10.07.2025
Fünf Teams auf Schlingerkurs
Keine Zukunft. Eine komplizierte Gegenwart. Talentmangel. Wenig Perspektive. Einige Teams haben sich besonders tief in die Aussichtslosigkeit manövriert. Bei diesen fünf Teams sieht es derzeit recht dunkel aus.

Matt Ishbia war angetreten, um Phoenix zum Champion zu bezahlen. Also holte er als neuer Besitzer binnen weniger Monate erst Kevin Durant, danach Bradley Beal, schickte unter anderem Mikal Bridges, Cam Thomas und Chris Paul weg, verpfände vor allem die Zukunft. Vier Erstrundenpicks, fünf First-Round Pick Swaps, zwei Zweitrundenpicks sowie sechs Second-Round Pick Swaps opferte Phoenix, um sich ein Superteam mit maximaler Schlagseite zu basteln.
Insgesamt eine Playoff-Serie gewannen die Suns mit Durant, einmal scheiterten sie in Runde eins, in diesem Jahr sparten sie sich die Postseason komplett. Wenig Ertrag für ein Team, das erst 2032 wieder die volle Kontrolle über seinen Erstrundenpick hat und eigentlich (halbwegs) neu aufbauen müsste.
Immerhin bekam Phoenix im Durant-Trade nach Houston neben Dillon Brooks und Jalen Green sein Draftrecht 2025 zurück und entschied sich mit Khaman Maluach für ein vielversprechendes Center-Talent. Anerkennendes Nicken stoppte Phoenix, indem es kurz darauf einen Trade für Mark Williams einfädelte. Ein weiterer Center. Noch dazu ein relativ junger, der selbst noch sein Profil sucht, Maluach zudem in einigen Punkte ähnelt und ebenfalls Spielzeit benötigt, um sein Potenzial zu kitzeln - und Nick Richards ist auch noch da
Kompliziert. Allerdings nicht ganz so kompliziert wie die Situation rund um Beal. Der brachte seine No-Trade-Klausel mit nach Phoenix. Finden die Suns einen Deal, der Beal nicht schmeckt, kann er dankend ablehnen. Daher verfolgt Phoenix nun einen neuen Plan: Wie die Bucks Lillard wollen auch die Suns Beal aus seinem Vertrag herauskaufen. Rund 110 Millionen Dollar stehen ihm dank einer Spieleroption einschließlich 2026/27 noch zu. Ähnlich wie bei Lillard stünden damit über Jahre gut 20 Millionen Dollar in den Büchern, die Phoenix nicht nutzen kann.
Welche Perspektive treibt die Suns an? Anders als Giannis Antetokounmpo in Milwaukee betonte Booker bereits, dass er gern seine Karriere in Phoenix beenden möchte. Nun verlängerte er um zwei Jahre und 133 Millionen Dollar, steht damit bis einschließlich 2029/30 unter Vertrag. Beal, der dann nicht mehr da ist, und Booker besetzten jährlich damit knapp 100 Millionen Dollar des Salary Caps. Doch wofür?
Brooks hilft defensiv, Green ist offensiv interessant. Letzterem mangelt es jedoch an Konstanz - und ob die ohne echten Point Guard an seiner Seite dauerhaft der Sonnen entgegenblinzelt, muss sich erst zeigen. So oder so erscheinen die Playoffs weit weg. Weshalb also noch mehr Zukunft verpfänden, um Beal loszuwerden? Weshalb sich die Hände noch fester binden?

Nicht dass die Raptors talentfrei über Ländergrenzen schweben würden. Scottie Barnes ist gut, Immanuel Quickley, Jakob Pöltl, RJ Barrett und Brandon Ingram ebenso. Nur verdienen die fünf kommendes Jahr gemeinsam gut 156 Millionen Dollar. Viel Geld für ein Team, das noch nicht gezeigt hat, wie gut es zusammen spielen kann. Allerdings muss es fast klappen. Bis auf Barrett stehen alle bis 2027/28 unter Vertrag.
Gerade Ingrams Verlängerung mutet angesichts der Entwicklungen der vergangenen Wochen etwas voreilig an. Jedenfalls in der Höhe. Obwohl der Forward noch kein Spiel für Toronto absolviert hatte, verlängerte das Team langfristig, gab ihm eine Spieler-Option für 2027/28. Weshalb die Eile? Gegen wen boten die Raptors? Zumal große Geschäfte während der Free Agency Mangelware blieben. Teams sind angesichts des jederzeit drohenden Second Apron vorsichtig.
Theoretisch hätten die Raptors auch warten, sich damit mehr Flexibilität bewahren können. Vielleicht funktioniert die neue erste Fünf auch. Talent ist vorhanden. Dass sowohl Barrett als auch Ingram und Poeltl gern rund um die Zone operieren, dass Barnes gern mit Anlauf Richtung Ring geht, verkompliziert den Fit jedoch. Die Raptors können ein mindestens solides Basketballteam sein. Nur wo soll es hingehen…

Was wollen die Bulls? Eine Frage, die irgendwo zwischen echtem Interesse und rhetorischem Stilmittel pendelt. Vice President of Basketball Operations Arturas Karnisovas drückte kürzlich seine Anerkennung für den Weg der Pacers aus. So etwas, formulierte er sinngemäß, könne auch ein Ansatz für Chicago sein. Eventuell sehen die Bulls in Josh Giddey ihren Tyrese Haliburton. Ob das nun realistisch ist oder nicht, sei einmal dahingestellt.
Fakt ist, dass der Australier ein sehr gutes letztes Saisonviertel spielte. 21,2 Punkte, 10,7 Rebounds, dazu 9,3 Assists legte er auf, traf 50 Prozent seiner Würfe, vor allem 45,7 Prozent seiner gut 4 Dreier pro Spiel und ging knapp 6 Mal pro Spiel an die Linie (80,9 Prozent FT).
Darauf ließe sich aufbauen - sofern sich Franchise und Spieler einigen. Giddey ist Restricted Free Agent und erhofft sich laut Chicago Sun-Times rund 30 Millionen pro Jahr. Die Unterhaltungen seien konstruktiv, führten bislang aber nicht zusammen. Und auch abgesehen davon ist Chicagos Route zum Contender nicht ganz klar.
Fest stehen ab 2026/27 nur fünf Spieler unter Vertrag. Matas Buzelis dürfte Chicago per Teamoption halten. Der letztjährige Rookie macht auch die größte Hoffnung. Sein Mix aus Angstlosigkeit, Zug zum Korb, Athletik und verbessertem Wurf versprechen einen mindestens soliden Wing. Gleichzeitig müssen die Bulls überlegen, ob Coby White einen neuen Vertag erhält - und wie üppig der dann ausfallen soll.
Keine einfache Entscheidung. Erstrecht für ein Frontoffice, das bislang nicht gerade durch Entscheidungsfreude auffiel. Weder schaltet sich Chicago in größere Trades ein, um für sich kleinere Vorteile zu ertauschen, wie es beispielsweise Utah beim Norman-Powell-Deal tat, noch fädeln die Bulls selbst Geschäfte ein, die gewinnbringend erscheinen. Isaac Okoro für Lonzo Ball zu bekommen, ist nett, bewegt die Nadel aber wohl nicht wirklich.
Am Ende, so heißt es oft, möchte Besitzer Jerry Reinsdorf gerade so erfolgreich sein, dass die Fans weiter das United Center füllen. Das Play-In mit minimaler Playoff-Perspektive reichte angeblich, um Karnisovas und GM Marc Eversley einen Verlängerung zu verschaffen. Inspiriert wirkte Chicago während der letzten Jahre kaum - und wenig deutet darauf hin, dass sich daran in mittlerer Zukunft etwas ändert.

Die Nets sind so etwas wie der Chemiebaukasten der Liga. Fünf Erstrundenpicks sammelte Brooklyn für den vergangenen Draft an. Sie hätten sie bündeln und weiter nach vorne traden können. Taten sie nicht. Stattdessen pickten die Nets mit Nolan Traore, Ben Saraf und Igor Demin gleich drei Point Guards bzw. Playmaker. Herauszufinden, wer das Team in Zukunft lenken soll, vor allem kann, ist angesichts der Anzahl nicht einfach.
Zumal Brooklyn auch 2025/26 nicht mit großem Talent gesegnet ist. Coach Jordi Fernandez ließ sein Team vergangene Saison so hart spielen, dass es häufiger gewann, als es seine Gesamtkonstruktion vermuten ließ. Ein hoher Pick für die benötigte Taleninjektion in der Spitze sprang daher nicht heraus. Dafür gingen die Nets als einziges Team mit massig Cap Space in die Free Agency.
Vor allem nutzten sie ihn, um Michael Porter Jr’s Gehalt aufzunehmen und sich dafür einen ungeschützten 2032er Erstrundenpick aus Denver zu sichern. Da Nikola Jokic dann 37 ist, könnte der wertvoll werden - und sein, sollten andere Teams bereits jetzt die Wette darauf eingehen und daher einen Trade mit Brooklyn anstreben. Picks haben die Nets genug. Es fehlt an Talent in der Spitze. Das kann kommen. Der Weg ist allerdings noch sehr weit.

Was hast du als Team ohne größere Playoff-Ambitionen besonders gern? Deinen eigenen Pick im kommenden Draft. Genau den tradete das neue Front Office um Joe Dumars beim diesjährigen Talentepalooza jedoch nach Atlanta, um auch ganz sicher Derrick Queen auswählen zu dürfen. Der Center hatte es den Pelicans angetan. Was durchaus aufgehen kann - obwohl der Draft 2024 den Pelicans mit Yves Missi bereits einen vielversprechenden Fünfer bescherte.
Gleichzeitig braucht es wohl einige Arbeit um Queens Skillset mit dem von Zion Williamson zu vereinbaren. Sofern der noch länger in Louisiana bleibt. Einerseits ist da die Anklage wegen sexuellem, physischem, emotionalem und finanziellem Missbrauch, die eine Ex-Freundin am Los Angeles Superior Court einreichte. Andererseits ist sein Vertrag seit dieser Offseason nicht mehr garantiert, da Williamson 2022/23 nur 29 Spiele absolvierte. Ein Trade kann helfen; kann aber auch problematisch werden.
Andere Teams kennen die Situation und werden wahrscheinlich nicht bieten, was Zions Talent normalerweise bringen sollte. Also dürften die Pelicans warten. Dass sich Point Guard Dejounte Murray, für den sie im Sommer 2024 unter anderem Dyson Daniels - heute einer der besten Perimeter-Verteidiger der Liga -, zudem zwei Erstrundenpicks nach Atlanta schickten, gerade von seinem zweiten Achillessehnenriss erholt, stärkt die Planungssicherheit ebenfalls nicht.
Zumal auch sonst vieles schwebt. Mit Jeremia Fears drafteten die Pelicans einen dynamischen Guard - kurz nachdem sie Jordan Poole aus Washington holten. Den Jordan Poole, der seit seinem Trade in die Hauptstadt deutlich mit seiner Effizienz, manchmal mit seiner Ernsthaftigkeit kämpfte. Trey Murphy und Herb Jones bleiben sehr gute Wings. Insgesamt wirkt die Situation in New Orleans jedoch sehr festgefahren. Die Playoffs erscheinen nur als Utopie. Ein eigener First Rounder wäre da natürlich ein Traum…
Max Marbeiter