25.07.2025
So prekär ist die Lage bei den Warriors wirklich
Die Golden State Warriors haben über drei Wochen nach Beginn der Free Agency noch keinen einzigen Spieler verpflichtet - als einziges NBA-Team. Während der Westen aufrüstet, blockieren alte Probleme, vage Hoffnungen und eine unklare Zukunft den Neustart.

Es ist mittlerweile fast vier Wochen her, dass die NBA-Free-Agency begann, und die Warriors haben bis heute weder einen Spieler verpflichtet noch einen bestehenden Vertrag verlängert. Während Teams wie die Rockets, Nuggets oder Lakers ihre Kader gezielt verstärken, herrscht in San Francisco Funkstille. Selbst General Manager Mike Dunleavy muss auf Nachfrage einräumen: "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns."
Zwar gibt es Wunschkandidaten: De’Anthony Melton und Al Horford stehen ganz oben auf der Liste, genau wie Seth Curry. Doch konkrete Abschlüsse lassen auf sich warten. Beide Verpflichtungen hängen eng mit der ungeklärten Situation rund um Jonathan Kuminga zusammen, der als Restricted Free Agent bislang weder verlängert noch getradet wurde. Ein zäher Stillstand, der die gesamte Kaderplanung blockiert.

Die Personalie Kuminga steht sinnbildlich für die Ratlosigkeit, die diese Offseason prägt. Der Forward zeigte in der letzten Saison starke Ansätze, profitierte aber auch davon, dass Stars wie Curry und Butler teilweise verletzt fehlten. Als sie zurückkehrten, verlor Kuminga an Spielzeit und offenbar auch an Rückhalt.
Dunleavy sprach öffentlich zwar von Wertschätzung und dem Wunsch, Kuminga zurückzubringen, aber seine Aussagen klangen mehr nach diplomatischer Pokerstrategie als nach voller Überzeugung: "Wir wollen ihn behalten und wenn nicht, muss das Angebot stimmen."
Kommt es zu einem Sign-and-Trade, könnten Horford und Melton tatsächlich nach San Francisco wechseln. Doch bis dahin dominiert Stillstand - und die Konkurrenz schläft nicht.
| Spieler | Alter | Gehalt 25/26 |
|---|---|---|
| Stephen Curry | 37 | 59.606.817 $ |
| Jimmy Butler | 35 | 54.126.450 $ |
| Draymond Green | 35 | 25.892.857 $ |
| Moses Moody | 23 | 11.574.075 $ |
| Buddy Hield | 32 | 9.219.512 $ |
| Brandin Podziemski | 22 | 3.687.960 $ |
| Trayce Jackson-Davis | 25 | 2.221.677 $ |
| Gui Santos | 23 | 2.221.677 $ |
| Quinten Post | 25 | 1.955.377 $ |
Während Golden State auf der Stelle tritt, rüsten die anderen Teams im Westen massiv auf:
Houston holte Kevin Durant, Clint Capela und Dorian Finney-Smith.
Denver verpflichtete Cam Johnson, Jonas Valanciunas und Bruce Brown.
L.A. Lakers sicherten sich Marcus Smart und Deandre Ayton.
OKC verlängerte seine junge Elite um Shai Gilgeous-Alexander, Chet Holmgren und Jalen Williams langfristig.
All diese Teams haben sich verstärkt und sich vor allem verjüngt. Die Warriors hingegen zählen weiterhin auf einen Kern um Curry (37), Butler (35) und Draymond Green (35). Die Folge: Ein Altersdurchschnitt, der eher nach Rückzug als nach Aufbruch klingt.

Steph Curry, der sich aktuell als Co-Assistant GM seines College-Teams Davidson engagiert, bleibt offiziell gelassen. Gegenüber NBC Sports erklärte er: "Ich habe Vertrauen in unsere Fähigkeit, wieder ein Gewinnerteam aufzustellen. Wir haben eine gute Kommunikation."
Doch zwischen den Zeilen klingt auch Ernüchterung mit: Die Verantwortung sieht er klar beim Front Office. "Jeder muss seinen Job machen. Die Herausforderung ist jedes Jahr neu."
Und mit dem Abgang von Kevon Looney (nach zehn Jahren zu den Pelicans) ist auch intern ein Stück Warriors-Kultur verschwunden. Looney war kein Star, aber ein Fundament. Genau das, was aktuell fehlt.
Besonders bitter: Wunschspieler wie Marcus Smart (Lakers) oder Bradley Beal (Clippers) wären verfügbar gewesen, doch Golden State konnte oder wollte nicht zuschlagen. Auch Chris Paul wird nicht zurückkehren, sondern seine Karriere bei den Clippers beenden.
Stattdessen setzt man offenbar auf "low risk, high reward"-Projekte wie De’Anthony Melton, der in der letzten Saison nur sechs Spiele für die Warriors absolvierte, aber mit starken Leistungen andeutete, welches Potenzial in ihm steckt. Kommt er gesund zurück, könnte er zum Schnäppchen werden. Sofern der Deal überhaupt zustande kommt.
Ein anderer Grund für die strategische Lähmung liegt tiefer: Die Drafts der vergangenen Jahre haben kaum Ertrag gebracht. James Wiseman ist längst Geschichte, Moses Moody spielt keine Rolle, Jonathan Kuminga steht wie beschrieben auf der Kippe.

Einziger Lichtblick: Die Rookies Will Richard und Quinten Post. Richard überzeugte in der Summer League mit solidem 3-and-D-Spiel, wenn auch mit ausbaufähigem Wurf (22,2 % Dreierquote). Doch Dunleavy betont: "Wir glauben, dass er ein Gewinner ist." Auch Post bringt als Stretch Big moderne Anlagen mit. Doch ob sie langfristig tragende Rollen übernehmen können, ist fraglich.
Die Warriors befinden sich an einem Scheideweg. Mit Curry, Butler und Green hat man eine in die Jahre gekommene Kerntruppe, die noch einmal angreifen will. Doch dahinter klafft eine Lücke. Von "Next Gen" kann keine Rede sein. Podziemski und Richard sind Projekte, keine Protagonisten.
Einen echten Plan für die Post-Curry-Ära gibt es (noch) nicht. Und so bleiben viele Fragen offen: Wird Kuminga bleiben? Kommen Melton und Horford noch rechtzeitig? Gibt es doch noch einen späten Blockbuster-Trade: Etwa für Giannis Antetokounmpo, der laut The Athletic ein "Traumziel" bleiben soll?
Lukas Hetterich