17.03.2026
Wiener im NBA-Endspurt
In den letzten 15 Spielen der Regular Season will Jakob Pöltl mit den Toronto Raptors seine ersten Playoffs seit 2019 fixieren. Vor dem Endspurt in der stärksten Basketball-Liga der Welt traf sich der 30-jährige Wiener online mit Journalisten. "Zur Zeit ist in der NBA vieles möglich", glaubt Pöltl auch an den ganz großen Coup.

Sieben Jahre wartet Jakob Pöltl schon auf eine Teilnahme an den NBA-Playoffs, seit er als Center der San Antonio Spurs 2019 letztmals Postseason-Luft atmen durfte. In den nächsten 15 Partien mit seinen Toronto Raptors, dem Endspurt der Regular Season, will der mittlerweile 30-jährige Wiener diese lange Durststrecke beenden. Danach wäre laut Pöltl auch der Griff nach dem Heiligen Gral im Basketball kein unrealistisches Ziel. "Zur Zeit ist in der NBA vieles möglich", glaubt er an die Titelchance. Im Vorjahr habe es Underdog Indiana mit dem sensationellen Run bis ins Spiel 7 der Finals gegen Oklahoma vorgemacht.
Fünf Auswärtspartien in Serie warten in den nächsten Tagen auf Toronto und den nach einer langwierigen Rückenverletzung wieder fitten Pöltl. Erst am Sonntag lieferte Österreichs NBA-Pionier gegen den Eastern-Conference-Leader Detroit Pistons (119:108) mit 21 Punkten, 18 Rebounds und fünf Assists eine Topleistung ab. "Ich habe zur Zeit viel Selbstvertrauen. Mir geht es auch körperlich gut. Ich habe das richtige Gefühl, den nötigen Rhythmus", berichtet Pöltl in einem Online-Call mit Journalisten am Montagabend. "Man kann schon sagen, dass ich, was diese Saison angeht, aktuell auf meinem höchsten Niveau bin."
Von Mitte Dezember bis Mitte Februar hatte der 2,13-Meter-Mann immerhin 24 Spiele wegen seiner Rückenprobleme auslassen müssen. "Das wird mir auch über die nächsten Jahre bleiben", so Pöltl über neue körperliche Routinen - etwa mit einem zusätzlichen Aufwärmprogramm von 15 bis 20 Minuten. Das "Warten und Herumsitzen" über viele Wochen habe ihn mental doch ordentlich belastet. "Es war eine komische Erfahrung für mich. Die Rückenschmerzen sind mehr oder weniger aus dem Nichts gekommen. Zur Zeit geht es mir gut und ich hoffe, dass das jetzt einmal so bleibt." Auch Spiele an aufeinanderfolgenden Tagen ("Back to Back Games"), die er zuletzt noch nicht absolvierte, will Pöltl wieder angehen.
Vor dem anstehenden Roadtrip halten die Raptors bei einer Bilanz von 38 Siegen und 29 Niederlagen und stehen damit gerade noch auf einem Playoff-Platz. In den vergangenen drei Saisonen haben sie die Postseason jeweils verpasst. "Wir sind keine Mannschaft, die über die letzten Jahre schon angeklopft hat", gesteht Pöltl ein. "Aber man muss nur im richtigen Moment einen Run starten können. Wir können uns schon hohe Ziele setzen. Wir müssen uns nicht verstecken, weil wir in dieser Saison auch gegen sehr starke Teams schon sehr gut gespielt haben."
Gerade in der Crunchtime, den letzten Minuten eines Spiels, habe Toronto echte Fortschritte erkennen lassen. Auch im "Managen der langen Saison", wie es Pöltl nennt. "Es geht darum, wie man es am besten schafft, Jänner, Februar und März durchzupushen, auch wenn alles wehtut und die Beine schwer sind." Für ihn selbst brachte die Verletzung eine ungewollte, aber vielleicht im Endeffekt sogar nützliche Pause. "Ich das Gefühl, dass ich eine ganz gute Energie habe. Trotzdem glaube ich schon, dass es sicher besser ist, wenn man verletzungsfrei bleibt, den Rhythmus behält und einfach die ganze Saison durchspielen kann."
Fast unglaublich, dass Pöltl schon die zehnte NBA-Saison bestreitet. Besonderen Druck, einmal um den Titel mitzuspielen, empfindet er aber nicht. Obwohl das höchste Ziel im Basketball auch immer eines seiner persönlichen bleiben wird. "Ich treffe die Entscheidungen, wie meine Karriere weitergeht, immer mit dem Ziel im Kopf, dass es irgendwann für eine Championship oder einen tiefen Playoff-Run reicht." In jedem Training und Spiel das Beste zu geben, sei für ihn immer der entscheidende Antrieb gewesen. "Mehr kann ich nicht dazu beitragen. Mit dem Resultat, wie die Saison ausgeht, kann ich dann so oder so gut leben."
Apropos gut leben: Pöltls Vertrag bei den Toronto Raptors läuft noch bis 2030 und bringt ihm für vier Jahre umgerechnet knapp 90 Millionen Euro Gehalt ein. Was einen möglichen Einsatz im österreichischen Nationalteam in der WM-Quali Anfang Juli betrifft, signalisierte der NBA-Star seine grundsätzliche Bereitschaft, sofern es Rücken und dementsprechend angepasstes Sommertraining zulassen. Die letzte Frage in der Medienrunde galt der nahenden Fußball-WM, die ja auch vor Pöltls Haustür in Toronto stattfinden wird. Dabei traue er Österreich mehr zu als der Wahlheimat Kanada, stellte er klar. "Auch den Weltmeister-Titel", meinte er mit einem leichten Schmunzeln. "Schreibt das auf euer Titelblatt!"
Harald Hofstetter