04.03.2026
Oklahomas defensive Allzweckwaffe
Lu Dort dominierte nach seinem Flagrant Foul gegen Nikola Jokic die Schlagzeilen in der NBA. Der Guard der Oklahoma City Thunder ist eine defensive Allzweckwaffe, die aber auch über die Stränge schlägt. Ist das Propaganda oder steckt auch zumindest etwas Wahrheit dahinter?

Ist der Ruf einmal ruiniert … Diese Erfahrung musste in den vergangenen Tagen Lu Dort machen, nachdem der Guard der Oklahoma City Thunder abseits des Balles Nikola Jokic ein Bein stellte und der dreifache MVP zu Boden ging. So etwas sollte es auf einem Basketballfeld eigentlich nicht geben. Deshalb war es eine unnötige Aktion und eine notwendige Reaktion von mir“, legte der Serbe nach dem Spiel nach.
Solche Aktionen kommen immer mal wieder vor, schön ist das nicht, aber oft auch schnell wieder vergessen. Im Falle von Dort häuften sich über die Jahre jedoch Plays wie diese, weswegen die sozialen Medien mit Compilations von "Lu Dort ist der schmutzigste Spieler der NBA" überflutet wurden.
Von Dort selbst gibt es dagegen nicht viel zu hören. "Ich möchte nicht als Feindbild angesehen werden", sagte Dort im Mai 2025 gegenüber ESPN. Man nimmt es ihm ab, da Dort während der Spiele wenig redet, Trash Talk steht im Gegensatz zu anderen "Villians" - man nehme zum Beispiel Dillion Brooks - eher selten auf der Agenda.

Gleichzeitig ist es nicht von der Hand zu weisen, dass immer wieder mal unnötige Aktionen dabei. Dies fängt schon beim eigenen Dreier an, wo Dort aufreizend oft seine Füße bei der Landung nach vorne streckt und Gegenspieler darüber fallen. Im Regelbuch der NBA ist das gefährliches Spiel und mit einem Flagrant Foul zu ahnden, immer passiert das aber nicht.
Dazu ist der Thunder-Guard bekannt für seine enorm physische Spielweise gegen den Ball. Der Kanadier ist zwar nur 1,91 Meter groß, dafür aber gebaut wie ein Hydrant. Selbst Jokic kann Dort nicht nach Belieben herumschieben. Dass Dort gleichzeitig aber auch die besten Guards der Liga vor sich halten kann, macht ihn zu einem Cheatcode für die Thunder. Es gibt einfach niemanden, mit dem es Dort nicht aufnehmen kann.
"Ich spiele Abend für Abend gegen die besten Spieler des Gegners und meine Aufgabe ist es, ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen", gibt sich Dort bescheiden. Seit Jahren ist das das Spezialgebiet des Kanadiers, der sich so überhaupt erst einen Platz in der NBA erkämpfen konnte. Denn geschenkt kam es für den 26-Jährige in seinem Leben nichts.
| G | PTS | TRB | AST | FG% | FG3% | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 2025/26 | 51 | 8.7 | 3.8 | 1.3 | 38.9 | 34.3 |
| Karriere | 414 | 11.8 | 3.9 | 1.6 | 40.6 | 35.8 |
Montreal ist nicht gerade als Talentschmiede für die NBA bekannt, Dort wuchs dort als Sohn von haitianischen Immigranten in einem gefürchteten Viertel auf. Mit 16 Jahren verließ er für Basketball seine Heimat und ging in die USA, obwohl er nur sehr brüchig Englisch konnte. "Für mich war Jacksonville ein totaler Kulturschock, aber es hat mich als Mensch sehr geprägt", blickte Dort zurück.
Doch der Kanadier machte sich einen Namen und spielte sich in die Notizbücher der NBA-Scouts. Nur: Als der Draft anstand, wurde sein Name nicht aufgerufen, obwohl ihn einige Experten sogar in der ersten Runde sahen. OKC bot zumindest einen Two-Way-Vertrag an und mit diesem spielte sich Dort fest und war schon in den Playoffs gegen James Harden ein echter Faktor.
Die "Dorture Chamber" war geboren, auch wenn Dort in dieser Serie in einem Spiel mal alle neun Dreier verwarf. In Spiel 7 erzielte er plötzlich 30 Punkte, dennoch scheiterten die Thunder denkbar knapp und leiteten durch die Trades von Chris Paul und Dennis Schröder endgültig den Neuaufbau ein.
Dort war dabei neben Shai Gilgeous-Alexander die Konstante, er machte die teils tristen Jahre mit, als OKC zwei Jahre fleißig tankte und unter anderem ein Spiel mit 70 Punkten verlor. In dieser Zeit war die Spielweise von Dort kein Thema, zu irrelevant waren die Thunder in dieser Zeit.
Für Dort lohnte es sich, 2022 unterschrieb der einst Ungedraftete einen Fünfjahresvertrag über 75 Millionen Dollar. Zu der Zeit gab es durchaus kritische Stimmen, doch Dort verbesserte seinen Wurf enorm, auch wenn er durch die ungewöhnlich hohe Flugkurve etwas streaky sein kann.
Seine defensiven Fähigkeiten waren eh über jegliche Zweifel erhaben. Ob Brandon Ingram, Luka Doncic, Jokic, Anthony Edwards oder Tyrese Haliburton - Dort übernahm auch in den Playoffs stets die Stars und war somit einer der Schlüsselspieler für die gefürchtete Thunder-Defense. Gleichzeitig war Lort nun unter dem Brennglas der nationalen Berichterstattung. Es wurde genauer hingeschaut.
Überhaupt wurde häufiger über die oft an der Grenze spielenden physische Defense kritisiert und gleichzeitig auf das angebliche Foulschinden von SGA hingewiesen. Das eine hat zwar mit dem anderen wenig zu tun, doch in der heutigen Zeit werden eben schnell Schlüsse gezogen.

Dort half natürlich auch mit. Gerne wird der Ellenbogen eingesteckt, beim Umlaufen von Blöcken gibt es kleine Schläge. Gleichzeitig fällt der Kanadier bei gegnerischem Kontakt sehr leicht, was ihm schon einige Strafen von der NBA einbrachte. Dort ist ein Grenzgänger, wo die Linie zwischen legal und illegal gerne mal verschwimmt.
Auch wenn er kein Feindbild sein will, ist er genau das für nicht wenige Fans. Zu oft gab es nun schon kleine Nickligkeiten. Und wie gesagt: Wenn der Ruf erst einmal ruiniert ist...
Robert Arndt