22.04.2025
Auch Nowitzki hat sich entfremdet
NBA Insider Tim MacMahon (ESPN) hat einen ausführlichen Bericht über die chaotischen internen Zustände bei den Dallas Mavericks veröffentlicht. Dabei berichtet er über Entlassungen, Machtkämpfe innerhalb der Organisation und die Entfremdung von Luka Doncic, die schließlich zum Trade geführt hat.

Los ging alles im August 2023. Damals reiste die Führungsriege der Dallas Mavericks, darunter GM Nico Harrison und Gesundheitschef Casey Smith, gemeinsam mit Dirk Nowitzkis engstem Kreis zur Hall of Fame-Zeremonie nach Springfield. Kurz darauf wurde Smith von Harrison überraschend per Videoanruf entlassen - obwohl Smith sich gerade um seine sterbenskranke Mutter kümmerte. Die offizielle Begründung: Er sei "zu negativ", was intern als mangelnde Gefolgschaft gewertet wurde.
Auch Nowitzki, der mit Smith eng befreundet war, zog sich nach dessen Entlassung aus dem operativen Geschehen zurück, genau wie Kommunikationschef Scott Tomlin, ein weiterer enger Nowitzki-Vertrauter. Smith stieß bereits 2004 als führender Athletik-Trainer zur Franchise und war über die Jahre ein wichtiger Vertrauter des Deutschen.
Erst zuletzt gab es Berichte, dass Nowitzki "abgeturnt" von der Franchise sei und sein Büro in Dallas laut Marc Stein fast nie besuchen würde.
Diese Entscheidung von Harrison markierte den Beginn einer umfassenden Neustrukturierung im medizinischen Bereich der Mavs. Auch andere langjährige Vertraute von Luka Doncic wie Jeremy Holsopple und Casey Spangler wurden entlassen. Diese Maßnahmen führten wohl zu ersten Spannungen mit Doncics Umfeld. Vor allem, weil die Nachfolger in Harrisons neu aufgestelltem Performance-Team enttäuschende Ergebnisse lieferten.
Bei den Mavericks kam es in dieser Saison zu so vielen Verletzungen, dass sie teilweise kaum das Spieler-Minimum stellen konnten. Trotzdem erklärte Harrison öffentlich, dass das medizinische Team "einen großartigen Job" machen würde. Während Harrison betont, die Verletzungen seien größtenteils "unvermeidbar", kritisieren viele innerhalb der Organisation den überstürzten Umgang mit Reha-Prozessen.
Ein besonders krasser Vorfall betraf Rookie-Center Dereck Lively II: Obwohl er nach einem Knöchelproblem einsatzbereit schien, bestand der neue medizinische Direktor Johann Bilsborough auf einem weiteren CT-Scan - der eine Stressfraktur offenbarte. Das rettete Lively wohl vor einer schweren Verletzung, warf aber ein Schlaglicht auf die chaotischen Abläufe hinter den Kulissen.
Zwischen Bilsborough und dem von GM Nico Harrison bevorzugten Krafttrainer Keith Belton herrscht ein offener Machtkampf. Beide sollen sich laut internen Quellen heftig gestritten haben - inklusive lautstarkem Schlagabtausch im Trainingsbereich. Belton, ein früherer NFL-Spieler ohne NBA-Erfahrung und ohne die eigentlich erforderlichen Zertifikate, wird intern als "glorifizierter Cheerleader" verspottet.
Auch Bilsborough steht in der Kritik: Als brillanter Theoretiker beschrieben, soll er es nicht geschafft haben, tragfähige Beziehungen zu Spielern wie Doncic aufzubauen. Nach dem Abschied vertrauter Betreuungspersonen wie Smith fand Doncic in Bilsborough keinen echten Ersatz - ein Umstand, der laut Insidern zur Entfremdung vom Team beitrug.
Ex-Mavs-Spieler Jalen Brunson unterstrich den Wert des alten Staffs, als er über deren menschliche Qualität sprach. Smith und andere frühere Teammitglieder sind inzwischen bei den Knicks - die prompt deutlich weniger Verletzungsprobleme haben.
Der endgültige Bruch zwischen Doncic und den Mavericks war dem Bericht nach keine spontane Entscheidung, sondern das Ergebnis monatelanger Spannungen, Missverständnisse und Machtspiele.
Schon lange vor dem Abgang von Teamarzt Smith holten sich Doncic und sein Agent Bill Duffy externe Experten wie Real-Madrid-Physiotherapeut Javier Barrio Calvo und Sloweniens Krafttrainer Anže Macek ins Boot. Die Zusammenarbeit mit dem Team sollte reibungslos laufen - vor allem unter Smith. Doch nach dessen Abgang und der wachsenden Rolle von Bilsborough wurde der Ton frostiger.
Trotz einer historischen Saison des Slowenen (33,9 Punkte, 9,8 Assists, 9,2 Rebounds im Schnitt) war das Vertrauen zwischen Doncics Lager und der Mavericks-Führung zerrüttet. Harrison sah Doncics Fitness kritisch, unterstellte sogar, er habe eine angebliche Handgelenksverletzung im November als Vorwand genutzt, um abzunehmen. Intern kursierten sogar heimlich übertragene Trainingsaufnahmen von Doncic, die anschließend aus dem Mediensystem entfernt wurden.

Nach seinem erneuten Wadenmuskelriss an Weihnachten eskalierte der Konflikt. Während Bilsborough eine Rückkehr nach zwei bis drei Wochen anpeilte, bestand Doncics Team auf sechs Wochen Pause - und setzte sich durch. Als Luka anschließend nicht mit auf eine Auswärtsreise wollte, sondern in Dallas gezielt an seiner Reha arbeitete, war für Harrison das Maß voll.
Doncic bot sogar an, mit dem G-League-Team Texas Legends zu trainieren, doch die nächste Nachricht, die sein Team erhielt, war ein Schock: Harrison hatte im Geheimen einen Trade mit den Los Angeles Lakers eingefädelt - und finalisiert.
Gianluca Fraccalvieri