vor 2 Stunden
Blowout-Sieg gegen die 76ers
Spätestens die vorzeitige Rückkehr von Jayson Tatum war für die NBA-Welt der Beweis, dass es sich in Boston längst nicht um "Gap Year" handelt. In seinem ersten Playoff-Spiel seit der Verletzung im Vorjahr stellte der Forward unter Beweis, warum mit den Celtics zu rechnen sein wird.

Viele Fragezeichen kreisten vor dem Playoff-Start um Boston. Bei wie viel Prozent steht Jayson Tatum? Wie funktioniert die erneute Integration eines Starspielers, wenn zuletzt andere für Schlagzeilen gesorgt haben? Sind die Celtics auf den großen Positionen wirklich Playoff-tauglich?
Es dauerte nicht lange im ersten Playoff-Spiel gegen den langen Rivalen aus Philadelphia, da waren alle drei Fragen - zumindest für den Moment - wie weggefegt.
In seinem ersten Playoff-Spiel seit dem folgenschweren Achillessehnenriss präsentierte sich Tatum in Bestform. 21 seiner 25 Zähler erzielte der Forward in der ersten Hälfte und verhalf seiner Mannschaft damit schon früh zu einer Führung, die das Spiel in die entscheidenden Bahnen lenken sollte. Während der Langzeitverletzte aus der Distanz nicht wirklich in Rhythmus kam (1/7), konnte er innerhalb des äußeren Rings nahezu alles machen, was er wollte. Auf seine starken Drives hatten die Sixers ebenso keine Antwort wie auf den vielen erfolgreichen Würfe aus mittlerer Entfernung.
Dabei wirkten Tatums Abschlüsse nie gezwungen oder unnatürlich. Das Spielsystem der C's hat sich trotz einiger personeller Wechsel im vergangenen Sommer schließlich auch nicht grundlegend verändert. Noch immer ist Motion elementarer Bestandteil Bostons Offensive. Probleme bei der Rückintegration Tatums scheinen es keine zu geben. Nach einer auffälligen ersten Hälfte konnte es Tatum dann etwas ruhiger angehen lassen. Stattdessen übernahm Co-Star Brown mehr Verantwortung, der dank seiner 16 Zähler im dritten Abschnitt mit insgesamt 26 Punkten letztlich zum Topscorer avancierte.

Soweit, so wenig überraschend. Die Celtics galten bereits vorab als turmhoher Favorit gegen Philadelphia, die in Joel Embiid nun mal auch auf einen Leistungsträger verzichten müssen. Für den Underdog galt das Matchup auf der großen Position eigentlich als Schlüssel. Gerade in einer Liga, in der - insbesondere jedoch im Westen - die besten Spieler inzwischen mehrheitlich die Position Fünf bekleiden, wäre es interessant gewesen zu sehen, wie sich Boston gegen jene Mannschaften schlägt.
Stattdessen schafften es die Celtics, dem pfeilschnellen Guard-Duo der 76ers - Tyrese Maxey und VJ Edgecombe - ihre große Stärke zu nehmen. Mit nur acht Ballverlusten der Celtics gelang es Philly schlicht nicht, ihren Tempovorteil auszunutzen. Lediglich drei Zähler generierten die Gäste aus Ballverlusten. Eim Fastbreak gelangen Maxey und Co. ebenfalls nur zehn Punkte.
Beeindruckend ist das vor allem mit Blick darauf, dass die Celtics in dieser Saison ihre Probleme mit starken Guards hatten. Maxey mit 20 Würfen bei nur 21 Punkten zu limitieren, sprach dabei Bände für die defensive Vielseitigkeit. Tatums Rückkehr war auch hier ein Schlüssel, der persönlich ein Matchup-Albtraum für den Aufbauspieler des Gegners ist. Mit seiner Länge und horizontalen Beweglichkeit zwang er Maxey zu vielen Abschlüssen aus dem Dribbling heraus, die Zone war hingegen häufig wie versiegelt.
Eine große Hürde dürften die 76ers aber auch bei Normalisierung der unterwältigenden Dreierquote aus Spiel 1 (4/23) nicht werden. Messen lassen müssen sich die Celtics ohnehin am Verlauf späterer Runden. Zumal im Conference-Halbfinale mit den Knicks ein deutlich vielseitigeres Team droht - vor allem auf den großen Positionen.
jos