31.03.2025
Sind die Lakers ein Contender?
Immerhin 21 Spiele hat Luka Doncic mittlerweile für die Los Angeles Lakers absolviert. Das Team hat sich durch ihn nicht nur in Bezug auf die Wahrnehmung verändert - auch das Produkt auf dem Court ist ein anderes. Obwohl der Slowene in mindestens einer Hinsicht noch gar nicht er selbst ist.

Bisweilen will das geneigte Auge beim Zusehen immer noch gerieben werden. So fest schien die Nr. 77 mit Dallas verwoben, so sehr hatte man sich daran gewöhnt, dass ein noch talentierterer Europäer nahtlos auf Dirk Nowitzki gefolgt war, um dessen Erbe anzutreten, dass sich der folgende Satz noch immer komisch anfühlt: Luka Doncic ist ein Laker.
Es ist jedoch die Realität. Knapp zwei Monate sind mittlerweile vergangen seit dem Trade, die crypto.com Arena ist regelmäßig prall gefüllt mit lila-goldenen Trikots mit besagter 77. Doncic ist nicht mehr Nowitzkis Erbe, sondern folgt jetzt auf Kobe Bryant, Magic Johnson und all die anderen Legenden der Franchise-Geschichte.
Zu sagen, dass er den Vibe rund um die Lakers seither verändert hat, wäre blankes Understatement; gefühlt ist alles anders, die Halle brummt, und auch in Los Angeles fragen sich wohl noch immer regelmäßig Zuschauer, ob es diesen Trade wirklich gegeben hat. Doch wie sieht es eigentlich mit dem tatsächlichen Geschehen auf dem Court aus?
21 Spiele hat Doncic mittlerweile für sein neues Team absolviert. In diesen Partien hat er die Lakers in gewisser Weise bereits transformiert - obwohl er seiner eigenen Bestform bisher noch hinterherläuft.
Zunächst, die nackten Fakten: 27,8 Punkte, 8,4 Rebounds und 7,8 Assists legt Doncic für die Lakers bisher auf. Mit ihm im Lineup haben die Lakers 13 von 21 Spielen gewonnen. Phasenweise sahen sie bereits richtig dominant aus - etwa bei acht Siegen in Folge nach der All-Star-Pause, wobei Doncic beim ersten Sieg fehlte -, seither jedoch gab es einige Dämpfer.
Seit dem Ost-Trip Anfang März steht das Team lediglich bei 5-8, 5-6 in Spielen mit Doncic im Lineup. Was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass LeBron James mit einer Leistenverletzung sieben Spiele verpasste und seither noch nicht wieder sein voriges Level erreicht hat. Auch die Defense, zuvor erstaunlich stark unterwegs, hat sich zuletzt in die falsche Richtung entwickelt.
Unterm Strich steht: Seitdem Luka erstmals für die Lakers auflief, haben diese ein mittelmäßiges Net-Rating (+0,8), eine mittelmäßige Offense (Platz 18) und eine mittelmäßige Defense (Platz 15). Oberflächlich gesprochen ist das nicht so weit davon weg, wo sie vorher waren (+1,3), wobei die Offense vor Luka sogar etwas besser funktionierte (Platz 9).
Zu viel sollte man daraus indes nicht ablesen. Das Team gewöhnt sich noch an seine neue Identität. Die Mathematik hat sich drastisch verschoben; vor Luka nahmen sie die sechstwenigsten Dreier der Liga, mit ihm sind es die zweitmeisten. Die Menge ihrer Versuche am Ring ist gesunken, obwohl sie dort noch immer hochprozentig treffen.

Doncic läuft in L.A. etwas weniger Pick’n’Rolls als zuvor in Dallas - es sind aber noch immer deutlich mehr als bei jedem anderen Laker zuvor in dieser Spielzeit. Einen Spieler, der nahezu automatisch Double-Teams zieht, hatten sie vor ihm nicht (LeBron war natürlich mal einer); Luka eröffnet folglich auch LeBron und Austin Reaves neue Möglichkeiten.
"Die Leute beginnen zu lernen, dass ich irgendwann im Spiel in der Regel gedoppelt werde", erklärte Doncic nach dem Sieg über San Antonio Mitte März. "Ich akzeptiere das und mag es, [daraus] zu spielen. Es bewahrt meine Energie. Und wir können einfach Vier-gegen-Drei spielen. Ich denke, die Jungs machen das sehr gut."
Tatsächlich läuft dieser Lernprozess noch. Im Zuge des aktuellen Auswärtstrips bestellte Head Coach J.J. Redick seine drei besten Offensivspieler sogar zum Treffen ein, um sie dazu zu ermahnen, etwas vertrauensvoller und konsequenter zu dritt zu spielen, um das gemeinsame Potenzial besser abzurufen.
Das Memphis-Spiel zeigte dann die Möglichkeiten der Big 3 in fast all ihrer Pracht: 85 Punkte und 25 Assists verzeichnete das Trio gegen die Grizzlies, generierte 120 von 134 Lakers-Punkten. Ein sehr großer Teil davon kam aus leichten Abschlüssen zustande, die nach initialer Penetration von Doncic, LeBron oder Reaves durch sauberes, schnelles Ball-Movement möglich wurden.
"Besser als heute haben wir offensiv bisher noch nicht gespielt", lobte Redick danach. "Das zeigt einfach, dass wir, wenn wir richtig spielen und einander vertrauen, bei fast jedem Ballbesitz einen offenen Wurf haben können."
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An ihren besten Tagen können die Lakers das wirklich. Noch trennt sie zwar noch einiges davon, diese Tage regelmäßig zu haben, es ist aber nicht übertrieben zu sagen, dass kein anderes Team eine solche Kombination aus drei exzellenten Offensivspielern, die allesamt Spiele übernehmen und aber auch off-ball funktionieren können, aufbieten kann.
Erst recht, wenn Doncic irgendwann er selbst ist. Konstant ist bisher nämlich auch das nicht der Fall. Der Dreier lässt sich dabei ausklammern, da dieser ja schon immer etwas streakywar und sich bereits gesteigert hat (nach dem eiskalten Februar mit 24,1% traf er im März 41,7%). Es ist kurioserweise eher der Zweier, der bei Doncic etwas mehr Sorgen bereitet.
In seiner Karriere war das bisher eigentlich noch nie der Fall. Schon als Rookie knackte Luka innerhalb der Dreierlinie die 50 Prozent Trefferquote, in seiner besten Saison waren es überragende 59 Prozent. Auch in bisher 50 Playoff-Spielen legte er 54 Prozent auf, ein wichtiger Part seines Arsenals als robuste Offensiv-Waffe, auf die es keine allzu gute Antwort gibt.
In L.A. trifft Doncic 46 Prozent seiner Zweier, mit Abstand Career-Low. Die Tendenz steigt hier auch nicht; in seinen letzten acht Spielen knackte Luka sogar nur zweimal die 50%-Marke.
Es ist schwer zu erklären, woher diese Probleme rühren. Doncic plagt sich fast schon traditionell mit einigen Verletzungen herum, vielleicht ist auch bei ihm der Gewöhnungsprozess an sein neues Team nicht abgeschlossen, sein Timing nach der langen Pause, die ja schon Ende Dezember begonnen hatte, nicht vollständig da.
Vielleicht ist es auch bloß Pech. Positiv zu betonen ist, dass Doncic durchaus aggressiv spielt, regelmäßig zieht (15,7 Drives pro Spiel, die siebtmeisten der Liga) und sich nicht etwa exklusiv auf den Stepback verlässt. Er zieht als Folge dieser Aggressivität neun Freiwürfe pro Spiel, das schließt nahtlos an die vorigen beiden Jahre in Dallas an.
Für den Moment schränkt die geringere Effizienz den Fehlerspielraum der Lakers dennoch ein. Und sie begehen noch zu viele Fehler; seit Lukas Ankunft leistet sich außer Denver kein Playoff-Team mehr Turnover, was sich auch mal rächen kann, siehe der epische Kollaps gegen Chicago; seit Doncic‘ Wechsel leisten er und LeBron sich gemeinsam acht Turnover pro Spiel.
Die beste Version von Doncic schützt etwas besser vor solchen Schwierigkeiten. Die gute Nachricht: Wahrscheinlich kommt sie, eher früher als später. Über den größten Teil seiner Karriere ist Doncic ein guter, ein bisweilen historischer 2-Punkte-Scorer; die 21 Spiele sind etwas verwunderlich, verleiten gemäß der vorherigen Stichprobe aber eher zum Urteil "abwarten" als zum Urteil "hier stimmt etwas nicht".
Das Spiel gegen Memphis war bereits ein Schritt in die richtige Richtung (6/9), in dem Doncic wenig forcierte, das Spiel auf sich zukommen ließ und den Ball bereitwillig teilte. Auch für ihn ist die Situation ja neu: In L.A. muss nicht zwingend alles von ihm ausgehen, es gibt bei den Lakers mehr als einen Weg, gegnerische Teams in den Mixer zu schmeißen.
Und sie werden alle brauchen. Acht Spiele sind es noch bis zu den Playoffs - nahezu alle davon sind Kracher. Je zweimal spielen die Lakers noch gegen die Rockets und gegen OKC, die beiden besten Teams im Westen. Einmal empfangen sie die Warriors. Für eine Standortbestimmung kurz vor der Postseason könnte der Schedule kaum besser geeignet sein.
Und dann ist da ja auch noch der 9. April. In der letzten Saisonwoche gastiert die Nr. 77 erstmals in Dallas, bei der alten Liebe. Vielleicht braucht es dieses Spiel, damit sich die neue Realität tatsächlich real anfühlt. Gut möglich aber, dass man sich auch danach noch für eine ganze Weile regelmäßig die Augen reiben wird.
Ole Frerks