vor 6 Stunden
Vom Sorgenkind zum Matchwinner
Der Sieg der Denver Nuggets in Spiel 5 hat gezeigt, dass diese Serie gegen die Minnesota Timberwolves noch lange nicht entschieden ist. Nach zuvor drei Niederlagen in Folge wirkte Denver, um den wiedererstarkten Nikola Jokic, wie ein Team, das Antworten gefunden hat.

Vor allem offensiv zeigte sich ein komplett anderes Bild als in den ersten Spielen. Nach schwachen Quoten in Minnesota trafen die Denver Nuggets wieder hochprozentig (57 Prozent aus dem Feld) und spielten deutlich flüssiger. Die Würfe wirkten nicht mehr erzwungen, sondern entstanden wieder aus dem gewohnten Fluss. Genau das hatte in den Spielen zuvor gefehlt, als Minnesota Denvers Offense immer wieder ins Stocken brachte. Es wirkte fast so, als habe Denver zurück in die Komfortzone gefunden.
Im Zentrum dieser Entwicklung stand Nikola Jokic. In den ersten vier Spielen hatte er ungewöhnlich große Probleme, vor allem, weil Rudy Gobert ihn defensiv ohne viel Hilfe verteidigen konnte. Dadurch brach Denvers System teilweise zusammen.
In Spiel 5 änderte sich das sichtbar. Der Center dominierte die Partie mit einem Triple-Double (27 Punkte, 16 Assists, 12 Rebounds). Auch wenn der Dreier weiter wackelte (1/4), traf Jokic aus dem Feld wieder effizient (9/15 FG), agierte entschlossener und zwang die Defense zu Reaktionen. Er nahm die Räume konsequenter an, spielte schneller und brachte Minnesota häufiger in Rotationen. Genau das war zuvor kaum gelungen.
Der dreimalige MVP setzte genau dann die Akzente, wenn Minnesota Momentum aufzubauen drohte. Nebenbei stellte er mit seinem 221. Triple-Double einen historischen Bestwert ein und zog mit Russell Westbrook gleich.
Ein entscheidender Unterschied zu den Spielen davor war außerdem die Rolle von Spencer Jones bei den Nuggets. Der Forward rückte für den verletzten Aaron Gordon in die Startformation und lieferte weit über den Erwartungen ab. Mit 20 Punkten, starker Defense und wichtigen Treffern im dritten Viertel war Jones einer der wichtigsten Faktoren für den Run, der das Spiel entschied.

Auch Jamal Murray spielte wieder eine wichtigere Rolle. Zwar war seine Wurfquote weiterhin durchwachsen (9/23 FG, 2/6 3PM), doch er wirkte deutlich kontrollierter als in den Spielen zuvor. Vor allem im Zusammenspiel mit Jokic funktionierte das Pick-and-Roll wieder besser.
Der vielleicht größte Hebel lag dennoch auf der anderen Seite des Feldes. Die Minnesota Timberwolves leisteten sich 25 Ballverluste und damit einen massiven Ausreißer im Vergleich zu den vorherigen Spielen (12, 10, 12, 13).
Diese Turnover waren kein Zufall. Denver verteidigte aggressiver, attackierte Passwege und nutzte die fehlende Stabilität der Wolves gnadenlos aus. Ohne die verletzten Leistungsträger Anthony Edwards und Donte DiVincenzo fehlten Minnesota klare Ballhandler, die das Spiel beruhigen können. Das Resultat waren hektische Entscheidungen, schlechte Abschlüsse und viele einfache Punkte für Denver. Insgesamt 35 Zähler nach Ballverlusten.
War Spiel 5 der Wendepunkt oder nur ein letztes Aufbäumen? Minnesota bleibt trotz der Niederlage in Führung (3-2), aber die Vorzeichen haben sich verschoben. Die Verletzungssituation, die Turnover-Problematik und die fehlende offensive Struktur ohne Edwards machen die Timberwolves plötzlich angreifbar. Denver hat dagegen gezeigt, dass es auch ohne Aaron Gordon Lösungen findet und mit Jokic bei alter Stärke jederzeit noch zwei Spiele in Folge gewinnen kann.
Spiel 6 wird damit zum echten Schlüsselspiel. Entweder beendet Minnesota die Serie in der heimischen Arena oder Denver erzwingt ein alles entscheidendes Spiel 7 mit neuem Momentum.
Lukas Hetterich