vor 19 Stunden
Charlottes Offseason in der Analyse
Die Charlotte Hornets haben in der Offseason keinen Stein auf dem anderen gelassen. Mit LaMelo Ball und Miles Bridges verließen zwei prägende Spieler die Franchise, dafür kamen unter anderem Dennis Schröder, Naz Reid und zwei junge deutsche Talente. Doch welche Richtung verfolgt Charlotte mit diesem überraschenden Umbau - und reicht der neue Kader erneut für das Play-In?

Wer hätte gedacht, dass es bei den Charlotte Hornets, die mit ihrer unbeschwerten, pfeilschnellen Spielweise eine der Feel-Good-Storys der Vorsaison waren, im Sommer so knallen würde? Gerade als man dachte, Charlotte hätte nach vielen Jahren der Suche endlich seinen Kern gefunden, hatte GM Jeff Peterson andere Pläne.
Anstatt dem bishrigen Franchise Player LaMelo Ball eine vorzeitige Verlängerung vorzulegen, schickte Peterson den Superstar kurzerhand nach Minnesota, um sich im Gegenzug die Dienste von Naz Reid und mehreren Draft Picks zu sichern. Ball war mit seiner exzentrischen Spielweise stets ein Zuschauermagnet, Konstanz und Defense waren aber nie ganz sein Ding.
Keine 72 Stunden später knallte es dann noch mal und plötzlich war mit Miles Bridges eine der weiteren Stützen des Vorjahres nicht mehr Teil des Teams. Dieser Move, der Royce O'Neale und Grayson Allen nach Charlotte spülte, war eher eine Investition in die Zukunft als ein Indiz für eine Win-Now-Mentalität, die dem Team viel Flexibilität gibt.
Das durch Balls Abgang entstandene Loch auf der Eins wurde dann zur Freude der deutschen Fans durch DBB-Kapitän Dennis Schröder gefüllt, der neben seiner Rolle auf dem Platz als wichtiger Mentor für die beiden deutschen Rookies Hannes Steinbach und Christian Anderson diesen wird. Dorian Finney-Smith soll nach seinem glücklosen Stint in Houston zusätzliche Erfahrung mitreinbringen.
Zugänge: Royce O'Neale (Phoenix), Grayson Allen (Phoenix), Naz Reid (Minnesota), Dorian Finney-Smith (Houston), Dennis Schröder (Cleveland), Hannes Steinbach, Christian Anderson (beide Rookies)
Abgänge: Miles Bridges (Phoenix), LaMelo Ball (Minnesota), Josh Green (Minnesota), Tre Mann (Washington)
Verlängerung: Coby White (3 Jahre, 74 Mio.)
| PG | SG | SF | PF | C |
|---|---|---|---|---|
| Coby White | Kon Knueppel | Brandon Miller | Naz Reid | Hannes Steinbach |
| Dennis Schröder | Grayson Allen | Royce O'Neale | Grant Williams | Moussa Diabate |
| Christian Anderson | Sion James | Dorian Finney-Smith | Tidjane Salaun | Ryan Kalkbrenner |
| PJ Hall |
Nach dem Spektakel in der Offseason sollte es auch in der Saison spannend weitergehen. Sophomore Kon Knueppel hat sich in seiner Rookie Saison mal eben als einer der besten Shooter der Liga etabliert und absolutes Star-Potenzial angedeutet. Auch die Entwicklungskurve von Brandon Miller hat in den letzten Jahren nach oben gezeigt, nun wird er noch mal Verantwortung bekommen.
Interessant wird auch sein, wie viel Spielzeit die beiden jungen Deutschen bekommen. Hannes Steinbach kommt als einer der besten Bigs seines Jahrgangs in die Liga und hat schon in der Summer League angedeutet, dass er weiterhin eine Double-Double-Maschine sein dürfte. Es dürfte niemanden überraschen, wenn er früher oder später der Starter auf der Fünf wird.
Deutlich schwerer wird es dagegen Anderson haben, auf seine Minuten zu kommen. Die Summer League war für ihn von Aufs und Abs geprägt, hinter Coby White und Schröder wird er zunächst hart um seine Spielzeit kämpfen müssen. Man darf schließlich nicht vergessen, dass Charlotte sich trotz des Umbruchs im Sommer keinesfalls im Rebuild befindet, sondern Spiele gewinnen will. Das Team ist tief, talentiert und gut gecoacht.

Die Defensive der Hornets war in der Vorsaison überraschend gut, weiterhin fehlen aber klare Unterschiedsspieler. Vor allem auf den Guard-Positionen fehlt es an Größe und Spielern, die den nötigen defensiven Druck erzeugen können, dazu schüchtert auch ein möglicher Frontcourt um Reid und Steinbach niemanden so richtig ein.
Dazu muss Charlotte aufpassen, dass sie nicht zu eindimensional werden. In der Vorsaison haben sie die zweitmeisten Dreier (43,4) pro Team genommen und diese auch hervorragend getroffen (37,8 Prozent), zu doll sollten sie sich darauf aber nicht versteifen. Durch den Abgang von Bridges haben sie ihren besten Driver verloren, sodass nun - mit Ausnahme von Coby White - niemand im Kader wirklich für Druck auf den gegnerischen Korb sorgen kann.
Im wiedererstarkten Osten dürften die Hornets es schwer haben, ihre 44 Siege aus der Vorsaison zu wiederholen. Ausgeschlossen ist aufgrund des Talent-Levels natürlich nichts, realistischer ist jedoch ein Kampf um den letzten Play-In-Platz.
Gianluca Fraccalvieri