16.06.2025
15:0-Lauf der Münchner entscheidet das Spiel
Der FC Bayern München hat Spiel 1 der BBL Finals gegen ratiopharm Ulm für sich entschieden. Dabei reichten im Prinzip fünf gute Minuten sowie die Dreier von Andi Obst. Die Ulmer Youngster erwischen auf großer Bühne einen gebrauchten Tag.

"Wenn du gegen ein Team wie die Bayern spielst, kannst du nicht erwarten, dass 35 gute Minuten reichen", analysierte Gäste-Trainer Ty Harrelson. In den letzten fünf Minuten der Partie blieben die Ulmer ohne Punkte (Bayern machte 15), sodass am Ende ein deutliches 82:66 stand, was den Spielverlauf nur bedingt widerspiegelte. Vielmehr war es eine vergebene Chance für Ulm, die es insbesondere in der ersten Halbzeit verpassten, eine zweistellige Führung herauszuspielen.
Die Bayern hatten lange offensiv große Probleme, hatten in Andreas Obst und Shabazz Napier aber am Ende zwei Shotmaker, die das Spiel kippen ließen. Das Vierpunktspiel von Obst war letztlich der Moment, der das Spiel endgültig drehte. Es mag eine Floskel sein, aber den Bayern war ihr Gros an Erfahrung anzumerken, sie fanden am Ende mehr Lösungen und konnten sich auf ihre stabile Defensive verlassen.
Dazu kam, dass man rechtzeitig den Rhythmus fand. Nach 30 Minuten standen die Gastgeber bei vier verwandelten Dreiern, im Schlussabschnitt alleine trafen die Münchner fünf weitere Dreier. Das machte letztlich den Unterschied. Beim jungen Ulmer Team flatterten dagegen die Nerven, sie trafen unter anderem nur vier von zwölf Freiwürfen, der Großteil davon im vierten Viertel, als jeder Punkt benötigt wurde.

Gefühlt drehte sich vor der Partie alles um die beiden Ulmer Youngster Ben Saraf und Noa Essengue, die in knapp zwei Wochen von NBA-Teams gedraftet werden und wegen ihnen die Ulmer (erfolglos) weitere Finalspiele verschieben wollten.
In Spiel 1 gab das Duo zusammengerechnet nur auf fünf Zähler und eine Feldwurfquote von 17 Prozent (2/12 FG). Essengue steckte das ganze Spiel über in Foulproblemen, Saraf fand überhaupt nicht statt. Zwar warf der Israeli in 13 Minuten achtmal auf den Korb, doch die meisten seiner Abschlüsse waren nicht einmal knapp. Kurzum: Saraf war das vielleicht schwächste Glied der Ulmer Kette.
In diesen Play-Offs hatte der junge Spielmacher vor allem gegen Alba Berlin seine Momente, doch in München war Saraf überhaupt kein Faktor und verschaffte sich keinerlei Vorteile. Es ist ein (kalkuliertes) Risiko in diesem Kader, der Ulm in der Crunchtime zum Verhängnis wurde. Den Donauschwaben fehlt ein elitärer und erfahrener Ballhandler für solche Momente, Spieler wie Saraf, Tobias Jensen und Nelson Weidemann sind das nicht.
Justinian Jessup (22 Punkte) spielte zwar eine überragende erste Halbzeit, kühlte aber auch etwas ab und am Ende wurden seine Würfe immer kürzer und gingen nicht mehr durch die Reuse. Am Ende trafen die Ulmer sogar deutlich schlechter aus der Distanz als die Bayern (nur 8/34).
Der Nationalspieler machte zuletzt selbst kein Geheimnis daraus, dass diese Saison und die kurzen Pausen durch die langen Sommer mit der Nationalmannschaft an die Substanz gingen. In den ersten beiden Runden hatte Obst für ihn untypische 30,3 Prozent aus der Distanz geschossen, während der EuroLeague-Saison waren es zum Beispiel noch weit über 40.
Gegen sein Ex-Team platzte aber endlich der Knoten, fünf der sieben Dreier waren erfolgreich, darunter zwei im vierten Viertel, die das Spiel kippen ließen. "Ich mache mir nie Sorgen um Andi. Bei ihm denke ich immer, dass der Ball rein geht", hatte Herbert vor der Serie verlauten lassen und behielt recht. Zusammen mit Shabazz Napier (auch 20 Punkte) war Obst der wichtigste Faktor für die Bayern, sie scorten in einer Partie, in der die Defensiven eigentlich dominierten.
"Es war klar, dass es kein High-Scoring-Game wird, sondern dass das Spiel über die Defensive und die Rebounds entschieden werden würde, und dann war es natürlich umso wichtiger, jede Offensive gut auszuführen", merkte Obst an.
Ohne den weiter verletzten Carsen Edwards fehlten Obst zuletzt häufiger die Räume, gegen die teils sehr aggressive Verteidigung der Ulmer, die auch viel doppelten, machten die Gäste zu viele Fehler in ihren Rotationen und genehmigten Obst ein paar freie Würfe. Der Nationalspieler fand so seinen Rhythmus und spielte, je länger die Partie dauerte, mit immer mehr Selbstvertrauen.
Spiel 2 der Finalserie findet am Mittwoch ab 20 Uhr in Ulm statt. Dyn überträgt die Partie im Livestream.
rar