vor 4 Stunden
Wie wäre es mit Mitchell gelaufen?
Die New York Knicks sind nur noch einen Sieg von der Championship entfernt. Dabei fehlte vor einigen Jahren nicht viel, dass diese Mannschaft so nie entstanden wäre. Das eigentliche Ziel war Superstar Donovan Mitchell.

Der Sommer 2022 brachte nicht nur Jalen Brunson in den Big Apple. Über mehrere Monate wurde mit den Utah Jazz wegen Donovan Mitchell verhandelt. Der kleine Guard sollte der Superstar sein, der die Knicks zurück zu Glanz und Gloria führen sollte. Doch es passierte nicht, man konnte sich nicht einigen und die gescheiterten Verhandlungen hinterlassen (nicht auf Knicks-Seite) ein großes What-If.
Zur Situation: Die Utah Jazz standen vor einem Rebuild. Nach dem Aus gegen die Dallas Mavericks in der ersten Runde (unter anderem wegen eines überragenden Brunson) wurde recht flott Rudy Gobert nach Minnesota getradet und Mitchell war der logische nächste Dominostein. Fast alles konzentrierte sich dabei auf New York, ein aufstrebendes Team, das einen Superstar brauchte.
Warum also nicht Mitchell, der in New York aufwuchs und dessen Vater viele Jahre für die New York Mets im Front Office arbeitete? Mitchell selbst ging auch davon aus, dass er bei den Knicks landen würde, wie er später zugab: „Ich hatte schon so ein Gefühl, dass ich getradet werden würde. Allerdings war ich mir sicher, dass ich in New York landen würde."
Adrian Wojnarowski (ESPN) berichtete jedoch schließlich Ende August 2022, dass es keine Einigung gab. New York bot angeblich R.J. Barrett, Mitchell Robinson, Obi Toppin sowie drei ungeschützte Erstrundenpicks, was Utah nicht genug war. Robinson unterschrieb stattdessen eine Vertragsverlängerung, während die Knicks Immanuel Quickley ins Schaufenster stellten, dafür aber ihre Picks etwas schützen wollten. Die Jazz hätten aber Quentin Grimes anstatt des Guards gewollt.
Ein anderes Problem war der Vertrag von Evan Fournier, den die Knicks noch an ein drittes Team hätten abgeben müssen. Letztlich waren es zu viele Variablen und New York entschied sich dafür, auch mit Barrett zu verlängern. Wenig später tradeten die Jazz Mitchell nach Cleveland für Lauri Markkanen, Collin Sexton, Ochai Agbaji und fünf First Rounder. Es war schlichtweg das bessere Paket.
Noch heute spielt Mitchell in Cleveland, allerdings reichte es erst in dieser Saison erstmals für die Conference Finals, wo ausgerechnet gegen die Knicks Schluss war. Rückblickend war es für die Knicks wohl gut, dass sie diesen Trade nicht einfädeln konnten. Wäre Brunson wirklich zu einem Superstar mutiert? Wie hätte dieses sehr kleine Backcourt funktionieren können?

Diese Fragen stellte man sich schon damals, letztlich wählten die Knicks einen anderen Weg. Barrett und Quickley wurden später für O.G. Anunoby getradet, die vielen Picks wurden stattdessen in Mikal Bridges investiert. All diese Deals wären mit Mitchell nicht möglich gewesen, dafür aber die Big Three mit Karl-Anthony Towns, für den die Knicks 2024 Julius Randle und Donte DiVincenzo abgaben.
Fakt ist aber, dass die Knicks eine ganz andere Identität bekommen hätten. Das Flügel-Trio mit Anunoby, Bridges und Josh Hart ist einer der großen Trümpfe, mit dem sie die defensiven Nachteile von Brunson kaschieren können. Mit Mitchell wäre das dagegen nicht möglich gewesen, die jetzige Zusammenstellung passt deutlich besser.
Es zeigt, dass es eben nicht immer den großen Superstar-Trade braucht, um ein erfolgreiches Team aufzubauen. Ähnliches ließ sich im Vorjahr auch über die Oklahoma City Thunder sagen und die Knicks könnten schon in der kommenden Nacht der Nachfolger von OKC werden und auf dem NBA-Thron Platz nehmen.
Robert Arndt