vor 3 Stunden
Spielt auch die Zukunft eine Rolle?
James Harden kann einer der besten Dirigenten der Liga sein. In diesen Playoffs stockt jedoch die Offense. Gleichzeitig offenbarte New Yorks Aufholjagd in Spiel eins eine ganz große Schwäche. Vor allem, weil die Cavaliers erst gar nicht, dann zu spät reagierten. Was können sie tun, um Harden besser zu schützen und was bedeuten die Schwierigkeiten für eine mögliche Vertragsverlängerung?

Begleitet von Dean Wade dribbelt Jalen Brunson entspannt über die Mittellinie. Kurz bevor er den Perimeter erreicht, schleicht OG Anunoby heran, stellt einen sanften Block. Genug. Schon verteidigt nicht mehr Wade, einer von Clevelands besten Defendern, Brunson. James Harden, nicht bekannt als Stopper am Ball, darf übernehmen.
Brunson dribbelt hinter dem Rücken, durch die Beine, zieht Richtung Zone. Harden folgt. So gut er kann. Nur kann er eben nicht gut genug. Der Mobilste war er auch mit Mitte 20 nicht. Um den einfachen Wurf zu verhindern, hilft Jarrett Allen in der Zone aus, was wiederum Karl-Anthony Towns öffnet. KAT taucht unter dem Ring durch. Zwei weitere Punkte.
Vorne muss Harden wenig später gegen Mikal Bridges ran, einen von New Yorks besten Verteidigern. Es kommt kein Block. Mit ablaufender Wurfuhr nimmt Harden den schweren Wurf am Mann. Erneut ist der Ball bei den Knicks. Wenig später findet sich Harden erneut auf der Insel mit Brunson wieder. Diesmal scort New Yorks Point Guard selbst.
Der "All NBA Podcast" fasst die Problematik später in Zahlen zusammen. Acht Mal muss Harden im letzten Viertel in Isolation verteidigen. Seit die Liga Statistiken erhebt, in der Tracking Ära, kam es in Regular Season und Playoffs insgesamt erst 30-mal zu einem solchen Wert. Hätte es geklappt, ok, am Ende nehmen die Knicks aus den Meetings aber 1,9 Punkte pro Abschluss mit.
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Ein entscheidender, nicht der einzige, Grund, weshalb Cleveland traurig auf Sam Merrills mit der Schlusssirene erst in den Ring hinein lächelnden, dann herausspringenden Dreier blickt, obwohl sie 7:41 Minuten vor dem Ende noch mit 22 Punkten führen. Gleichzeitig prallen während dieser knapp 8 Minuten zwei Perspektiven aufeinander.
"Es war kein Geheimnis, dass wir Harden attackierten", diktiert Knicks-Coach Mike Brown später auf der Pressekonferenz. Sein Pendant Kenny Atkinson erklärt wiederum, dennoch nicht daran gedacht zu haben, seinen Point Guard vom Feld zu nehmen. "Nein", sagt er. "In den Playoffs war er einer unserer besten Verteidiger. Ich vertraue ihm. Klug. Großartige Hände. Daran habe ich nicht gedacht."
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, heißt es gern. Nun ergibt es immer Sinn, wenn ein Coach seinen Spielern Großes zutraut. Gleichzeitig sagt der Kontrollblick, dass der Ansatz nicht funktioniert. Doch Atkinson reagiert nicht. Harden bleibt die gesamte Zeit auf dem Feld, auch in der Verlängerung. Zudem zieht Atkinson während des Knicks-Runs keine seiner zwei verbliebenen Auszeiten.
Nun soll es nie darum gehen, sich als klüger zu präsentieren als ein NBA-Coach. Gleichzeitig stellt sich die Frage nach dem Weshalb. Weshalb lassen die Cavs Harden immer und immer wieder in einer Situation allein, in der er sich Zeit seiner Karriere nie wohlfühlt? Weshalb reagieren sie erst spät, schicken Merrill als Hilfe, um Brunson zu trappen und den Ball aus seinen Händen zu zwingen?
Zu dem Zeitpunkt hat sich das Momentum bereits gedreht. Der Madison Square Garden ist da. Die Knicks spüren Selbstvertrauen, treffen mittlerweile auch Dreier, was ihnen zuvor nicht gelingt. Gewissermaßen schenken die Cavs New York einen Rhythmus.

Nun gehört dieser Tausch "Offense-Defense" zu Hardens Karriere wie wilde Stepback-Dreier und pointierte Tänze in die Zone. Vorne macht er so viel, dass seine defensive Angreifbarkeit verkraftbar ist. Es wäre zu verkraften, orchestrierte er die Offense, wie er es schon so oft tat.
Im vierten Viertel trifft Harden jedoch nur einen seiner sechs Würfe, geht dennoch selbst vorne immer wieder in die Isolation. Selten endet die Aktion mit Punkten für Cleveland. Häufig mit einem Rebound der Knicks oder einem Ballverlust, allein fünf leisten sich die Cavs ein den letzten 17 Minuten, Verlängerung inklusive. Harden selbst steht am Ende bei sechs Turnovern. Ein Problem, das sich durch die gesamten Playoffs zieht.
4,9 Mal verliert Harden während der mittlerweile 15 Postseason-Spiele den Ball. In Spiel sechs gegen die Pistons, das Cleveland ebenfalls verliert, schmeißt er ihn acht Mal weg. Zusätzlich trifft er nur 31,8 Prozent seiner Dreier und 40,8 Prozent aus dem Feld, verteilt nur sechs Assists, so wenige wie seit den Playoffs 2014 nicht mehr.
Harden kann derzeit offensiv nicht so übernehmen und orchestrieren, dass er seine Defense ausgleichen kann. Auf Druck reagiert er weniger souverän als in früheren Jahren, das zeigen auch die Serien gegen Detroit und Toronto. Seit seinem Trade nach Cleveland ist die Cavs-Offense laut "Cleaning the Glass" pro 100 Ballbesitze zudem um 1,7 Punkte schwächer, wenn Harden auf dem Feld steht. Und dennoch hat die Hoffnung ihre Berechtigung.
Steht der Point Guard auf dem Feld, kann er Mitspieler immer noch besser machen. Er zieht Aufmerksamkeit auf sich und weiß, wie er entstehende Lücken nutzt. Derzeit klappt es jedoch nicht.
Umso mehr stellt sich die Frage, weshalb die Cavs im letzten Viertel von Donovan Mitchell weggehen, der bis acht Minuten vor dem Ende 29 Punkte gesammelt hat, danach nicht mehr scort und offensiv weniger involviert ist. Wäre es gewinnbringender gewesen, Dennis Schröder zu bringen, damit er durch seine Geschwindigkeit Räume öffnet, die Defense beschäftigt, weniger Stagnation aufkommen lässt?
Klappt es nicht, erscheinen derlei Lösungen hinterher immer als kluge Idee. Ob sie fundamentale Veränderung gebracht hätten, weiß niemand. Dass die Cavs gar nicht versuchen, ihr Harden-Rätsel auf andere Arten zu lösen, wirkt aber auch einen Tag darauf noch sonderbar.
Was passiert, ist vielleicht nicht komplett vorhersehbar, aber mindestes erwartbar. Weshalb lassen es die Cavs dann passieren? Die angesprochenen Auszeiten hätten den Lauf stoppen, den Cavs gleichzeitig eine Pause geben können. Die Defense hätte sich sammeln können, um hinter Harden klarer zu rotieren.
Für ein Team, das zwei Sieben-Spiele-Serien hinter sich hat, womöglich ein wertvoller Aspekt. Gleichzeitig will Mitchell Müdigkeit nicht als Grund gelten lassen. "Selbst wenn da Bequemlichkeit dabei war, wir waren mit 22 vorne, bei Gott weiß wie viel Zeit zu spielen. Acht Minuten? Das Spiel müssen wir gewinnen."
Womöglich gewinnt Cleveland, wenn sie die Taktik des Offense-Defense-Wechsels anwenden, Harden für ihre Offense auf dem Feld lassen und für Angriffe der Knicks runternehmen. Auch so bekäme er Pausen. Spekulation. Eventuell reicht auch einfach, früher schematisch zu reagieren und nicht erst diverse erfolgreiche Ausflüge Brunsons abzuwarten, ehe Cleveland Hilfe schickt, um Harden nicht allein zu lassen.
Am Ende vergeben die Cavs eine riesige Chance. Spiel eins zu klauen, die Knicks, den Favoriten, damit unter Druck zu setzen, hätte Momentum gegeben. Nun fühlt sich in Cleveland vieles schlecht, in New York vieles gut an. Das kann entscheidend sein.
Wenn vielleicht auch nicht ganz so entscheidend wie der Umgang mit Harden. Atkinson muss seinen Point Guard nicht gleich auf der Bank parken. Defensiv mehr schützen, ihn besser verstecken sollte er ihn. Zumal Clevelands Defense während der ersten drei Viertel mitunter herausragend ist, all die Bewegungen, Cuts und Drives, die die Knicks während der ersten beiden Runden auf Atlanta und Philadelphia losließen, erstickt.
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Verkomplizierend hinzu kommt, dass nach den Playoffs Entscheidungen anstehen. Harden besitzt für kommende Saison eine 42 Millionen schwere Spieleroption, die er laut die "The Athletic" nicht zieht, um einen längerfristigen, hoch dotierten Vertrag zu unterschreiben.
Will Cleveland den bieten? Was bedeutet das für Mitchell, der im Sommer ebenfalls verlängern darf, sonst 2027 Free Agent wird? Wie teuer darf das teuerste Team der Liga ab kommender Saison sein, wenn es doch klare Schwächen hat? Müssen die Cavs Harden unbedingt halten, um Darius Garland am Ende nicht für einen einzigen Playoff-Run verloren zu haben?
Laut "ESPN"-Insider Brian Windhorst planen die Cavaliers eine Verlängerung. Umso wichtiger, dass sie herausfinden, wie sie ihren Point Guard schützen, wenn Brunson mal wieder Richtung Perimeter dribbelt und Anunoby für den Block heran schleicht…
Max Marbeiter