vor 9 Stunden
Sacramento in der Offseason-Analyse
Die Sacramento Kings fangen bei Null an, haben aber auch noch diverse Altlasten in ihrem Kader. In der Hauptstadt Kaliforniens droht mal wieder eine schwierige Saison. Gibt es aber womöglich doch Licht am Ende des Tunnels?

Wenn die vergangene Saison etwas zeigte, dann, dass ein Umbruch dringend notwendig ist. Das Problem war jedoch, dass die Kings keinen Markt für ihre Top-Verdiener fanden. DeMar DeRozan wurde stattdessen entlassen und seine verbleibenden zehn garantierten Millionen auf drei Jahre verteilt. Zach LaVine zog hingegen wenig überraschend seine Spieler-Option über 49 Millionen, Interessenten gab es scheinbar nicht.
Ähnlich verhält es sich bei Domantas Sabonis, der im Vorjahr lange verletzt fehlte. Dem Litauer stehen noch 94 Millionen für die kommenden zwei Jahre zu, das ist jede Menge Holz für einen Spieler, der nicht die erste Option sein kann und als Center keinen Ringschutz liefert.
So blieben die Kings auf LaVine und Sabonis sitzen, was die Möglichkeiten verkleinerte. Sacramento operiert nahe an der Luxussteuer, weswegen außer den drei Draft-Picks, von denen man sich von Nr.7-Pick Darius Acuff Jr. als neuer Franchise-Guard einiges verspricht, nur Ben Simmons mit einem nicht-garantierten Vertrag geholt wurde. Der Australier setzte die komplette Vorsaison aus, nun will der ehemalige Nr.1-Pick neu angreifen. Ob er allerdings auch nur annähernd sein Niveau aus Sixers-Zeiten erreichen kann, darf angezweifelt werden.
Draft: Darius Acuff (#7), Alex Karaban (#29), Emanuel Sharp (#45)
Zugänge: Ben Simmons (zuletzt ohne Team),
Abgänge: DeMar DeRozan (Nuggets), Devin Carter (Celtics), Russell Westbrook (Karriereende), Doug McDermott, Drew Eubanks (Knicks), Killian Hayes
Extension: Precious Achiuwa (2 Jahre, 11,2 Mio. Dollar)
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| D. Acuff Jr. | Z. LaVine | D. Hunter | K. Murray | D. Sabonis |
| B. Simmons | M. Monk | N. Clifford | D. Cardwell | M. Raynaud |
| E. Sharp | D. Plowden | A. Karaban | P. Achiuwa |
Für Sacramento geht es darum, ein neues, junges Team aufzustellen. Dazu passt es, dass die Kings in den vergangenen Wochen mit Jonathan Kuminga (nun Wolves) oder Jalen Duren (Pistons, Resticted Free Agent) in Verbindung gebracht wurden. Gleichzeitig steht man noch am Anfang des Neuaufbaus. Die Kunst wird es sein, Veteranen wie Sabonis, LaVine oder Malik Monk für mögliche Trades zu präsentieren und gleichzeitig den jungen Spielern Einsatzzeiten zu geben.
Darius Acuff Jr. verkörpert derzeit den Neuanfang. Der Guard sorgte auf dem College für Spektakel, wird aber sicherlich eine Weile brauchen, bis er neben Stats seinem Team helfen wird, Spiele zu gewinnen. Letztlich haben die Kings aber auch Zeit, ein Umbruch kann Jahre lang dauern - und das dürfte in Sacramento der Fall sein.
Die Kings werden den Trade-Markt genau prüfen, aufgrund der dicken Verträge wird für Spieler wie LaVine oder Sabonis allerdings wenig Gegenwert drin sein. Einen echten Joker hat Sacramento nicht, das meiste Interesse könnte womöglich Keegan Murray auf sich ziehen. Er ist mit 26 Jahren aber noch jung genug, um Teil der nächsten kompetitiven Kings-Mannschaft zu sein.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, wer bei den Kings eigentlich verteidigt. Auf dem Flügel ist mit De’Andre Hunter und Murray zwar Länge vorhanden, doch auf der Eins (Simmons mal ausgenommen) und unter dem Korb gibt dieser Kader nur wenig her. Es ist davon auszugehen, dass Sacramento erneut eines der schwächsten Teams in der Verteidigung sein wird.
Gleichzeitig fehlt ein echter Spielmacher. Acuff ist eher ein Scorer, gleiches gilt für LaVine oder Monk. Es dürfte wieder einiges über Sabonis laufen, dessen Fit mit Simmons aber katastrophal ist, da beide keinen Wurf besitzen, der respektiert wird.
Und dann ist da noch die Frage nach dem Coach. Doug Christie bekleckerte sich in seinen knapp zwei Jahren nur bedingt mit Ruhm, dazu kritisierte er sein Team mehrfach öffentlich, was in dieser Häufigkeit kein gutes Zeichen ist. Noch scheint Christie den Rückhalt von GM Scott Perry zu haben, doch eine klare Handschrift ist weiterhin nicht zu erkennen.
22 Siege sprangen für die Kings im Vorjahr heraus, vielmehr werden es 2026/27 vermutlich nicht. Wenn die Veteranen diesmal fit sind, dann wird Sacramento sicherlich in Tuchfühlung der Play-In-Plätze sein, doch es ist davon auszugehen, dass der Kader im Verlaufe des Jahres weiter zusammengestutzt wird, um den Neuaufbau voranzutreiben.
Die Kings halten alle ihre eigenen Draft-Picks und werden sicherlich versuchen, weitere zu ergattern. Siege sind dabei sekundär, schließlich braucht die Mannschaft erst einmal wieder eine Identität. Diese Saison sollte dafür genutzt werden, diese zu finden, auch wenn man so weiterhin im Keller der Western Conference stecken bleibt. Aber ganz ehrlich: Welche Alternativen gibt es sonst überhaupt?
Robert Arndt