09.03.2026
Wer ist dabei - und wer nicht?
Die beste Zeit im College Basketball steht kurz bevor: "March Madness" rückt näher, und auch einige deutsche Talente mischen mit - manche sogar mit ihren Teams als echte Titelkandidaten. Wir blicken auf die deutschen Spieler und ihre Programme, wer das NCAA-Tournament erreicht, wer außen vor bleibt und was die kommenden Wochen individuell für die jeweiligen Prospects bedeutet.

Bevor am 19. März offiziell die erste Runde der March Madness beginnt, steht zunächst die vielleicht nervenaufreibendste Phase der College-Saison an: die Conference Tournaments. Hier entscheidet sich für viele Programme, ob sie sicher im 68 Teams umfassenden NCAA-Bracket stehen - oder ob sie bis zum Selection Sunday im Grenzbereich bleiben. Gerade Teams "on the bubble", die also noch reinrutschen können oder knapp draußen sind, können sich mit einem starken Turnierlauf ihr Ticket sichern. Umgekehrt können auch Teams, die aktuell eher wie ein Wackelkandidat wirken, mit einem frühen Aus an Boden verlieren und am Ende ohne Einladung dastehen.
Am 15. März folgt der Selection Sunday, an dem das vollständige Bracket verkündet wird. Zwei Tage später beginnen die "First Four" in Dayton, ehe am 19. März die erste Hauptrunde startet. Das Finale steigt am 6. April in Indianapolis. Für die deutschen College-Spieler bedeutet das: Bühne frei. Für manche ist das Ticket bereits sicher, für andere wird das Conference Tournament zum Schicksalsturnier.
Arizona gehört zu den absoluten Top-Programmen des Landes. Als Nummer-2-Team im nationalen Ranking und Big-12-Champion gehen die Wildcats als klarer Favorit in ihr Conference Tournament. Alles andere als ein hoher Seed im NCAA-Tournament wäre eine Überraschung.
Kharchenkov hat sich gerade in der zweiten Saisonhälfte enorm stabilisiert. Mit 10,2 Punkten, 4,1 Rebounds und 1,5 Steals pro Partie und 17 zweistelligen Scoring-Leistungen in den letzten 22 Spielen ist er fester Bestandteil der Starting Five. Defensiv übernimmt er regelmäßig den besten gegnerischen Perimeter-Scorer.
Sein NBA-Profil ist klar als Three-and-D-Flügel definiert - sein Potenzial als solider NBA-Rollenspieler ist seit seinen Bayern-Zeiten in der Scouting-Szene bekannt. Offensiv bleibt der Dreier der entscheidende Faktor. 30 Prozent bei knapp drei Versuchen pro Spiel sind ausbaufähig. Sollte er auf der größten College-Bühne konstanter treffen, könnte er seinen Draft-Stock deutlich steigern. Mit erst 20 Jahren bleibt ihm jedoch auch die Option auf ein weiteres Jahr in Tucson.
March-Madness-Status: Sicher im Feld
Individuelle Bedeutung: Große Chance, Draft-Stock zu pushen

UConn wirkt erneut wie ein Titelkandidat. Nur drei Niederlagen zum Saisonende, zwischenzeitlich 18 Siege in Serie - die Huskies werden aller Voraussicht nach als Nummer-1-Seed in ihre Region gehen.
Der deutsche U19-Vizeweltmeister Eric Reibe begann die Saison häufig als Starter, verlor seinen Spot jedoch an Senior-Center Tarris Reed Jr.. Dennoch bleibt sein Impact hoch. Der Big Man überzeugt mit Touch, Spielverständnis und Wurfgefahr aus der Mitteldistanz bis hinter die Dreierlinie.
Defensiv muss er in den Conference- und NCAA-Spielen Konstanz zeigen. Mehr Physis, mehr Aggressivität, stabilere Rim-Protection - das wären die Bausteine, um sich für Scouts interessant zu machen. Aktuell deutet vieles auf ein zweites College-Jahr hin.
March-Madness-Status: Sicher im Feld
Individuelle Bedeutung: Entwicklungsturnier, Draft 2027 realistischer
Texas Tech ist sicher im NCAA-Tournament dabei, stehen aktuell auf Platz zehn der nationalen Rankings und werden derzeit meist als 3- oder 4-Seed für March Madness gehandelt. Selbst ohne Star-Forward JT Toppin hat TT bereits bewiesen, wie gefährlich das Team sein kann, unter anderem mit einem Sieg gegen das damals auf Platz vier gerankte Iowa State. Ein starker Lauf im Big-12-Tournament könnte den Seed sogar noch weiter verbessern.
Für Christian Anderson ist die Lage besonders spannend, weil mit dem Ausfall von Toppin noch mehr Verantwortung auf seinen Schultern lastet. Der deutsche Guard hat sich bereits als möglicher First-Round-Pick auf Draft-Boards gespielt, steht aber weiter unter genauer Beobachtung. Gegner fokussieren sich inzwischen viel stärker auf ihn, verteidigen ihn physisch und schicken vermehrt Doppelteams. Offensiv liefert Anderson zwar weiterhin starke Zahlen, gleichzeitig sind zuletzt aber auch seine Turnover angestiegen.
Genau deshalb werden Conference Tournament und March Madness für ihn zu einer wichtigen Bewährungsprobe. Anderson muss zeigen, dass er auch gegen harte, aggressive Verteidigung die nötige Ruhe, Ballkontrolle und Stabilität mitbringt. Dazu kommen weiterhin Fragen über sein defensives Potenzial, auch wegen seiner noch eher schmalen Statur. In den kommenden Wochen wird es deshalb für ihn darauf ankommen, nicht nur offensiv zu glänzen, sondern sich auch defensiv bissig und unangenehm zu präsentieren.
March-Madness-Status: Sicher im Feld
Individuelle Bedeutung: Draft-Stock stabilisieren, steigen

Die Cavaliers gehen mit viel Rückenwind in die Postseason. Mit einer 27-4-Bilanz spielen sie ihre beste Regular Season seit der Meistersaison 2018/19 und haben sich den No.-2-Seed im ACC-Tournament gesichert. Auch für das NCAA Tournament gelten die Cavaliers als sicherer Teilnehmer und werden derzeit als No.-4-Seed prognostiziert. Vor der Saison eher unterschätzt, hat Virginia die Erwartungen deutlich übertroffen - vor allem dank einer kompromisslosen Defense, die mit 6,2 Blocks pro Spiel zu den besten im gesamten College Basketball zählt.
Ein wichtiger Bestandteil dieser Defensive ist Johann Grünloh, der ehemalige RASTA-Vechta-Big-Man hat sich als Starting Center der Cavaliers etabliert. Der 2,13 Meter große Freshman bringt mit seiner Kombination aus Länge, Rim-Protection und Shooting-Potenzial ein spannendes Skillset mit. In seiner ersten College-Saison kommt der Deutsche auf 7,7 Punkte, 5,5 Rebounds und 2,4 Blocks pro Spiel.
Für Grünloh könnten die kommenden Wochen besonders wichtig werden. Scouts beobachten den Big Man schon länger, zuletzt wurde er im ESPN-Mock-Draft als Pick 57 in der zweiten Runde gehandelt. Zwar sind seine Statistiken bislang nicht spektakulär, doch sein Profil aus Rim-Protection und Stretch-Potenzial macht ihn für NBA-Teams interessant. Ein tiefer Lauf im ACC-Tournament oder bei March Madness könnte den Deutschen endgültig auf die Draft-Boards vieler Teams bringen - auch wenn aufgrund seines Alters ein weiteres Jahr am College ebenfalls eine realistische Option bleibt.
March-Madness-Status: Sicher im Feld
Individuelle Bedeutung: Große Chance, Draft-Stock zu pushen
Die Louisville Cardinals gehen mit guten Chancen in die Postseason. Lange Zeit gehörte das Team zu den Top-25 der nationalen Rankings, zuletzt rutschten sie aber knapp aus dem Ranking. Im ACC Tournament startet Louisville als No.-6-Seed, und nach dem wichtigen Sieg gegen No. 22 Miami gilt die Teilnahme am NCAA Tournament praktisch als sicher - unabhängig davon, wie weit das Team im Conference-Turnier kommt.
Eine zentrale Rolle im Frontcourt spielt Sananda Fru, der sich in seiner ersten College-Saison direkt einen Platz in der Starting Five der Cardinals erarbeitet hat. Der ehemalige Braunschweiger liefert bislang 9,5 Punkte, 6,2 Rebounds und 1,4 Blocks pro Spiel bei einer beeindruckenden Wurfquote von 75,3 Prozent aus dem Feld.
Fru befindet sich zudem in einer besonderen Situation im Hinblick auf die NBA. Da er bereits zuvor in Europa professionell gespielt hat und im NBA Draft 2025 automatisch "eligible" war, ohne ausgewählt zu werden, besitzt aktuell kein NBA-Team seine Rechte. Dadurch gilt der 2,11 Meter große Berliner technisch gesehen als Free Agent, der theoretisch jederzeit einen NBA-Vertrag unterschreiben könnte. Ein überzeugender Auftritt im ACC Tournament oder bei March Madness könnte seinen Marktwert weiter steigern und langfristig auch die Tür in Richtung NBA öffnen.
March-Madness-Status: Sicher im Feld
Individuelle Bedeutung: Entwicklungsturnier, NBA 2027 realistischer

Ohio State steht kurz davor, erstmals seit 2022 wieder am NCAA-Tournament teilzunehmen. Die Buckeyes gehen mit einer 20-11-Bilanz (12-8 Big Ten) in das Big-Ten-Turnier und haben sich mit wichtigen Siegen, unter anderem gegen das damalige Top-10-Team Purdue, eine gute Ausgangsposition erarbeitet. In den aktuellen Bracketology-Prognosen werden sie meist als 9- oder 10-Seed geführt und würden damit das "First Four"-Play-in vermeiden. Die Chancen stehen gut: Laut ESPN liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Teilnahme derzeit bei knapp 90 Prozent.
Für Christoph Tilly läuft die Saison in seinem ersten Jahr bei Ohio State solide. Der Big Man wechselte vor der Saison von Santa Clara zu den Buckeyes und hat sich direkt einen Platz in der Starting Five erarbeitet. Mit 11,1 Punkten und 4,8 Rebounds pro Spiel liefert der Deutsche verlässliche Produktion für das Big-Ten-Team und gehört zu den konstanten Rotationsspielern im Frontcourt.
Mathieu Grujicic spielt dagegen in seiner Freshman-Saison bislang nur eine kleine Rolle. Der Guard kommt nur sporadisch zu Einsätzen und sammelt vor allem Erfahrung von einem relativ alten Buckeye-Backcourt. Für beide Deutschen steht der NBA-Draft aktuell ohnehin nicht im Fokus - ein weiteres Jahr am College gilt derzeit als wahrscheinlich.
March-Madness-Status: Sehr wahrscheinlich dabei
Individuelle Bedeutung: Für Europa empfehlen (Tilly) - Entwicklungsturnier, Erfahrung sammeln (Grujicic)
| Spieler | Punkte | Rebounds | Assists |
|---|---|---|---|
| Ivan Kharchenkov | 9,8 | 4,0 | 2,3 |
| Eric Reibe | 6,7 | 3,8 | 0,5 |
| Christian Anderson Jr. | 19,2 | 3,7 | 7,8 |
| Johann Grünloh | 7,7 | 5,5 | 0,7 |
| Sananda Fru | 9,5 | 6,2 | 1,4 |
| Christoph Tilly | 11,0 | 4,7 | 2,2 |
| Mathieu Grujicic | 1,0 | 0,8 | 0,3 |
| Hannes Steinbach | 18,3 | 11,6 | 1,5 |
| Elias Rapieque | 3,8 | 2,5 |
Mehrere deutsche Spieler werden in diesem Jahr nicht beim NCAA-Tournament vertreten sein (es sei denn, sie gewinnen mit ihren Teams überraschend das jeweilige Conference Tournament). Besonders bitter ist das aus sportlicher Sicht für Hannes Steinbach, der individuell eine starke Saison spielt, dessen Team aber klar die Playoffs verpasst. Die Washington Huskies stehen mit einer Bilanz von 15 Siegen und 15 Niederlagen zu weit außerhalb des Turnierfeldes - selbst ein überraschender Lauf im Big Ten Tournament würde daran nichts mehr ändern. Steinbach selbst liefert dagegen beeindruckende Zahlen: Der Würzburger kommt auf 18,3 Punkte und 11,6 Rebounds pro Spiel und hat sich damit bereits fest in den Top 20 vieler NBA-Mock-Drafts gespielt. Für seine Draft-Chancen ist March Madness deshalb nicht zwingend notwendig.
Auch für Elias Rapieque endet die Saison ohne Turnier. Der Berliner kam bei den Kansas State Wildcats verletzungsbedingt nur selten zum Einsatz, während das Team insgesamt eine schwierige Saison erlebte. Mehrere Ausfälle im Kader und die Entlassung des Head Coaches vor wenigen Wochen spiegeln die Probleme wider. Ebenfalls nicht dabei ist Davi Remagen mit den Georgia Tech Yellow Jackets. Mit lediglich 11 Siegen aus 30 Spielen war früh klar, dass Tech aus dem Rennen um einen Turnierplatz ist. Gleiches gilt für den ehemaligen Ulmer Michael Rataj mit den Baylor Bears (15-15).
Sam Müller
| 1,5 |
| Davi Remagen | 1,6 | 1,2 | 0,7 |
| Michael Rataj | 7,8 | 4,9 | 1,9 |