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    NBA

    vor 5 Stunden

    Vom Sündenbock zum Superstar

    Beste Playoffs seiner Karriere: Wie die Knicks Towns entfesselt haben

    Seit Anbeginn seiner Karriere war Karl-Anthony Towns fortwährender Kritik ausgesetzt. Schlechte Entscheidungsfindung, zu wenig Physis, mangelhafte Defensive. In den laufenden Playoffs hat der Knicks-Center jedoch eine beeindruckende Metarmorphose hingelegt. Nicht mehr gewinnt seine Mannschaft trotz ihm, sondern vor allem seinetwegen.

    Karl-Anthony Towns steht in seinen ersten NBA Finals.
    Karl-Anthony Towns steht in seinen ersten NBA Finals. Wendell Cruz

    So wenig Punkte, wie seit seiner Rookiesaison nicht mehr. So wenig Korbabschlüsse wie noch nie. Die reguläre Saison verlief für Karl-Anthony Towns aus Sicht des neutralen Beobachters eher enttäuschend. Der Trainerwechsel hin zu Mike Brown sollte dem eindimensionalen Brunson-Isolation-Play von Vorgänger Tom Thibodeau eigentlich ein Ende setzen. Stattdessen kam Towns lange sogar noch weniger als zuvor zum Zug. Und Brunson Usage Rate stieg mit 30,4 Prozent in ungeahnte Höhen.

    "Ich bin immer noch dabei, mich da durchzuarbeiten", sagte Towns vor dem Playoff-Auftakt Ende März. "Ich bin immer noch dabei, herauszufinden, wie ich am besten zum Teamerfolg beitragen kann." In den Playoffs dauerte es dann ein paar Spiele, um diese Findungsphase voranzutreiben.

    In den ersten drei Spielen scorte und reboundete Towns zwar stark. Knicks-Star Jalen Brunson war dafür aber auffällig inkonstant, weil er im Zentrum der defensiven Bemühungen Atlantas stand. Ein 1-2-Rückstand bewog Trainer Brown schließlich zu einer folgenschweren Änderung: Anstelle von Brunson stellte er Towns in Zentrum des Spielaufbaus - eine Anpassung, die sich umgehend in Teamerfolg übersetzen sollte.

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    Towns avanciert plötzlich zum Ballverteiler

    Towns sah den Ball nun in nahezu jedem Ballbesitz, meist auf Höhe der Birne, manchmal aber auch im Post. Gleichzeitig schwirrten die vier weiteren Knicks-Spieler um den Big Man herum und stifteten damit erfolgreich Verwirrung. Dabei machte sich New York auch die "Anziehungskraft" von Brunson zunutze, der im Stile von Stephen Curry häufiger selbst Screens setzte und damit massive Abstimmungsprobleme der Verteidigung verursachte.

    Es funktionierte: Die Knicks drehten nicht nur den Serienrückstand gegen Atlanta in ein 4-2, sondern gewannen auch die beiden nachfolgenden Serien tadellos (8-0). Elf Playoff-Siege in Folge schafften zuletzt die 2018/19er Golden State Warriors!

    In den sieben Spielen nach der taktischen Anpassung schnellte Towns‘ Vorlagenschnitt auf beeindruckende acht Assists hoch. Zum Vergleich: In der regulären Saison lag diese Zahl noch bei mageren 3,0 pro Spiel.

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    Die Anpassung hat dabei nicht nur den Vorteil, Brunson von dessen hoher offensiver Nutzung zu entlasten und ihm damit zu hochprozentigeren Abschlüssen zu verhelfen. Weil Towns freilich auch weiterhin ein exzellenter Schütze ist, zieht er die Big Men gegnerischer Teams aus der Zone heraus, was seinen Mitspielern wiederum einfacheres Scoring unter dem Korb ermöglicht.

    Insbesondere im bevorstehenden Finale gegen Victor Wembanyamas San Antonio Spurs dürfte es auf diese Funktion ankommen. Mit dem Franzosen auf dem Feld haben die Texaner ein überragendes Defensivrating von 94,1, was die mit Abstand beste Verteidigung der laufenden Postseason bedeutet.

    Allein Wembys Präsenz ändert das Spiel unter dem Korb fundamental. Ihn deshalb so lange und so häufig wie möglich aus der Paint-Area herauszuziehen, sollte einen Schlüssel für die Knicks im Finale darstellen. Einen Vorgeschmack darauf lieferte das Finalspiel des NBA Cup Mitte Dezember. Hier kam Wembanyama nach wochenlanger Verletzung zwar noch von der Bank, mit einem Plus/Minus-Wert von -18 verbuchte er allerdings den schlechtesten Wert aller Spieler auf dem Feld.

    Im Kollektiv hielten die Knicks Wembanyama im NBA-Cup-Finale bei 18 Punkten.
    Im Kollektiv hielten die Knicks Wembanyama im NBA-Cup-Finale bei 18 Punkten. Getty Images

    Towns auch defensiv deutlich verbessert

    Nun war der 22-Jährige freilich nicht der schlechteste aller Akteure. Dass er seinen allgegenwärtigen Einfluss auf die gegnerische Offensive aber nicht in gewohntem Maße umsetzen konnte, ist daran durchaus abzulesen.

    Möglich war das aber nicht nur aufgrund Towns‘ Gefahr von Downtown. Der Knicks-Big hat sich auch defensiv enorm verbessert. Viel seltener fällt er inzwischen mit Aussetzern im Abstimmungsprozess mit seinen Mitspielern auf. Dazu weiß er auch gegen Gegenspieler seiner Augenhöhe den Körper besser einzusetzen. Wembanyama, der durchaus auch Shot-Creation von außen zu seinen Fähigkeiten zählt, hat es gegen diese Towns-Version deutlich schwerer, per Drive zu Punkten zu kommen. Bereits im Dezember war das sichtbar.

    Fast ein halbes Jahr später stehen sich beide Teams also erneut im Finale gegenüber. Und Towns wird dabei noch mehr als damals im Fokus stehen.

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    Julius Ostendorf

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