18.06.2025
Zwei WNBA-Spielerinnen verbleiben
Die DBB-Frauen trainieren seit Montag mit dem vollen Kader in Hamburg. Was können die zwölf Spielerinnen bei der Europameisterschaft erreichen? Einiges, glaubt Marie Gülich. Das Team im Kadercheck.

Die letzten Trainingseinheiten, bevor die Women’s EuroBasket startet, absolvieren die DBB-Frauen erstmals mit dem kompletten Kader in Hamburg: Am Sonntag sind Luisa Geiselsöder und Leonie Fiebich zum Team gestoßen. Ein Team, das nun etwas anders aussieht als ursprünglich geplant, nachdem mit Satou und Nyara Sabally, Marie Gülich und Alina Hartmann vier erfahrene Leistungsträgerinnen nicht dabei sind. "Ich finde den Kader trotzdem sehr stark und wenn wir es schaffen, auf dem Spielfeld zu funktionieren, werden wir ein gutes Turnier spielen", ist die verletzte Gülich zuversichtlich, die ebenfalls in Hamburg vor Ort ist und ihr Team von außen unterstützen wird.
Eine Rolle, an die sie sich nun erst gewöhnen musste. "Die Umstellung war groß, wenn man plötzlich so aus dem Leben gerissen wird", gibt sie zu. "Es fühlt sich an wie eine Achterbahnfahrt, an manchen Tagen ist es besser, an manchen schlechter." Daher freut sie sich besonders, dass sie dennoch ein Teil des Teams sein kann - wenn auch auf eine andere Art und Weise. "Ich will für alle da sein, gute Stimmung bringen und dabei helfen, mit Vorfreude und Lockerheit ins Turnier zu gehen." Denn auch sie weiß, dass die Herausforderung groß ist, die die Mannschaft nun ohne sie bewältigen muss.
Volles Vertrauen hat Gülich dabei in die beiden WNBA-Spielerinnen, die nun nach der Testspielserie mit dem Team trainieren. Mit 25 Jahren ist Leonie Fiebich zwar längst nicht die älteste und erfahrenste Spielerin im deutschen Team, doch wird die größte Verantwortung wohl in ihren Händen liegen. In den vergangenen Jahren hat sie sich enorm weiterentwickelt und ist mit ihrem Spiel in der WNBA zu einer der besten Spielerinnen weltweit geworden. Vor schwierigen Würfen hat sie keine Scheu und ihre Trefferquote ist stark. Besonders ihre Würfe von außen sind für die Gegnerinnen schwer zu verteidigen.
Auch Luisa Geiselsöder, die auf ihren Einsatz in der WNBA etwas länger warten musste, ist in Topform. Mit 13 Punkten in einem Spiel zeigt sie in ihrer Rookie-Saison, wie gut sie ist. In Dallas schwärmt man von ihrer Vielseitigkeit und dem guten Basketball-Verständnis sowie von ihren starken Würfen. Die Centerin wird im Nationalteam besonders nach den vielen Ausfällen und Absagen zuletzt eine wichtige Rolle übernehmen.

Das gilt auch für Emily Bessoir, die zuletzt gegen Belgien als Kapitänin aufs Feld ging. "Emily hat eine große Rolle übernommen, seit ich ausgefallen bin", sagt Gülich. Nach ihrem zweiten Kreuzbandriss hatte sich die 23-Jährige stark zurückgekämpft und war eine der besten Scorerinnen zuletzt im deutschen Team. Vor wenigen Wochen unterzeichnete sie einen Vertrag beim spanischen Club Lointek Gernika Bizkaia. Gemeinsam mit Alexis Peterson bringt sie nun Erfahrung in das junge deutsche Team ein.
Die 29-jährige Peterson ist seit gut einem Jahr für Deutschland spielberechtigt und stellt seither eine große Bereicherung für das Team dar. Die gebürtige Amerikanerin füllte als Aufbauspielerin eine große Lücke im DBB-Team und wird nun noch mehr gebraucht als es bei Olympia der Fall war.
Ganz besonders wird es in Hamburg auf die jungen Spielerinnen ankommen. "Wir haben viel Talent und junge Spielerinnen, die richtig Bock haben", weiß Gülich. Angefangen bei Frieda Bühner. Sie war die Topscorerin der Testspielphase und entwickelt sich immer mehr zur Leistungsträgerin. Vor allem ihre Rebounds sind gefährlich für die Gegnerinnen.
Für die EuroBasket ist die 21-Jährige immer eine gute Option für die Starting Five und wird auch eine Führungsrolle übernehmen müssen. Zuletzt ebenfalls ins Line-up geschafft hatte es College-Spielerin Clara Bielefeld. Mit 17 Jahren ist sie dabei die jüngste Nationalspielerin. Das merkte man ihr in den Testspielen aber nicht an, in denen sie mutig zum Korb ging und gegen Belgien sogar deutsche Topscorerin mit zehn Punkten wurde.
Die zweite Debütantin neben Bielefeld ist Hilke Feldrappe. Bei der U20-EM im vergangenen Jahr war die 21-Jährige eine Leistungsträgerin und maßgeblich am vierten Platz der Deutschen beteiligt. In ihrem College-Team Mizzou Tigers war ihre Punkteausbeute zwar zuletzt nicht so groß, dafür zeigte die 21-Jährige nun in den Testspielen mit der Nationalmannschaft, was sie kann. Beeindruckend waren ihre neun Punkte im Spiel gegen Belgien.
"Unsere jungen Spielerinnen haben nun die Chance, Erfahrungen zu sammeln und einfach dabei zu sein. Vielleicht wirft uns das ein bisschen zurück, weil stattdessen Leistungsträgerinnen fehlen. Aber ich glaube, dass es für die Zukunft helfen wird", ordnet Gülich die Situation ein.
Und Spielerinnen, von denen sie lernen können, haben die Jungen genügend. Allen voran Romy Bär, die mit Abstand älteste und erfahrenste Spielerin im deutschen Team. Mit 38 Jahren wird sie in Hamburg ihr 100. Länderspiel absolvieren. Nach ihrer Babypause wollte die MBC-Kapitänin nochmal angreifen und wird mit ihrer Erfahrung und Ruhe dem Team hoffentlich die notwendige Stabilität geben. In drei von vier Testspielen stand sie in der Starting Five.
Dort fand auch Alexandra Wilke einen Platz, die nach der Verletzung von Gülich zunächst die Rolle der Kapitänin übernommen hatte. Die 28-Jährige war in der Finalserie der DBBL zur besten Spielerin gewählt worden und hatte mit Keltern die Deutsche Meisterschaft geholt. Besonders ihre Effizienz und ihr unermüdlicher Einsatz sprechen für sie. Im Spiel gegen Belgien musste sie allerdings aus gesundheitlichen Gründen geschont werden.

Einsatz und Ehrgeiz sind auch Jennifer Crowder nicht abzusprechen. Nachdem sie knapp 20 Jahre in Göttingen gespielt hatte, war Crowder (29) in der vergangenen Saison nach Italien in die 2. Liga gewechselt. Dort hatte sie sich zur Leistungsträgerin entwickelt und es nun auch in den EM-Kader geschafft, nachdem sie für Olympia im vergangenen Sommer nicht nominiert worden war. Durch die besondere personelle Situation wird auch sie vermutlich mehr Spielzeit bekommen und die Chance, sich zu beweisen.
Das gilt auch für Emma Eichmeyer und Jessika Schiffer, die beide von den Saarlouis Royals kommen. Mit Stationen in England und Schweden hat sich die 25-jährige Eichmeyer in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Während sie im ersten Testspiel gegen Tschechien noch nicht im Kader stand, bekam sie in den folgenden Partien immer mehr Spielzeit und konnte jeweils zwei Punkte beisteuern. Schiffer (24) kam in allen vier Testspielen zum Einsatz und machte in den beiden Spielen gegen Belgien insgesamt fünf Punkte.
Für beide wird es bei der EM darum gehen, weiter Erfahrungen zu sammeln. "Es wird chaotische Momente geben und das ist auch ganz normal mit so einer jungen Truppe. Gleichzeitig glaube ich, dass man auch innerhalb eines Chaos gut funktionieren kann", ist Gülich sicher. "Da müssen wir uns jetzt beweisen und Ruhe bewahren."
Nina Probst