vor 4 Stunden
Verschiebungen im italienischen Basketball
Nicht ein, sondern gleich neue Teams entstehen in Rom. Die italienische Hauptstadt war viele Jahre Basketball-Diaspora und stand so sinnbildlich für den Sport auf dem Stiefel. Was sich nun ändern wird.

Es ist schon alles sehr merkwürdig, was da in den vergangenen Monaten in Italien vor sich geht. Klar ist: Es wird zwei neue Teams in Rom geben, viel mehr weiß man aber nicht. Maxima Roma sowie BC Roma SPQR werden in der kommenden Saison nicht nur in Italien Körbe werfen, sondern direkt auch im zweitklassigen EuroCup antreten. So weit, so gut.
Es gibt jedoch weiterhin keine eigene Homepage und noch nicht einmal ein Anzeichen von einer Social-Media-Abteilung. Wer in der kommenden Saison für Maxima spielen wird, ist genauso wenig abzusehen. Grundsätzlich handelt es sich hier um einen Umzug. Der US-Investor Paul Matiasic, der zuletzt Besitzer in Triest war, verkaufte seine Anteile und erwarb stattdessen jene von Brescia.
Diese hatten die Hauptrunde überraschend als Zweiter beendet und waren dann auch ins Playoff-Halbfinale vorgestoßen. Nun steht die Stadt aus der Lombardei aber plötzlich ohne Team da, weil Matiasic die Organisation umgehend nach Rom verlegte. Ende Juni gab auch der italienische Verband seinen Segen für diesen im europäischen Basketball eher ungewöhnlichen Schritt.
Dabei wurde bereits einen Monat zuvor ein anderes Projekt in Rom aus dem Boden gestampft, wobei das Vorgehen ähnlich war. Roma SPQR (es steht für übersetzt „Der Senat und das Volk von Rom“) wird von einer Investorengruppe rund um den ehemaligen GM der Dallas Mavericks, Donnie Nelson, sowie Luka Doncic unterstützt. Auch sie kauften eine Lizenz, in diesem Falle vom Traditionsklub Vanoli Cremona (seit 2009 in der ersten Liga), mit dem Ziel, ab 2027 in der neuen NBA Europe zu spielen.
Aber auch hier: Das Logo wurde von der EuroLeague veröffentlicht und Spieler sowie Trainer sind bisher noch nicht klar. Dazu kommt die Frage nach der Halle. Maxima Roma hat hier einen Vorteil, da sie sich bereits mit der PalaEU geeinigt haben und einige Spiele dort austragen dürfen. Der Rest der Spiele soll im kleinen Sportpalast (3.500 Plätze) stattfinden.
Dort soll aber auch das Doncic-Team spielen, zumindest solange bis eine größere Mehrzweckhalle für rund 13.000 Zuschauer zur Verfügung steht. Wann dies aber der Fall sein wird, ist derzeit noch nicht abzusehen.

Der Basketball hat dabei ähnliche Probleme wie der Fußball. Es gibt zu viele marode Hallen, finanziell sind die Italiener ebenfalls nicht auf Rosen gebettet, auch wenn in Mailand und Bologna in den beiden EuroLeague-Standorten gutes Geld in den Kreislauf gepumpt wird. Darüber hinaus gibt es aber viel Unklarheit, das Scheitern von Trapani Shark und das unwürdige Ende in der vergangenen Saison war nur ein weiterer Beleg für die Instabilität südlich des Brenners.
Dennoch gibt es Grund zur Hoffnung. In Neapel gibt es ein weiteres ambitioniertes Projekt, in Venedig entsteht eine neue Arena für über 10.000 Zuschauer. Und dann steht womöglich noch ein weiteres neues Projekt auf der Agenda. Varese kooperiert nun mit RedBird, jener Investorengruppe, die auch die AC Milan besitzt. Es gibt Spekulationen, dass auch hier ein Umzug bevorsteht und man auch in Mailand ein Team in der NBA Europe haben könnte.
Robert Arndt