02.06.2025
Erfolgreichste Saison seit 2000
Die New York Knicks haben eine beeindruckende Saison hinter sich, die erst im Conference-Finale endete. Trotz der ernüchternden Niederlage gegen die Indiana Pacers (2-4) hat sich der Weg der letzten Jahre bestätigt. Änderungen müssen nun dennoch her.

Die Verpflichtungen von Karl-Anthony Towns, OG Anunoby und zuletzt Mikal Bridges zeigten, dass die Knicks nicht zögern, wenn es um große Namen geht. Zusammen mit Jalen Brunson und Josh Hart bildeten sie in dieser Saison eine der stärksten Startformationen der Liga - und gleichzeitig eine der am meisten belasteten. Die fünf Knicks gehörten zu den 20 Spielern mit den meisten NBA-Minuten der regulären Saison, was sich spätestens in der Serie gegen die laufstarken Pacers rächte.
Denn während Indiana regelmäßig mit frischen Kräften nachlegen konnte, war New Yorks Bank schlicht zu dünn besetzt. Nur 21,7 Punkte pro Spiel steuerte sie in der regulären Spielzeit bei - ligaweit der mit Abstand schlechteste Wert.
Trotz dieser Kritikpunkte ist klar: Der Kern dieses Teams funktioniert. Brunson spielt auf All-NBA-Niveau, Bridges und Anunoby bringen Defense und Spacing, und mit Towns hat man einen offensivstarken Big Man im Team.
Dass die Knickerbocker an diesem Grundgerüst rütteln, ist höchst unwahrscheinlich - wie auch Franchise-Eigentümer James Dolan vor den Playoffs verriet: "Es gab Zeiten, da waren wir auf der Suche, nach diesem einen, glänzenden Objekt: 'Lass uns jetzt diesen Spieler holen, der wird alles für uns zum Positiven wenden'. (...) Was ich mit der Zeit gelernt habe, ist, dass das nicht funktioniert. Man kommt um die Grundlagen nicht herum. (...) Man kann nicht einfach eine Wand zerstören und plötzlich ist man ein großartiges Team."

Die anhaltende Enttäuschung über das Ausscheiden im Conference Finale sollte auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass New York mit dieser Saison durchaus zufrieden sein kann. Erst im vergangenen Sommer erneuerte man die Starting Five rundum. In der ersten gemeinsamen Saison schaffte es das Team es nicht nur, Titelverteidiger Boston zu eliminieren, sondern auch noch die ersten Conference Finals seit 25 Jahren (!) zu erreichen.
Durch den teilweisen Gehaltsverzicht von Brunson ist auch die nahe Zukunft des Start-Quintetts gesichert. Der Point Guard steht genauso wie Anunoby, Towns und Hart für mindestens die nächsten drei Jahre unter Vertrag. Bridges' Arbeitspapier läuft zwar nach der kommenden Saison aus, jedoch steht eine vorzeitige Verlängerung wohl kurz bevor.
Dennoch gibt es im Sommer Veränderungsbedarf im Big Apple. Die verkürzte Rotation von de facto nur sieben Spielern kann durchaus als entscheidender Unterschied zu den Indiana Pacers verstanden werden. Die Starting Five um Anunoby, Bridges, Brunson, Tows und Hart spulte im Schnitt mehr als 35 Minuten pro Playoff-Partie ab.
Ganz besonders mussten die beiden Forwards OG Anunoby und Mikal Bridges leiden, für die Coach Thibodeau keinen wirklichen Ersatz vorgesehen hat. Beide überschritten regelmäßig die 40-Minuten-Marke.
Dass die Knicks auf dem Free-Agency-Markt zuschlagen werden, ist hingegen beinahe ausgeschlossen: Knapp 93 Prozent des Gehaltsspielraums wird von New Yorks Startaufstellung sowie Bigman Mitchell Robinson eingenommen.
| Saison | Abschneiden | Gegner |
|---|---|---|
| 2024/25 | Conference Finale | Indiana (2-4) |
| 2023/24 | Conference Halbfinale | Indiana (3-4) |
| 2022/23 | Conference Halbfinale | Miami (2-4) |
| 2021/22 | Playoffs verpasst | |
| 2020/21 | Erste Runde | Atlanta (1-4) |
Wahrscheinlicher ist also, dass man auf dem Trade-Markt aktiv wird. Das Draft-Arsenal der Franchise wird dabei keine große Hilfe darstellen. In den nächsten sieben Jahren steht dem Team nur ein Erstrundenpick (2026, Top-8-geschützt aus Washington) zur Verfügung.
Sollte man nicht bereit sein, die erste Fünf aufzubrechen, geht an einem Deal rund um Center Mitchell Robinson also kein Weg vorbei. Mit 12,6 Rebounds pro 36 Minuten hinterließ Robinson in den Playoffs durchaus guten Eindruck. Sein degressiv gestalteter Vertrag beläuft sich in der kommenden Saison lediglich auf knapp 12 Millionen Dollar, was ihn auf dem Trade-Markt durchaus für einige Teams interessant macht. Sollte New York im Sommer aktiv werden, dann höchstwahrscheinlich über den Bigman, dessen Vertrag zudem nach der kommenden Saison ausläuft.
Sehr sicher wird die Franchise aber noch viel mehr auf interne Entwicklung setzen (müssen). Die beiden letztjährigen Draft-Picks Pacome Dadiet und Tyler Kolek kamen in der regulären Saison zusammen auf gerade mal 400 Spielminuten. Der Deutsche Ariel Hukporti schaffte es lediglich auf 25 Kurzeinsätze, wusste dabei phasenweise aber durchaus zu überzeugen. Im kommenden Draft steht den Knicks übrigens nur der 50. Pick zu.
| Spieler | Pos | Alter | Bish. Gehalt | Typ |
|---|---|---|---|---|
| Precious Achiuwa | PF | 25 | 6,0 | UFA |
| Cameron Payne | PG | 30 | 3,0 | UFA |
| Delon Wright | PG | 33 | 3,0 | UFA |
| Ariel Hukporti | C | 23 | 2,9 | CO |
| PJ Tucker | PF | 40 | 1,9 | CO |
| Landry Shamet | SG | 28 | 1,7 | UFA |
| MarJon Beauchamp | SG | 24 | 0,52 | RFA |
In ihrer ersten gemeinsamen Saison wussten die neu geformten New York Knicks zu überzeugen. Die erste Halbfinalteilnahme seit Beginn des Jahrtausends ist ein Zeugnis dafür. Die noch immer vorhandenen Schwächen wurden gegen die Indiana Pacers schließlich klar offenbart und müssen nun adressiert werden.
Für die Franchise gilt es - anders als einst - nicht Chaos und Panik walten zu lassen. Dass man über die vergangen Jahre hier eine Lernkurve hingelegt hat, zeigt auch das Festhalten an Thibodeau. Die Gegenwart der Mannschaft ist vielversprechend und ihre Zukunft ebenso gesichert.
Julius Ostendorf