gelangen, zwei der schwächsten Teams und eines (Golden State), bei dem, abgesehen von Draymond Green, seine Besten fehlten. Auch solche Spiele gewinnen sich nicht von selbst. Gleichzeitig verlor LA zuvor fünf von sieben Spielen, darunter gegen Playoff-Konkurrenz aus San Antonio, Oklahoma City und Phoenix; und gerade das Spiel gegen die Suns offenbarte ein entscheidendes Problem.
Immer wieder treffen die Lakers auf Teams, die ihren inneren Antrieb offenbar etwas zielgerichteter kanalisieren. LA schien Phoenix zu dominieren. Ohne Devin Booker und Dillon Brooks, ihre beiden Besten, genügten den Suns dennoch drei brachiale Runs, um ein Spiel zu gewinnen, das eigentlich den Lakers gehörte. "Heute hätten wir gewinnen müssen", sagte danach auch Marcus Smart. "Wir haben alles richtig gemacht. Wie waren gesund. Wie haben gut gespielt, nahmen dann den Fuß vom Gas und sie haben uns dafür bezahlen lassen."
Tatsächlich lassen sich die Lakers, deren Bilanz lange auch gut ausfiel, weil sie enge Spiele gewannen, immer wieder aus der Ruhe bringen. "Das Problem haben wir schon die ganze Saison", sagt auch Redick. "Es geht darum, sich des Werts jedes Plays, jedes Ballbesitzes klar zu sein, und wenn du genügend gute Possessions zusammenbringst, gewinnst du. Wenn du genügend schlechte aneinander reihst, verlierst du."
Mal pendeln die Lakers in die eine, mal in die andere Richtung. Obwohl Doncic offensiv eine herausragende Saison spielt, am Ring effizienter abschließt als jemals zuvor in seiner Karriere (81 Prozent) - wenngleich er weiterhin bevorzugt aus der Mitteldistanz und von jenseits der Dreierlinie abschließt -, mit 19,2 möglichen Assists pro 100 Ballbesitze absolute Ligaspitze ist. Doncic ist unglaublich gut. Gleichzeitig wirkt es, als sei er trotz aller Statistiken nicht dieser Katalysator, der alles um sich herum zielgerichtet besser macht wie noch in Dallas.

Irgendwie ist vieles Wahrnehmung bei den Lakers 2026. Grundsätzlich haben sie klare Schwächen, die einen tiefen Playoff-Run mindestens erschweren. Auch, weil das Team anders als eben die Mavericks 2024, nicht um Doncic’ Stärken herum aufgebaut sind. Es fehlt an Mitspielern, die sowohl verteidigen als auch als Schützen das Feld breit machen und Lukas Anspiele verwerten können, während sie ihm den Zug in die Zone erleichtern.
Mit Derek Lively und Daniel Gafford hatte Dallas zwei verlässliche Ringbeschützer, die hart zum Ring rollen und Lobanspiele reindrücken konnten. Weder Deandre Ayton noch Jaxson Hayes liefern das auf demselben Niveau. So sind die Lakers defensiv anfällig, während Doncic vorne zwar zu seinen Punkten kommt, für sie aber extrem hart arbeiten muss. Statistisch verteidigen nur acht Team schlechter als LA, was wiederum dazu führt, dass die Lakers mit einem Net Rating von 0,3 auf 100 Ballbesitze nur minimal mehr punkten als sie zulassen.
Natürlich trägt Doncic defensiv zur Problematik bei. Mit ihm auf dem Feld erlauben die Lakers laut Cleaning the Glass 1,1 Punkte mehr. Auch, weil er häufig noch mit Schiedsrichtern diskutiert, während gegnerische Teams am anderen Ende bereits ihre Offense initiieren. Verkomplizierend hinzu kommt, dass neben Luka auch die anderen beiden wichtigsten Offensivspieler, LeBron James und Austin Reaves, defensiv angreifbar sind. Gleiches gilt für Luke Kennard, den die Lakers zur Trade-Deadline holten.
| Spieler | O-rating | D-Rating | Net-Rating |
|---|---|---|---|
| Doncic, Reaves, LeBron | 111,7 | 110,7 | +1,0 |
| Doncic, Reaves | 122,5 | 111,3 | +11,3 |
| Doncic, LeBron | 117,3 | 120,8 | -3,5 |
| LeBron, Reaves | 115,3 | 118,7 | -3,3 |
| Nur LeBron | 117,3 | 110,3 | +7,0 |
| Nur Doncic | 123,8 | 122.0 | +1,7 |
| Nur Reaves | 120,0 | 117,9 | +2,0 |
| Keiner der Stars | 101,8 | 122,6 | -20,8 |
Im Grunde stimmt, was LeBrons Agent Rich Paul im Sommer sagte: Die Lakers befinden sich in einem Übergangsjahr - was, anders als von Paul formuliert, für Doncic fast noch bitterer ist als für James. Natürlich möchte LeBron während der finalen Phase einer Karriere noch so viel Erfolg mitnehmen wie möglich. Gleichzeitig ist sein Buch nahezu zu Ende geschrieben. Doncic’ Geschichte befindet sich noch im Anstieg.
Eigentlich bewegt sie sich auf den ersten Gipfel zu. In diesem Jahr, so wirkt es derzeit, hängt sie im Basecamp fest; unter anderem, weil die Lakers nicht Dallas’ Blaupause folgten und klare Schwachstellen nicht angingen. Anfang März deutet wenig darauf hin, dass LA die Tiefe und Vielseitigkeit hat, um mit Meister OKC oder den Spurs mitzuhalten. Auch Denver scheint trotz aller aktuellen Probleme besser für die Playoffs gerüstet zu sein. Minnesota, gegen das die Lakers in Runde eins bereits vergangenes Jahr kaum Chancen hatten, ebenfalls.
Ausgerechnet zu Beginn seiner Prime scheint Doncic damit ein Jahr "zu verlieren" - und das mit der Aussicht auf Victor Wembanyama, der gerade am Anfang seiner Entwicklung steht, dennoch regelmäßig dominiert; auf die Thunder, die sich trotz eklatanter Verletzungsprobleme verlässlich ganz oben halten. Womöglich steigt der Frust. Womöglich steckt hinter allem aber auch ein größerer Plan.

Im Sommer läuft James’ aus. Ob er weitermacht, verlängert oder noch einmal woanders unterschreibt, weiß derzeit niemand. LeBron ist immer noch gut. Sehr gut sogar. So richtig scheint es mit ihm Doncic und Austin Reaves als Trio jedoch nicht zu passen. Offensiv entstehen noch zu wenige Synergien, defensiv bietet jeder für sich Angriffsfläche, im Verbund natürlich noch mehr.
Trotz allem sind die Statistiken durchaus positiv, wenn Luka und Reaves gemeinsam auf dem Feld stehen; und das, obwohl einer der beiden häufig "pausiert", während der andere Spielzüge läuft. Die "klassischen" Synergien scheint es nicht zu geben, dennoch profitieren beide offenbar voneinander. Verlängern die Lakers deshalb mit, wie angedacht, mit Reaves, zieht er seine Spieleroption für kommende Saison oder wird er Free Agent, um zu wechseln? Womöglich entscheiden auch die nächsten Wochen mit.
Ob bewusst oder mangels Spielraum oder passender Alternativen scheinen die Lakers 2026 ein Team zu sein, das zwar viel Talent, aber noch keine finale Identität hat; das einerseits eine offensive Lawinen auslösen kann, dem aber zu viel fehlt, um ernsthaft um die Meisterschaft spielen zu können. Das Gebilde scheint in der Entstehung zu sein, während sein Bester gern bereits alles gewinnen würde - weil er vor knapp zwei Jahren bereits kurz davor stand.
Die Lakers wackeln in der Gegenwart, weil in der Zukunft noch einige Arbeit notwendig ist. Obwohl auch er seinen Anteil hat, im Positiven wie im Negativen, scheint dieses Leben im Übergang Doncic immer wieder zu frustrieren. Das führt schon mal zu angeregten Diskussionen mit dem Coach…
Max Marbeiter