vor 2 Stunden
Droht der Liga ein Chaos?
Die Draft Lottery steht vor einer grundlegenden Reform und die NBA plant dabei, einen historischen Schritt zu wagen, der die schlechtesten Teams der Liga bestrafen würde. Kurz bevor die Owner final abstimmen, machen nun neue Details die Runde, die vor allem die Memphis Grizzlies und Washington Wizards betreffen würden.

Wie mehrere Medien schon vor Längerem übereinstimmend berichtet haben, hat sich die Liga in Zusammenarbeit mit den General Managern der 30 Teams auf eine Reform der Draftchancen geeinigt, die sich die "3-2-1 Lottery" nennt. Bei dieser Reform würden die drei schlechtesten Teams der Liga bestraft werden, was absolutes Neuland in einer der vier großen US-Sportligen wäre.
Konkret sieht die Reform Folgendes vor: Die Zahl der Lottery Teams soll von bisher 14 auf 16 steigen - also auch den Großteil der Play-In-Teams umfassen. Lediglich die Sieger des Duells 7. gegen 8. sollen keine Lottery-Chance bekommen. Bisher erhielten nur die Teams, die die Playoffs komplett verpassten, eine Chance in der Lottery.
Bei der Wahrscheinlichkeit auf den ersten Pick soll das System vereinfacht werden und die "3-2-1-Methode" zum Einsatz kommen: Je nachdem, auf welcher Position ein Team die Saison beendet, bekommt es entweder drei Lottery-Bälle (8,1 % Chance auf den 1. Pick), zwei Bälle (5,4 % Chance) oder einen Ball (2,7 % Chance).
Die drei schlechtesten Teams der Liga würden dabei bestraft werden und nur zwei Bälle bekommen, könnten mit ihrem Pick aber maximal auf Platz zwölf abrutschen, während alle anderen Teams bis auf Platz 16 fallen könnten. Die besten Chancen haben dann die folgenden Teams auf den Plätzen vier bis zehn (von hinten), gefolgt von den Teams auf den hinteren beiden Play-In-Plätzen neun und zehn (zwei Bälle). Der Verlierer des Duells 7. vs. 8. würde noch einen Ball bekommen.
Hier noch mal in der Übersicht:
- 3 Lottery-Bälle: Plätze 21 bis 27
- 2 Lottery-Bälle: Plätze 28 bis 30 & 9. + 10. der jeweiligen Conferences
- 1 Lottery-Ball: Verlierer des Duells 7. vs. 8.
Aktuell haben die drei schlechtesten Teams die besten Chancen auf den Top Pick, danach schwinden die Chancen absteigend nach der Bilanz der Vorsaison.
| Nr. | Top 4 | Nr. 1-Pick |
|---|---|---|
| 1 | 52.1% | 14.0% |
| 2 | 52.1% | 14.0% |
| 3 | 52.1% | 14.0% |
| 4 | 48.1% | 12.5% |
| 5 | 42.1% | 10.5% |
| 6 | 37.2% | 9.0% |
| 7 | 31.9% | 7.5% |
| 8 | 26.3% | 6.0% |
| 9 | 17.3% | 3.8% |
| 10 | 16.9% | 3.7% |
| 11 | 9.4% | 2.0% |
| 12 | 7.1% | 1.5% |
| 13 | 3.8% | 0.8% |
| 14 | 3.4% | 0.7% |
Zusätzlich soll es Sicherheitsmaßnahmen geben, die die Fairness noch weiter stärken. So kann ein Team nicht zweimal in Serie die Lottery gewinnen und auch nicht dreimal in Serie in den Top 5 ziehen. Dazu hat die Liga eine größere Autorität, bei offensichtlichem Tanking die Lottery-Wahrscheinlichkeiten für die betroffenen Teams anzupassen bzw. deren Draft-Position zu verschlechtern.
Vor allem zu den konsekutiven Picks in mehreren Drafts gab es innerhalb der Liga Unklarheiten, weshalb es laut Kevin O'Connor (Yahoo Sports) nun neue Details dazu gibt. Konkret stellt er klar, dass ein Team durchaus zweimal in Serie an Position eins picken kann, wenn es einmal davon den Pick eines anderen Teams nutzt. Die Zugehörigkeit des Picks bleibt nämlich beim ursprünglichen Team und wandert nicht zum aufnehmenden.
Das kann man am besten an einem Beispiel klarmachen: Wenn Team A im Draft 2027 den Pick von Team B hat (weil es diesen per Trade bekommen hat) und dieser an 1. Stelle landet, darf Team A im Draft 2028 mit seinem eigenen Pick wieder an der 1. Stelle landen. Team B wiederum, obwohl es ja faktisch 2027 nicht den Top Pick bekommen hat, darf trotzdem 2028 nicht an der Eins ziehen. In diesem Fall würde dieser Pick von Team B dann auf Platz zwei fallen.
Darüber hinaus stellt der Insider klar, dass die NBA bei der Berechnung der Zwei- und Dreijahreszeiträume bereits die Drafts 2025 und 2026 miteinbezieht. Das bedeutet in der Praxis, dass die Washington Wizards, falls sie die Lottery im kommenden Jahr wieder gewinnen würden, nur den 2. Pick bekommen würden.
Das Gleiche gilt für die Utah Jazz, die zweimal in Serie in den Top-5 gepickt haben und dies demnach 2027 nicht mehr dürften. Hier wird es allerdings interessant: Da die Jazz den Pick für Jaren Jackson Jr. zu den Memphis Grizzlies getradet haben, könnten diese am Ende im Pech sein. Auch andere in der Vergangenheit getradete Picks könnten durch die neue Regelung an Wert verlieren.

Bevor eine endgültige Entscheidung über eine Änderung der Lottery getroffen wird, müssen erst die 30 Besitzer der Teams zustimmen. Eine Abstimmung ist für den 28. Mai geplant. Sollte sie dem Vorschlag zustimmen, würden die neuen Richtlinien ab der Saison 2026/27 gelten und damit erstmal im Draft 2027 zum Tragen kommen.
Das neue System würde dann zunächst als Testphase bis nach dem Draft 2029 laufen. Danach könnte die Liga dann neu evaluieren und ggf. Anpassungen vornehmen.
gfr