17.04.2025
Playoff-Preview: Boston vs. Orlando
Die Orlando Magic um Franz Wagner treffen in der ersten Runde auf den Titelverteidiger Boston Celtics. Können die Magic den Titelfavoriten womöglich etwas ärgern?

Nach der direkten Playoff-Qualifikation im Vorjahr brauchte es für Orlando diesmal die Play-Ins, um überhaupt die Playoffs zu erreichen. Was auf den ersten Blick wie ein Rückschlag wirkt, ist durchaus nachvollziehbar. Die Magic hatten eine Saison voller Verletzungen und gehen auch in diese Serie gehandicappt.
In Jalen Suggs fehlt der beste Guard und Verteidiger fast das komplette Kalenderjahr, dazu laboriert Bank-Mikrowelle Moritz Wagner an einem Kreuzbandriss. Orlando gingen zeitweise die vier besten Scorer der Vorsaison ab, um erstaunlicher ist es, dass die Magic am Ende sogar eine ausgeglichene Bilanz hatten (41-41). Franz Wagner und Paolo Banchero fehlten ebenfalls lange, die Magic hielten sich mal wieder mit Defense über Wasser.
Hinter OKC waren sie in dieser Hinsicht das beste Team der Liga, Rang 26 im Angriff ist der Grund, warum Orlando noch kein Top-Team ist. Sowohl Wagner als auch Banchero machten in dieser Entwicklung einen weiteren Schritt und wären ohne Verletzungen beide All-Star-Kandidaten gewesen, doch noch fehlt ein wenig die Balance. Orlando war das mit Abstand schlechteste Shooting-Team der NBA, 31,8 Prozent von der Dreierlinie sind schlichtweg indiskutabel.
| Celtics | Stat | Magic |
|---|---|---|
| 61-21 | Bilanz | 41-41 |
| 119.5 (2.) | Offensiv-Rating | 108,9 (27.) |
| 110.1 (4.) | Defensiv-Rating | 109,1 (2.) |
| +9,4 (2.) | Net-Rating | -0,2 (17.) |
| 1-2 | Direkter Vergleich | 2-1 |
Solche Probleme haben die Celtics nicht. 61 Siege reichten in dieser Regular Season zwar nur zu Platz zwei hinter den Cleveland Cavaliers, dennoch geht der Meister mit Optimismus in die Postseason. Sorgen bereiten nur zwei Dinge. Da wäre die im Vergleich zu den Vorjahren schwache Heimbilanz (28-13) sowie der Gesundheitszustand von Finals-MVP Jaylen Brown.
Der Forward hat seit gut einem Monate Knieprobleme, verpasste so einige Spiele und wird für die Playoffs fitgespritzt. Es war ohnehin bislang nicht seine Saison, Boston konnte dies aber im Kollektiv kompensieren. Jayson Tatum spielte dafür eine weitere hochwertige Saison, wenn auch nicht so effizient wie in den Vorjahren. Sechs Assists pro Spiel sind dennoch ein Karrierebestwert für den 27-Jährigen, der bereits 113 Playoff-Spiele auf seinem Buckel hat.
Tatum ist die Sperrspitze einer Acht-Mann-Rotation, die seinesgleichen sucht. Jene Acht legen alle mehr als 8,5 Punkte pro Partie auf, nur Brown trifft den Dreier schlechter als 37,5 Prozent. Boston ist unter Head Coach Joe Mazzulla weiterhin eine Maschine, die sich fast nur selbst schlagen kann.
Man muss gar nicht lange drumherum reden. Wenn Boston sein Spiel durchzieht, werden sie diese Serie mit Leichtigkeit gewinnen. Neben Tatum und Brown dürfte Derrick White eine Schlüsselrolle zukommen. Hier werden die Magic ihren schwächsten Verteidiger wohl verstecken (Joseph), so kann die Celtics-Offense ins Rollen kommen.
Dazu stellt sich die Frage, wie konzentriert Boston auftreten wird. Während der Regular Season hatten die Celtics Phasen, in denen sie nur "Dienst nach Vorschrift" machten. Auch während der Meistersaison war dies zu beobachten, allerdings schalteten sie stets den Schalter rechtzeitig um.
Wie fit ist Jaylen Brown? Gegen Orlando sollte es zwar auch so reichen, aber auf lange Sicht braucht Boston seinen Star-Forward, da von der Bank nicht mehr viel kommt. Während des Meister-Runs war Brown der beständigste Spieler der Celtics, wohingegen Tatum lange slumpte. Apropos Slump: Das Flügel-Duo trifft seit dem All-Star Break gerade einmal frostige 31,1 Prozent aus der Distanz.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| J. Holiday | D. White | J. Brown | J. Tatum | K. Porzingis |
| P. Pritchard | B. Scheierman | S. Hauser | A. Horford | L. Kornet |
| J.D. Davison | - | T. Craig | J. Walsh | N. Queta |
| - | - | - | - | X, Tillman |
Ein Vorteil für die Magic ist der Umstand, dass sie als eines der wenigen Teams in der NBA Bostons Länge matchen kann. Gewissermaßen ist das Team ähnlich aufgebaut. Banchero und Wagner sind die beiden Wings, über die das meiste läuft, dazu sind beide von langen, athletischen Spielern umringt. Es wird darum gehen, Bostons Penetration so gut es geht zu verhindern, um das gefährliche Drive-and-Kick-Spiel zu unterbinden. Denn: Boston bleibt in Phasen anfällig, zu stagnierend zu agieren. Hier liegt die Chance der Magic, die die wenigsten Treffer und Versuche von der Dreierlinie in dieser Saison zuließen.
Gleichzeitig muss sich Orlando offensiv steigern. Bei aller defensiver Qualität werden die Celtics Punkte auf die Anzeigetafel bringen. Dafür ist die Qualität schlichtweg zu hoch. Wagner und Banchero werden eine konstant starke Serie brauchen, denn sonst ist es schwer vorstellbar, wo die Punkte herkommen sollen. Ein Ansatz wäre mehr Transition, doch das war keine Stärke der Magic in dieser Saison.
Und dann braucht es natürlich Dreier, anders geht es gegen Boston nicht. 18 Dreier pro Partie trafen die Celtics während der Saison, Orlando gerade einmal elf. Von allen Rotationsspielern trifft nur Suggs-Ersatz Cory Joseph besser als 36 Prozent. Seit dem All-Star Break sind es bei Kentavious Caldwell-Pope zumindest 44 Prozent. Das macht Hoffnung. Im Gegenzug muss auch Wagner in dieser Hinsicht wieder besser werden. 29 Prozent über die Saison, 25 Prozent seit der All-Star-Pause - das muss sich bessern, wenn Orlando eine Chance haben möchte.
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| C. Joseph | K. Caldwell-Pope | F. Wagner | P. Banchero | W. Carter Jr. |
| C. Anthony | G. Harris | A. Black | J. Isaac | G. Bitadze |
| A. Black | J. Howard | T. da Silva | - | M. Wagner |
| J. Suggs | - | - | - | - |
Ja, Orlando sah gegen Boston in den vergangenen beiden Jahren stets gut aus. Ja, Orlando bezwang Atlanta überzeugend im Play-In, doch die Celtics sind gewissermaßen ein paar Schritte weiter. Vor allem für Wagner und Banchero dürfte diese Serie lehrreich werden und ihrer Entwicklung in den kommenden Jahren helfen.
Boston hat einfach mehr Qualität in der Spitze, insbesondere im Angriff, wo es den Magic noch immer an fähigen Two-Way-Spielern und einem verlässlichen Spielmacher mangelt. Es sollte niemanden verwundern, wenn Orlando mehrfach daran scheitern wird, 100 Punkte zu knacken. Das wird gegen den Champion einfach nicht reichen, auch wenn vielleicht ein Heimspiel gewonnen wird.
Tipp: Celtics in 5.
rar