26.06.2025
Utah freut sich über "Steal"
Supertalent Ace Bailey war in den Wochen vor dem Draft einer der meistdiskutierten Namen. Der 18-Jährige wollte den NBA-Teams seinen Willen aufzwingen und hat sich dabei komplett verzockt. Vielleicht gibt es am Ende aber dennoch ein Happy End für beide Seiten.

"With the 5th Pick in the 2025 NBA Draft the Utah Jazz select ... Airious 'Ace' Bailey, from Rutgers University." Als Commissioner Adam Silver diesen Satz ausgesprochen hatte, war Bailey die Verwunderung deutlich anzusehen. Und auch als er kurze Zeit später Silvers Hand auf der Bühne schüttelte und die Jazz-Cap zum ersten Mal aufzog, wirkte er eher überrascht als glücklich.
Wie sollte er auch nicht überrascht gewesen sein? Schließlich sagte er im Vorfeld jegliche Workouts und Interviews ab, sodass ihn kein einziges Team in einem persönlichen Training kennenlernen durfte. Der Plan war klar: Bailey und sein Camp wollten einen NBA-Start bei dessen präferiertem Team erzwingen. "Ich habe ein starkes Umfeld, das sich um alles außerhalb des Platzes kümmert, während ich mich voll auf den Basketball konzentrieren kann", sagte er nach dem Draft.
Ein oder zwei bestimmte Teams wird er dabei im Auge gehabt haben, die Jazz waren es aber auf jeden Fall nicht. Das bestätigte auch ESPNs Draft-Guru Jonathan Givony kurz nach der Verkündung. "Das war nicht eines seiner Wunschziele", erklärte er. Berichten zufolge wäre er viel lieber zu den Wizards oder Pelicans gegangen, die an 6. bzw. 7. Stelle gepickt haben. Danny Ainge war das aber egal.
Der Jazz-CEO muss Freudensprünge gemacht haben, als er merkte, dass Bailey an Position fünf wirklich noch verfügbar sein würde. Der Bailey, der vergangenes Jahr mit Giannis trainiert hatte und den Kevin Durant zuletzt als "echtes Problem" bezeichnet hatte. Bis vor seinen Pre-Draft-Attitüden und seinem durchwachsenen Combine (hat er da wirklich 100 Prozent gegeben?) galt er immer als klarer Nr.3-Pick.
Bailey ist ein langer Forward mit unglaublicher Athletik und toller Defensive. Er kann sowohl am Ring als auch im Space verteidigen und bringt Gegenspieler regelmäßig zur Verzweiflung. Gleichzeitig ist er ein überragender Shooter. In seiner College-Saison legte er mehrere 30-Punkte-Spiele auf und weiß auch abseits des Balls, wie er sich zu bewegen hat. Dazu ist er ein starker Rebounder und in Transition aufgrund seiner Geschwindigkeit kaum zu halten. Zwar hat er noch Nachholbedarf im Ballhandling und nimmt lieber schwere Midranger, als den Korb zu attackieren, aber mit gerade einmal 18 Jahren ist das absolut zu verkraften.
Es ist schade (vor allem für ihn), dass die ganze Storyline um seine Unwilligkeit, mit NBA-Teams zu kooperieren, so ein negatives Licht auf ihn wirft und ihm keinen angenehmen Start in sein NBA-Abenteuer verschafft. Sympathiepunkte hat er durch diese Aktionen sicherlich nirgends gesammelt. Gleichzeitig hat er das Potenzial, ein echter Star in dieser Liga zu werden. Das wussten auch die Jazz und mussten einfach zuschlagen. Egal, ob er bei ihnen spielen will oder nicht - so funktioniert der Draft nunmal.

Bailey selbst wollte sich nicht zu den Gerüchten äußern, dass er nicht in Utah spielen wolle. "Ich kann nur kontrollieren, was in meiner Macht liegt", sagte Bailey auf der PK nach dem Draft. "Sie fühlen, was sie fühlen. Aber mein Team und ich - ich konzentriere mich auf Basketball, sie machen ihren Teil - so läuft das eben."
Ironisch ist dabei, dass Utah am Ende der perfekte Fit für Bailey werden könnte. Er passt dank seines Spielverständnisses und seiner Athletik gut in die bewegungsintensive Offensive von Coach Will Hardy. Durch sein Shooting wird er das Spielfeld für die jungen Playmaker weiter öffnen und kann von All-Star Lauri Markkanen lernen.
Darüber freut sich auch Utahs Mitbesitzer Dwyane Wade. "Wenn man mit dem 5. Pick einen so talentierten Spieler wie Ace bekommen kann, denkt man nicht zu lange nach - man macht es einfach", schrieb der Hall of Famer auf X.
In Utah hat Bailey auf jeden Fall die Chance, sofort viele Minuten zu sehen und zu zeigen, dass er zurecht lange als drittbester Spieler des Drafts galt. Vielleicht schafft er es ja auch, sich bald mit seiner neuen Heimat anzufreunden und den Draft-Ärger hinter sich zu lassen. Es wäre ihm zu wünschen.
Gianluca Fraccalvieri