vor 40 Minuten
NBA-Youngster über NBA-Start, Steinbach und den DBB
Christian Anderson Jr. ist in Charlotte angekommen. Der Rookie spricht im Interview mit basketball-world.news über die ersten Wochen in der NBA, seine Rolle bei den Hornets und die Hilfe von Dennis Schröder. Außerdem erzählt er, wie er gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten Hannes Steinbach zum selben Team gedraftet wurde und wie gut sein Deutsch inzwischen ist.

Herr Anderson, zuletzt hatten Sie Probleme mit dem Knöchel. Wie geht es Ihnen?
Anderson Jr.: Gut, dem Knöchel geht es besser. Er ist noch nicht bei 100 Prozent und ich beiße mich gerade durch. Aber es wird von Tag zu Tag besser.
Ihre Hornets sind mit drei Siegen aus den ersten vier Spielen toll in die NBA-Saison gestartet. Zuletzt gab es vier Niederlagen. Wie haben sich die ersten Wochen für Sie angefühlt?
Anderson Jr.: Das ist alles ziemlich surreal. Auf dieser großen Bühne zu spielen und sich zu messen, macht unglaublich viel Spaß. Und dann gewinnen wir auch noch. Gegen Spieler wie Trae Young anzutreten, die ich schon als Kind verfolgt habe, oder in der Preseason gegen Jayson Tatum, war richtig cool. Es gibt in dieser Liga auch richtig gute Verteidiger. Am wichtigsten ist für mich, mit dem Druck umzugehen und mit jedem Spiel besser zu werden.
Wie groß ist die körperliche Umstellung vom College auf die NBA?
Anderson Jr.: Es ist viel physischer, und das Spiel ist viel schneller als im College. Da muss man sich anpassen und sich im Laufe der Saison daran gewöhnen. Gegen die Jungs zu spielen, zu denen man aufschaut, macht natürlich großen Spaß. Man versucht, sich mit ihnen zu messen und das Gefühl zu bekommen, dass man dazugehört.
Was hat Ihnen Ihr Head Coach vor dem Saisonstart über Ihre Rolle gesagt? Was will er sehen, bevor Sie konstant viele Minuten bekommen?
Anderson Jr.: Zu Beginn der Saison hatte die Defense Priorität. Ich soll den Ballführer unter Druck setzen und es dem Gegner nicht leicht machen. Ich soll eine Nervensäge sein, auf dieser Seite des Feldes Plays machen und die gegnerischen Spieler zermürben. In der Offense soll ich das Spiel lenken, auf den Ball aufpassen und Plays kreieren. Darüber haben wir vor der Saison gesprochen, und das wird auch im weiteren Saisonverlauf von mir erwartet.
Die Hornets haben einen tiefen Backcourt, auch wenn Coby White noch fehlt. Spüren Sie Druck wegen der Konkurrenz auf Ihrer Position?
Anderson Jr.: Klar, wir haben einen sehr tiefen und talentierten Kader. Für mich geht es vor allem darum, Spiele zu gewinnen und so gut zu spielen, wie ich kann. Was daraus folgt, das kommt dann. Jedes Mal, wenn ich auf dem Feld stehe, will ich so viel Einfluss nehmen wie möglich und das Beste für das Team geben.
| Statistik | Texas Tech 2025/26 | Charlotte Hornets 2026/27 |
|---|---|---|
| Spiele | 33 | 8 |
| Davon in der Startformation | 33 | 0 |
| Minuten pro Spiel | 38,4 | 10,3 |
| Punkte pro Spiel | 18,5 | 2,6 |
| Rebounds pro Spiel | 3,6 | 1,5 |
| Assists pro Spiel | 7,4 | 1,4 |
| Steals pro Spiel | 1,5 | 0,4 |
| Wurfquote | 47,2 % | 31,0 % |
| Dreierquote | 41,5 % | 13,3 % |
| Freiwurfquote | 80,5 % | 100 % (1/1) |
Seit dem Trade spielen Sie neben Dennis Schröder. Sie kennen sich schon länger, und er spricht in den höchsten Tönen von Ihnen. Gleichzeitig spielt er auf derselben Position. Ist er eher ein Geschenk für Ihre Entwicklung oder ein Konkurrent?
Anderson Jr.: Ich glaube, beides. Auf diesem Niveau gibt es immer Konkurrenz. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Ich kann sehen, was er auf dem Feld macht und warum er so erfolgreich ist, und versuche, das auf mein Spiel zu übertragen. Gerade jetzt, wo Coby ausfällt und Dennis der wichtigste erfahrene Point Guard im Team ist, bringt mir das sehr viel. Ich habe einen Spieler als Orientierung, an dem ich sehen kann, wie er spielt, wie er führt, wie er verteidigt und Druck auf den Ball macht. Das hilft mir enorm bei meiner Entwicklung.
Wie läuft das konkret ab? Sucht er aktiv das Gespräch mit Ihnen, um Sie auf Dinge hinzuweisen?
Anderson Jr.: Ja. Ich schaue ihm natürlich zu, aber er spricht mich auch in den Auszeiten an oder wenn ich ausgewechselt werde. Dann sagt er mir, was ich besser machen kann und was ich hätte tun sollen. Diese Einblicke helfen mir sehr. Ich kannte ihn schon vorher und weiß, wie er ein Team führt. Genau das zeigt er jetzt auch hier.
Ihre Verbindung ist bekannt. Glauben Sie, sie hat bei der Entscheidung der Hornets, Schröder zu holen, eine Rolle gespielt? Und wie haben Sie von dem Trade erfahren?
Anderson Jr.: Ich weiß nicht, ob das ein Faktor war. Vielleicht hat das mit in die Entscheidung reingespielt. Dennis ist einer der besten deutschen Spieler, die es je gab. Es ist super aufregend, ihn hier zu haben, und das geht über das Spielfeld hinaus. Wir können uns abseits des Courts austauschen. Und wenn wir zur Nationalmannschaft fahren, habe ich schon etwas mehr Erfahrung im Zusammenspiel mit ihm und kenne ihn besser. Als ich hörte, dass er kommt, habe ich mich riesig gefreut. Noch ein vertrautes Gesicht, das war stark.
Mit Hannes Steinbach sind Sie über die Jahre in den Nachwuchsteams gemeinsam aufgewachsen. Wie besonders ist es, jetzt mit ihm das NBA-Parkett zu teilen?
Anderson Jr.: Es fühlt sich an, als würde sich ein Kreis schließen. Wir haben zusammen in der U16 gespielt und diesen ganzen Weg gemeinsam erlebt, bis wir zum selben Team gedraftet wurden. Ich habe jemanden, auf den ich mich stützen kann und der gerade dasselbe erlebt wie ich. Es ist großartig, dass alles so gekommen ist. Und es macht richtig Spaß, mit Hannes auf dem Feld zu stehen.

Wie haben Sie den Draftabend erlebt, als feststand, dass Sie beide nach Charlotte gehen?
Anderson Jr.: Anfangs habe ich das gar nicht richtig mitbekommen, weil so viele Emotionen im Spiel sind und man zunächst einmal wissen will, wo man landet. Als der Anruf kam, dass ich nach Charlotte gehe, wusste ich nicht, dass Hannes schon dort war. Dann habe ich aufgeschaut und gesehen, dass er auch von den Hornets gedraftet wurde. Da hat es Klick gemacht, und ich habe mich total gefreut. Seine Familie saß im selben Raum mir gegenüber und hat sich genauso gefreut. Das war ein super Moment für meine Familie, für seine Familie und für uns beide. Verrückt, wie sich das gefügt hat.
Zwei bekannte deutsche Gesichter zum Start der NBA-Karriere: Hat Ihnen das den Einstieg bislang erleichtert?
Anderson Jr.: Ja. Wenn man sich abseits des Feldes wohlfühlt, fällt es leichter, sich auch auf dem Feld wohlzufühlen. Ich hatte von Anfang an Leute um mich, mit denen ich mich schnell verbunden gefühlt habe. Das ist wie eine zweite Familie. Je mehr vertraute Gesichter, desto wohler fühlt man sich und desto näher ist man an den Mitspielern und am Trainerstab. Genau das ist hier passiert.
Dabei ist Ihre deutsche Verbindung eine besondere. Sie haben einen deutsch-amerikanischen Vater, sind aber in Atlanta aufgewachsen und trotzdem immer wieder für Turniere und Lehrgänge nach Deutschland gereist. Wie war das am Anfang, als Sie kaum jemanden kannten und die Sprache nicht sprachen?
Anderson Jr.: Ich habe schon vor der Nationalmannschaft eine Zeit lang in Deutschland verbracht. Mein Vater ist dort geboren und aufgewachsen und hat dort gespielt. Ich habe etwa anderthalb Jahre in Deutschland gelebt, war damals aber noch sehr jung. Es war mir deshalb noch ziemlich fremd, das stimmt. Atlanta ist komplett anders als Deutschland: neue Leute, ein neues System, eine andere Art, Basketball zu spielen. Aber als ich zum ersten Mal zur U16 kam, waren die Spieler und die Trainer allerdings sehr offen. Sie haben es mir leichtgemacht, mit allen eine Verbindung aufzubauen, genau wie jetzt hier. Der Übergang lief nahtlos, und dadurch fühlte sich alles auf dem Feld selbstverständlich an. Das ging schnell und war einfach, und das lag an den Leuten im Team und im Staff.
Im vergangenen Jahr sind Sie den nächsten Schritt gegangen und haben in der EM-Vorbereitung mit der A-Nationalmannschaft trainiert und gespielt, zum ersten Mal an der Seite von Dennis Schröder. Was haben Sie daraus mitgenommen?
Anderson Jr.: Es war der Sprung aufs nächste Level. Ich konnte sehen, wie Profis wirklich arbeiten und wie sie sich auf und neben dem Feld um alles kümmern, etwa um die Regeneration. Diese Professionalität war sehr wichtig für mich. Mit ihnen zu trainieren und die andere Physis und Spielintelligenz zu spüren, hat mir sehr geholfen. Davon habe ich in meinem zweiten Jahr profitiert, weil ich dieses Wissen mit aufs Feld nehmen konnte. Ich kann es kaum erwarten, wieder dort zu sein und mehr zu lernen.
Schröder hat sinngemäß gesagt, Sie würden seine Nachfolge in der Nationalmannschaft antreten, wenn er einmal aufhört. Was bedeutet Ihnen so ein Lob?
Anderson Jr.: Sehr viel. Er ist einer der Besten, die es je gab. Er spielt seit langer Zeit in der NBA und war auch mit unserer Nationalmannschaft sehr erfolgreich. Wenn so jemand so etwas sagt, tut das gut und motiviert mich, noch besser zu werden. Man will ja nicht hinter dem zurückbleiben, was jemand über einen sagt. Es spornt mich an, mich weiterzuentwickeln und das fortzusetzen, wofür er den Weg bereitet hat.

Die deutsche Nationalmannschaft erlebt eine goldene Ära, und WM und Olympia stehen bevor. Welche Ziele haben Sie mit dem Team?
Anderson Jr.: Ich möchte bei der WM nächstes Jahr auf jeden Fall dabei sein und eine Goldmedaille gewinnen. Dieses Jahr war es ziemlich schwierig, aber wann immer ich die Chance bekomme und nominiert werde, will ich dabei sein. In Zukunft werde ich das definitiv. Unser Team war in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich. Darauf wollen wir aufbauen und an der Spitze bleiben.
Basketballsprache ist Englisch, auch in der Nationalmannschaft. Dürfen wir trotzdem damit rechnen, dass Sie das nächste Interview mit ein bisschen Deutsch führen?
Anderson Jr.: Ich spreche es noch nicht viel, deshalb fällt es mir ziemlich schwer. Aber ich arbeite daran. Mit Dennis und Hannes im Team versuche ich jetzt, es öfter zu sprechen als bisher und mich daran zu gewöhnen. In den nächsten Jahren werde ich das auf jeden Fall versuchen.
Das dürfte ja für das Zusammenspiel mit Hannes auch ein kleiner Vorteil sein, oder?
Anderson Jr.: Auf jeden Fall, ja! (lacht)
Interview: Julius Ostendorf