07.05.2025
Eine besondere Basketball-Freundschaft
Marvin Willoughby, der frühere Nationalspieler und heutige Vereinsboss der Hamburg Towers, spricht im Interview mit Basketball World über seine Freundschaft zu Dirk Nowitzki und über frustrierende Trainingseinheiten.

Herr Willoughby, Sie haben in Ihrer aktiven Zeit in Würzburg zusammen mit Dirk Nowitzki gespielt. Was sind Ihre ersten Erinnerungen an ihn?
Ich erinnere mich noch an das erste gemeinsame Basketball-Camp. Ich habe mit ihm gerade erst kürzlich darüber gesprochen. Wir waren damals 14 Jahre alt und durften bereits im nächsthöheren Jahrgang mitspielen. Dadurch lernten wir uns besser kennen. Später haben wir auch manchmal mit den Landesverbänden gegeneinander gespielt. Daraus entstand eine Freundschaft, die dazu führte, dass ich nach Würzburg gegangen bin. Würzburg hatte damals bereits eine Erstliga-Mannschaft, wir in Hamburg noch nicht. Daher sagte Dirk zu mir: "Komm her und schaue dir das an."
Wann wurde Ihnen bewusst, dass er eine Weltkarriere machen würde?
Als er eine Weltkarriere gemacht hat (lacht). Dass er das Potenzial hat, um in der NBA zu spielen, und dass er viel besser und talentierter war als wir, ist jedem klar gewesen. Aber niemand konnte voraussehen, dass er später zu den besten Basketballspielern der Welt gehören würde bzw. ein, zwei Jahre war er sogar der beste Basketballspieler der Welt.

Woran war sein Talent zu erkennen?
Ich erzählte Freunden immer gerne davon, wie wir gemeinsam Individualtraining gemacht haben. Er hat wirklich über ein ganzes Training fast keinen einzigen Wurf verfehlt. Das hat mir damals keiner geglaubt. Alle dachten, ich würde das nur sagen, weil er mein Freund ist. Später haben alle gemerkt, dass er wirklich so gut ist. Für mich war das gemeinsame Training allerdings frustrierend (lacht). Ich habe zwar auch mal gute Wurfserien gehabt. Aber an ihn kam ich normalerweise nicht heran. Das hat meinem Ego nicht geholfen.
Welchen Einfluss hatte Holger Geschwindner, der Sie beide in Würzburg trainierte, auf Ihre Entwicklung als Spieler und Person?
Das Besondere an ihm war, dass er auf eine Frage niemals mit einer normalen Antwort geantwortet hat. Es gab immer eine Gegenfrage oder eine sehr nützliche Information. Ihm war wichtig, dass wir nicht das machen, was er sagt, sondern was wir für richtig halten. Ich habe nur sehr selten im Sport Menschen erlebt, die so mit dir als Person umgegangen sind. Das wurde von vielen Menschen nicht erkannt. Viele dachten, er würde ein Brainwashing betreiben und uns vorschreiben, was wir zu tun haben. Aber das war nie der Fall. Er hat uns überzeugt, weil wir wussten: Er will nicht sein Ego befriedigen, er will uns helfen.
Wie ist heute Ihr Kontakt zu Dirk Nowitzki?
Weiterhin sehr gut. Er ist im Sommer wieder hier in Hamburg, weil er Speaker bei einer großen Messe in Hamburg ist. Da freue ich mich drauf. Es wird cool, ihn wiederzusehen. Wir arbeiten auch mit seiner Stiftung zusammen, die in diesem Jahr ihren 20. Geburtstag feiert. Und als es die Towers noch nicht gab, sondern nur die Sozialarbeit mit den Jugendlichen, hat seine Stiftung uns sehr unterstützt. Er wollte nicht, dass das groß publik wird und sein Name darauf steht. Aber wir sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Denn aus dem damaligen Projekt entstand ein Verein, von dem heute einige Leute ihre Familie ernähren können.
Oliver Jensen