13.03.2025
Die Playoffs rücken näher
Die Boston Celtics, Oklahoma City Thunder und Cleveland Cavaliers thronen über den Dingen. Doch wer kann den drei Topteams der Saison gefährlich werden? Gibt es Sleeper, eventuell die Rache der alternden Stars? Und wie gut sind eigentlich die Knicks? Die Herausforderer im Check - und ein paar Honorable Mention.

Denver Nuggets
Die Stärken: Nikola Jokic allein garantiert ein gewisses Niveau. Kein anderer macht so viel aus dem, was er hat. Bei kaum einem ist der Unterschied zwischen An- und Abwesenheit so groß. Titel gewinnt Jokic auch. Vor allem, wenn Jamal Murray mitspielt. Richtig mitspielt - was Denvers Point Guard seit Wochen immer mehr tut. Allein sieben Mal legte Murray seit dem 29. Januar mindestens 30 Punkte auf. Der offensiv beste One-Two-Punch der Liga, das Zwei-Mann-Offensivsystem ohne dauerhaftes Gegenmittel, kommt rechtzeitig zu den Playoffs ins Rollen.
Und auch die Starting Five funktioniert. Spielen Jokic, Murray, Michael Porter Jr. und Aaron Gordon, stehen die Nuggets auf 100 Ballbesitze hochgerechnet bei +10,6 Punkten. Tief ist Denver weiter nicht, eine kleine, erfolgversprechende Playoff-Situation ist unter anderem dank Christian Braun und Russell Westbrook jedoch keine Utopie. Und da kaum einer Pläne gegnerischer Defenses so schön durchschauen und zerstören kann wie Jokic, sind die Nuggets vor allem während einer Serie unangenehm zu spielen.
Die Schwächen: Gegen gute Teams hat Denver immer wieder Probleme. Der Sieg im zweiten Spiel gegen OKC bedeutete Denvers ersten Erfolg gegen eines der neun besten Teams seit November 2024. Zwischenzeitlich hatten die Nuggets zehn Duelle in Folge verloren. Im ersten Spiel gegen die Thunder fanden die Nuggets keine Antwort mehr, als OKC die Zonenverteidigung durchschaut hatte und musste abreißen lassen.
Problematisch ist vor allem die Defense. Seit dem All-Star Break verteidigen nur vier Teams schwächer als Denver (Defensive Rating 119,3). Gerade das könnte in den Playoffs problematisch werden. Zumal Jokic defensiv zwar äußerst gute Instinkte besitzt, aber angreifbar ist, wenn die Team-Defense nicht ein gewisses Niveau erreicht. Umso mehr verkompliziert sich die Gemengelage, da mit Gordon Denvers wichtigster und vielseitigster Verteidiger wegen Wadenproblemen immer wieder pausieren muss. Findet er bis zu den Playoffs einen Rhythmus?
Herausforderer-Punkte: 6 von 10
Golden State Warriors
Die Stärken: Zwölf Mal hatten die Warriors bislang das vergnügen, mit Jimmy Butler aufzulaufen. Elf Mal gewannen sie. Vor allem Golden States neue Starting Five um Butler, Steph Curry, Brandin Podziemski, Moses Moody und Draymond Green dominiert Gegner. Laut Cleaning the Glass liegt ihr Point Differential pro 100 Ballbesitze bei +20,6 (86. Perzentil) - was auch an der "neuen" Defense liegt.. Spielt Butler, erlauben die Warriors auf 100 Ballbesitze 6,2 Punkte weniger (90. Perzentil unter Forwards). Insgesamt haben sie seit dem Trade das drittbeste Defensive Rating der Liga (108,9).
Und während gegnerische Teams plötzlich erhebliche Scoring-Probleme bekommen, genießt Curry die Freiheit des Seins neben einem weiteren Star. 28,9 Punkte bei 49,3 Prozent aus dem Feld und 42,1 Prozent von draußen legt er während der vergangenen zwölf Spiele auf. Curry muss weniger, kann dafür mehr. Zumal die Warriors mit Butler nun jemanden haben, der sich rund um die Zone selbst Würfe kreieren, seine Teamkollegen einsetzen, zum Ring cutten und an die Linie gehen kann. Steht Butler auf dem Court, klettert die Freiwurfausbeute der Warriors pro 100 Wurfversuche laut Cleaning the Glass um 8,1 Versuche (99. Perzentil unter Forwards).

Dass die Warriors derzeit wie eines der besten Teams der Liga spielen, liegt zudem an Podziemski, der vom neuen Setup zu profitieren scheint, wieder mehr an seine Rookie-Saison angeknüpft. Moody gliedert sich ebenfalls gewinnbringend ein - und nun kehrt auch noch Jonathan Kuminga zurück.
Die Schwächen: Jonathan Kumingas Rückkehr illustriert ein Problem und kann selbst Schwierigkeiten verursachen. Das Problem: Wo die Lakers angesichts ihres Big-Mangels als klein gelten, sind die Warriors wirklich klein. Weder Curry noch Podziemski, Green oder Moody knacken die zwei Meter. Butler kommt gerade so drüber (2,01 Meter). Das kann in den Playoffs zum Problem werden, auch wenn nahezu alle Warriors "größer" spielen als es ihr Körpermaß suggeriert. Quinten Post, dem Steve Kerr zuletzt immer wieder vertraute, bringt zwar Länge, jedoch keine Physis für das Spiel in der Zone. Trayce Jackson-Davis spielte zuletzt kaum. Bleibt Kevon Looney.
Kuminga wiederum bringt solide Länge, vor allem Athletik, was Golden State ebenfalls abgeht. Nur müssen ihn die Warriors nach langer Verletzungspause erst integrieren. Angesichts seiner Wurfschwäche durchaus kompliziert. Immerhin treffen weder Butler (20 Prozent 3FG als Warrior) noch Green (33,1 Prozent 3FG über die Karriere) verlässlich von draußen. Womöglich bringt Kuminga also Energie und Athletik von der Bank. In jedem Fall dürfte Kerr ein wenig mit Lineups experimentieren. Ob das bis zu den Playoffs reicht?
Herausforderer-Punkte: 7 von 10
Los Angeles Lakers
Die Stärken: Acht Spiele in Folge gewannen die Lakers, ehe der Meister aus Boston die Serie beendete. Anders als vermutet diente dabei nicht Offense um LeBron James, Luka Doncic und Austin Reaves als Basis. Die Lakers dominieren Spiele über ihre Defense. Seit Mitte Januar haben sie das beste Defensive Rating der Liga (108,4) und brachen auch nicht ein, als sich die Basis ohne Anthony Davis, einen der besten defensiven Big Men der Liga, fundamental veränderte.
LA’s Defense hat bewiesen, dass sie Schwachstellen gegnerischer Offenses herauszuarbeiten und auszunutzen weiß, sie in unbequeme Bahnen lenken kann. Hinzu kommen gute Individual-Verteidiger wie Jarred Vanderbilt, Dorian Finney-Smith und auch den wiedererstarkten Gabe Vincent.

Auf der anderen Seite? Haben die Lakers zwei der besten, wenn es darum geht, eine Defense genüsslich auseinander zu nehmen. Mit Jokic zählen LeBron und Doncic zu den sichersten Manipulatoren der Liga. Heißt für eine Serie: Steht immer einer der beiden auf dem Court, bekommen Defenses keine Pause. Das zehrt. Zumal James seit Wochen den besten Basketball seit der Meisterschaft 2020 spielt (28,4 Punkte, 10,3 Rebounds, 7,2 Assists seit Februar) und mit Austin Reaves als dritte Option ein weiteres offensives Mastermind wartet.
Die Schwächen: Bei aller guter Leistung, trotz der Entlastung, die Doncic für James bedeutet, LeBron bleibt 40. Während der vergangenen Wochen schob er das Intensitätslevel deutlich nach oben, verteidigte wesentlich engagierter. Nun fällt James mit einer Leistenverletzung aus. Bleibt die Frage, wie gut sein Körper mit einem langen, kräfteraubenden Playoff-Run umgehen kann. Dass Doncic der Rücken plagt, verkompliziert die Situation zusätzlich.
Gleichzeitig bleibt die Umwucht im Kader. Mit Jaxson Hayes und Alex Len haben die Lakers nur zwei echte Bigs. Zur erweiterten Elite zählt keiner. Da die Lakers auf allen Positionen überdurchschnittlich lang sind, können sie besten Gewissens Small Ball praktizieren. Nur gibt es mit Denver und auch OKC, eventuell sogar Minnesota, Teams, die den Mangel an Größe in der Zone durchaus zu nutzen wissen dürften.
Herausforderer-Punkte: 8 von 10
New York Knicks
Viel Hoffnung ruht auf Mitchell Robinson. Mit dem Center, so die Idee, bekommen die Knicks die Zone besser dicht. Wobei New York seit dem All-Star Break bereits effektiver verteidigt als zuvor (Defensive Rating 112,8, Rang 12). Das Problem: Die zuvor häufig elitäre Offense ist eingebrochen (Offensive Rating 108,9, Rang 28). Vor allem gegen Teams mit positiver Bilanz verlieren die Knicks derzeit immer wieder.
Dass Jalen Brunson mit einer Knöchelverletzung noch mindestens 1,5 Wochen fehlen wird, hilft nicht. Zumal auch Karl-Anthony Towns Effizienz seit dem All-Star Break einbrach (effective Field Goal Percentage 51,1 vs. 58,4 Prozent). Erschwerend hinzu kommt die Arbeitslast. Kaum ein Team lässt seine Starter so intensiv spielen wie die Knicks. Einen weiteren Gang für die Playoffs sollte New York also nicht fest einkalkulieren.
Milwaukee Bucks
Hätte Giannis Antetokounmpo Tyrese Haliburton nicht beim Eckendreier gefoult, womöglich hätten die Bucks mal wieder ein Erfolgserlebnis gegen ein Team mit positiver Bilanz verbuchen können. Insgesamt tut sich Milwaukee genau gegen die schwer (9-16 in dieser Saison). Zuletzt drei Niederlagen in Folge helfen auch nicht, die derzeit angeschlagenen Knicks noch einzuholen. Eventuell droht sogar der Verlust des Heimvorteils. Indiana und Detroit liegen (fast) gleichauf.
Giannis spielt weiter elitär. Auch Damian Lillard leistet seinen Beitrag. Die Verpflichtung von Kyle Kuzma bringt rein statistisch jedoch noch nicht den gewünscht Effekt. Das Point Differential pro 100 Ballbesitze rutscht mit dem Neuzugang um 4,8 Punkte ab. Kompliziert ist vor allem, dass Milwaukee bislang alle neun Spiele gegen die drei besten Teams des Ostens verlor. Die Voraussetzungen für einen tiefen Playoff-Run erschienen schon einmal besser.
Memphis Grizzlies
Lange prägten die Grizzlies mit ihrem unorthodoxen Stil fast ohne On-Ball-Screens und Handoffs die Spitze des Westens. Dann folgten acht Niederlagen aus elf Spielen. Zudem verletzte sich Jaren Jackson Jr., der die vielleicht beste Saison seiner Karriere spielt, am Knöchel. Dennoch gewann Memphis drei der nächsten vier Spiele. Auch, weil Ja Morant erstmals in dieser Saison zwei Mal in Folge mindestens 30 Punkte auflegte.
Gleichzeitig ist der Point Guard Memphis’ Problem. Morant spielt längst nicht so explosiv, effektiv und unbändig wie in der Vergangenheit. Fragen, ob er Playoff-Serien übernehmen kann, mehren sich. Zumal auch das spezielle System der Grizzlies noch keinem Postseason-Stresstest unterzogen wurde. Die anderen Teams wirken besser gerüstet.
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Max Marbeiter