12.02.2026
Investoren sind nicht das Problem
Die NBA drängt nach Europa. Geht es nach dem Willen der Amerikaner, sind in der zu gründenden Liga auch zwei deutsche Klubs dabei. Neben Alba Berlin richtet sich der Blick auf die Bayern. Doch diese fielen zuweilen eher durch ihre Zurückhaltung auf. Doch wieso?

Es ist weitgehend bekannt, dass das aktuelle Finanzmodell im europäischen Basketball kaum nachhaltig ist. Die Abhängigkeit sportlichen Erfolgs vom Willen einzelner Mäzen zeigte sich erst kürzlich am Beispiel der AS Monaco.
Wegen seiner Verstrickungen in Russland und den Sanktionen der EU war Eigentümer Aleksej Fedoricsev zuletzt in Zahlungsnot geraten. Sogar ein Spielerstreik stand im Raum, ehe die französische Liga und sogar das Fürstentum selbst einschritt.
Eine solche Abhänigigkeit ist in Deutschland aktuell nicht vorhanden, wenngleich das durchaus möglich wäre. Die bekannte "50+1"-Regel aus dem Fußballgeschäft - die besagt, dass die Mitglieder stets die Mehrheit innehaben müssen - gibt es weder im deutschen, noch im europäischen Basketball.
Die Aufnahme in den geplanten europäischen NBA-Ableger macht diese Nicht-Regelung zugleich erheblich einfacher. Die US-Liga bringt Aufmerksamkeit, Sponsoren und ein funktionierendes Produkt mit über den großen Teich, will sich aber im Gegenzug auch entsprechend entlohnen lassen.
Eintrittsgebühren von mehreren hundert Millionen bis hin zu einer Milliarde Euro werden - glaubt man den diversen Medienberichten - fällig. Selbst der große FC Bayern, mit dem viel zitierten Festgeldkonto wird eine solche Summe nicht beistandslos aufbringen können. Uli Hoeneß sagte erst im Dezember, dass es Grundvoraussetzung sei, dass sich der Basketball selbst finanzieren müsse.
In dem Wissen reiben sich bereits seit der Bekanntgabe der neuen Liga weltweit Investoren die Hände.
Denn: Anders als im europäischen Fußball gibt es hier keine Investment-Obergrenze. Alba Berlin macht das bereits seit Langem vor. Hier ist die ausgegliederte Profiabteilung mehrheitlich in der Hand von Panda Finance, der die beiden ALBA-Gesellschafter Eric und Axel Schweitzer angehören. Lediglich ein Viertel der Anteile obliegen dem Verein.
Anders ist es im Falle des FC Bayern, bei dem die Spielbetriebs GmbH wohl noch zu vollen Teilen dem mitgliedergeführten Verein gehört.

Mit einem Investoreneinstieg würde man zwar einen Teil der Kontrolle abgeben, regulatorisch steht dem aber eigentlich nichts im Wege. Ein finanzielles Risiko bleibt es dennoch. Das europäische Basketballsystem schreibt weitgehend noch keine schwarzen Zahlen, die EuroLeague ohnehin nicht (die Bayern schrieben im Vorjahr erstmals schwarze Zahlen) - dabei ist ja derzeit noch nicht mal eine große konkurrierende Liga vorhanden.
Im Falle der europäischen NBA-Liga müssten aber nicht nur laufende Kosten, sondern eben auch die Eintrittsgebühren amortisiert werden können. Dafür braucht es neben dem Glauben an das Projekt vor allem eins: einen langen Atem.
Im basketball-world.news-Interview erklärte FIBA-Schatzmeister Ingo Weiss im vergangenen Jahr, dass genau das die große Stärke des Projekts sei. Wie alle Beteiligten allerdings reagieren, wenn die finanziellen Erwartungen über Jahre hinweg unterboten werden, wird man vorab aber nur schwer realistisch abschätzen können.
Die NBA Europe bleibt also Chance und Risiko zugleich - für den FC Bayern, ebenso wie den europäischen Basketball.
Julius Ostendorf