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    NBA

    vor 24 Minuten

    Plötzlicher Wirbel um Sabonis

    Acuff stellt alles auf den Kopf: Droht bei den Kings ein Machtkampf?

    Sechs Niederlagen zum Auftakt, dann endlich der erste Sieg: Die Sacramento Kings haben einen schwierigen Saisonstart hinter sich. Immerhin sorgt Rookie Darius Acuff Jr. mit außergewöhnlichen Leistungen für Hoffnung. Doch der Aufstieg des 19-Jährigen wirft auch Fragen zur Zukunft von Domantas Sabonis auf.

    Domantas Sabonis (l.) und Darius Acuff
    Domantas Sabonis (l.) und Darius Acuff Jr. im Trikot der Sacramento Kings. IMAGN IMAGES via Reuters Connect

    22 Siege holten die Sacramento Kings in der vergangenen Saison, viel schlechter konnte es also kaum werden. Zumindest war das wohl die Hoffnung vor dem Saisonstart. Doch Sacramento verlor gleich seine ersten sechs Spiele, zuletzt setzte es gegen die Memphis Grizzlies eine deutliche Pleite. Erst in der Nacht auf Dienstag gelang mit einem 115:100 bei den Dallas Mavericks der erste Sieg. Damit stehen die Kings nach sieben Partien bei einer Bilanz von 1-6.

    Ganz so trostlos ist die Lage aber trotzdem nicht. Das liegt vor allem an Darius Acuff Jr., der in seinen ersten NBA-Spielen direkt die Offensive an sich gerissen hat. Der 19-Jährige erzielte gegen Dallas 25 Punkte und sechs Assists und war damit erneut bester Scorer seines Teams. Zuvor hatte er gegen Memphis mit 38 Punkten und neun Dreiern aufgetrumpft, gegen New Orleans waren ihm 34 Punkte und 14 Assists gelungen.

    Darius Acuff Jr.: Seine Stats in den ersten sechs NBA-Spielen

    DatumGegnerErgebnisPunkteReboundsAssistsFGDreier
    21.10.LA Clippers96:12112335/240/7
    23.10.Portland Trail Blazers120:128332410/262/11
    25.10.Memphis Grizzlies112:12322379/232/9
    27.10.San Antonio Spurs103:13019358/203/7
    29.10.New Orleans Pelicans120:1323461413/263/11
    31.10.Memphis Grizzlies105:136385512/259/14
    03.11.Dallas Mavericks115:110255610/212/8

    Nach sieben Partien steht Acuff bei durchschnittlich 26,1 Punkten und 6,3 Vorlagen. Für einen Rookie sind das bemerkenswerte Zahlen, zumal der Guard bei den Kings nicht gerade in einer funktionierenden Mannschaft gelandet ist.

    Kings: Acuff bekommt alle Freiheiten

    Wie viel Verantwortung Acuff schon jetzt trägt, zeigt eine andere Statistik fast noch besser. In seinen ersten drei NBA-Spielen nahm der Rookie insgesamt 73 Würfe aus dem Feld. Kein anderer Spieler in der Geschichte der Liga hatte zu diesem Zeitpunkt häufiger abgeschlossen.

    Das ist einerseits ein Vertrauensbeweis, andererseits sagt es auch einiges über die Kings aus. Sacramento überlässt einem 19-Jährigen schon jetzt große Teile der Offensive. Acuff darf kreieren, ins Eins-gegen-eins gehen und auch dann weiterwerfen, wenn vorher einige Versuche danebenlagen. Und davon gab es durchaus einige. Trotz seiner starken Punkteausbeute traf der Guard in den ersten sieben Spielen nur 40,6 Prozent seiner Würfe. Acuff hat also noch einiges zu lernen, vor allem bei der Wurfauswahl.

    Seine Stärken sind schon jetzt gut zu erkennen. Acuff kann sich mit dem Dribbling Platz verschaffen, selbst abschließen und seine Mitspieler einsetzen. Gegen New Orleans zeigte er mit seinen 14 Assists, dass er nicht nur auf den eigenen Wurf aus ist.

    Defensiv gibt es ebenfalls noch reichlich Luft nach oben. Das ist bei einem 19-jährigen Guard aber keine große Überraschung. Viel interessanter ist die Frage, wie Sacramento seine Offensive künftig aufstellen will, wenn Acuff weiterhin so viel Verantwortung übernimmt.

    Domantas Sabonis
    Domantas Sabonis war lange der Fixpunkte der Kings-Offensive. Petre Thomas
    • Unzufrieden wegen Acuff? Sabonis steht bei den Kings offenbar vor dem Abschied
    • So gut wie zuletzt Shaq: Kings-Rookie Acuff startet historisch
    • Der Kader der Kings im Überblick

    Kings: Wie passt Acuff zu Sabonis?

    Denn da wäre ja noch Domantas Sabonis. Der dreimalige All-Star war in den letzten Jahren der Dreh- und Angelpunkt der Kings-Offensive. Viele Angriffe liefen über den Litauer, der nicht nur unter dem Korb arbeitet, sondern mit seinem Passspiel aus dem High Post auch seine Mitspieler in Szene setzt.

    Mit Acuff hat Sacramento jetzt einen Guard, der den Ball auch gerne in den Händen hält. Dabei könnten die beiden durchaus gut zusammenpassen. Sabonis ist ein hervorragender Blocksteller und Passgeber, Acuff kann mit seiner Schnelligkeit und seinem Zug zum Korb davon profitieren. Im Pick-and-Roll oder bei Übergaben am High Post bieten sich einige Möglichkeiten.

    Für zusätzliche Diskussionen sorgte zuletzt ein Bericht von NBA-Insider Sean Deveney. Demnach soll Sabonis wenig begeistert vom balllastigen Spielstil des Rookies sein. Dazu kommen Spekulationen über einen möglichen Abschied des Litauers. Ob an einem angeblichen Konflikt tatsächlich etwas dran ist, bleibt fraglich. Kings-Reporter Brenden Nunes von Sactown Sports 1140 widersprach der Darstellung unter Berufung auf eine Teamquelle ausdrücklich. Sabonis und Acuff hätten ein gutes Verhältnis und würden miteinander kommunizieren. Von einem Machtkampf zu sprechen, wäre also wohl verfrüht. Dass sich die Rollen innerhalb der Mannschaft verändern, lässt sich aber kaum bestreiten.

    Kings-Coach Doug Christie hat bislang kaum Lösungen gefunden.
    Kings-Coach Doug Christie hat bislang kaum Lösungen gefunden. Benny Sieu-Imagn Images

    Kings vor dem Umbruch: Ist Acuff schon der neue Franchise-Star?

    Sabonis ist schließlich nicht plötzlich ein schlechterer Spieler geworden. Mit durchschnittlich 15,0 Punkten, 14,6 Rebounds und 6,9 Assists lieferte er in der Anfangsphase weiterhin starke Zahlen. Gerade als Rebounder und Spielmacher bringt er Qualitäten mit, die Sacramento eigentlich gut gebrauchen kann.

    Nur stellt sich wegen des Saisonstarts eben die Frage, wie lange die Kings noch an ihrem bisherigen Konstrukt festhalten wollen. Der Kader hat einige gute Einzelspieler, die Ergebnisse passen aber schon länger nicht. Und mit Acuff gibt es plötzlich einen 19-Jährigen, dem man durchaus zutrauen kann, irgendwann die wichtigste Rolle zu übernehmen.

    Das heißt nicht, dass Sacramento Sabonis jetzt unbedingt abgeben sollte. Im Gegenteil: Ein erfahrener Big Man mit dessen Spielverständnis könnte für die Entwicklung des Rookies sogar ziemlich wertvoll sein. Entscheidend ist, ob die Verantwortlichen beide sinnvoll in eine gemeinsame Offensive einbauen können.

    Bei Acuff sollte man auch nicht vergessen, dass wir gerade einmal über seine ersten sieben NBA-Spiele sprechen. Seine Wurfquote ist ausbaufähig, defensiv muss er sich verbessern und die gegnerischen Teams werden sich mit der Zeit besser auf ihn einstellen. Trotzdem dürfte man in Sacramento froh sein, dass es bei all den Niederlagen zumindest einen Grund gibt, optimistisch auf die kommenden Jahre zu schauen.

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    Lukas Hetterich