vor 5 Stunden
Orlando scheitert erneut
Die Orlando Magic sind zum dritten Mal in Serie in der ersten Runde der Playoffs gescheitert und könnten im Sommer vor einem radikalen Umbruch stehen. Selbst Superstar Paolo Banchero ist unschlüssig, wie es mit dem Team weitergehen soll.

Es hätte doch ein richtig magischer Sommer werden können in Orlando. Nach einer katastrophalen Leistung im letzten Saisonspiel, das ihnen den Heimvorteil im Play-In gekostet hat und der anschließenden Niederlage, glaubte niemand mehr an dieses Team.
Ohne Erwartungen überrollten sie dann die brandheißen Charlotte Hornets und nahmen den Schwung mit in das erste Playoff-Spiel nach Detroit, das sie überraschend souverän für sich entschieden. Zwei Heimsiege später und auf einmal sah alles danach aus, als wäre das verletzungsgeplagte Team genau zur richtigen Zeit fit und bereit für einen tiefen Playoff-Lauf.
Das erste Mal in dieser Saison sahen die Magic wie das Team aus, das viele Experten an oder zumindest in der Nähe der Ostspitze erwartet hatten. Sie verteidigten hart, spielten schnell in Transition und kamen durch ihre Superstars Franz Wagner und Paolo Banchero ein ums andere Mal zu einfachen Punkten in der Zone. Nach der 3-1-Führung und mit dem Top Seed am Abgrund richteten schon viele den Blick voraus auf die Conference Semifinals, wo mit den Cavs oder Raptors erneut eine machbare Aufgabe gewartet hätte.
So einfach war es am Ende allerdings nicht. Nach der Verletzung von Wagner und dem Aus ab Spiel 5 ging auch der Erfolg des Teams dahin. Mit Ausnahme von Banchero und Halbzeit eins in Spiel 6 spielten sie großteils miserable Offense und bekamen vor allem im Halbfeld so gut wie nichts zustande. Während das Selbstverständnis des Teams so immer weiter sank, wurden die Pistons mit jeden Sieg selbstbewusster. Dies zeigte sich ganz deutlich in Spiel 7, das zu keiner Zeit so aussah, als könnte es realistisch an Orlando gehen.

So müssen die Magic noch mindestens ein weiteres Jahr warten, um endlich den ersten Seriensieg nach 2010 einzufahren. Welche Spieler des Kaders nächste Saison dafür noch die Chance haben können, steht jedoch in den Sternen. "Ich würde gern 'Ja' sagen, aber wir sind jetzt zum dritten Mal in Folge in der ersten Runde ausgeschieden", meinte auch ein sichtlich bedienter Banchero auf die Frage, ob das Team genügend Talent habe, um eine Championship zu gewinnen.
"Wenn man sich also die letzten drei Jahre anschaut, lautet die Antwort 'Nein'. Die nette Antwort wäre 'Ja', aber ehrlich gesagt kann ich nicht sagen, dass wir gut genug für die Finals oder die Eastern Finals sind, weil wir in den letzten drei Jahren immer das gleiche Ergebnis hatten. Das ist die Antwort", führte er aus.
Für Banchero muss sich das Aus besonders bitter angefühlt haben, da er als einziger Magic-Spieler über die ganze Serie konstant war (Halbzeit 2 von Spiel 6 ausgeklammert), aber einfach viel zu wenig Unterstützung bekam. In Spiel 7 erzielte er 38 Punkte, Desmond Bane war mit 16 Zählern der zweitbeste Werfer, in Spiel 6 erzielten er und Bane beide 17 Punkte und auch in Spiel 5 knackte neben seinen 45 Zählern kein Teamkollege die 20-Punkte-Marke.
"Wir konnten einfach keinen Korb erzielen", resümierte auch Jamahl Mosley nach der Partie. "Defensiv haben wir gut gespielt, aber wir haben den Ball offensiv nicht im Korb untergebracht." Währenddessen knackten bei den Pistons im entscheidenden Spiel 7 mit Cade Cunningham und Tobias Harris gleich zwei Spieler die 30-Punkte-Marke, während drei weitere zweistellig punkteten.
Obwohl sich mit der Verpflichtung von Bane die schwache Offensive der Vorsaison schon merklich verbessert hat, besteht weiterhin akuter Handlungsbedarf. Nur zweimal knackten die Magic in der Serie die 100-Punkte-Marke und stellen die mit Abstand schlechteste Offense der Playoffs, wodurch es schon verwunderlich ist, dass sie überhaupt Spiel 7 erreicht haben.
Das grundlegende Problem der Magic ist, dass sie zu wenige gute Schützen haben. Jalen Suggs, Wendell Carter Jr., Anthony Black und auch Franz Wagner können allesamt werfen, zeigen das aber nicht konstant genug. Das ist nicht der Anspruch eines Teams mit Championship-Aspirationen, das dazu noch eines der teuersten der Liga ist.

Das Sextett um die fünf Starter + den verletzten Jonathan Isaac steht noch bis einschließlich 2028/29 fest in den Büchern (Carter Jr. hat Team-Option für das letzte Jahr), während auch noch eine Verlängerung von Black ansteht. Die Magic stehen im Sommer vor der schwierigen Frage, ob sie diesem Team noch eine Chance geben wollen.
Sie werden auf jeden Fall Gespräche führen und sich auch mögliche Deals für ihre Stars anhören. Wagner und Banchero haben schließlich immer noch nicht restlos bewiesen, dass sie zusammen optimal funktionieren. So verwundert es auch nicht, dass schon vor Playoff-Beginn Berichte laut wurden, dass die Magic Giannis Antetokounmpo für Banchero tauschen könnten.
Die Serie hat dazu erneut bewiesen, dass es dem Team an Kreativität und Kreation mangelt. Es wäre also auch kein verrückter Gedanke, wenn die Magic überlegen würden, einen ihren beiden Forwards für einen hochdekorierten Aufbauspieler einzutauschen. "Es wird Zeit geben, das Ganze zu reflektieren und über mögliche Veränderungen nachzudenken", würgte Mosley etwaige Fragen über den zukünftigen Kader ab.
Dabei wird er selbst im Mittelpunkt der Diskussionen stehen. Nach allem, was in dieser Saison passiert ist, wäre es schon ein Wunder, würde er in der kommenden Spielzeit immer noch an der Seitenlinie der Magic stehen. Immer wieder fiel er durch merkwürdige Coaching-Entscheidungen auf und schon zum Ende der Regular Season skandierten die Fans regelmäßig seinen Rauswurf.
"Es war eine absolut unglaubliche Reise mit diesen Jungs", erklärte er selbst nach dem Serienaus. Diese Worte hören sich ziemlich nach Abschied an. Es dürfte dabei nicht der einzige bleiben.
Gianluca Fraccalvieri