08.11.2025
Chemnitz trifft nur sechs Dreier
Das erste Ost-Derby der BBL-Geschichte zwischen Jena und Chemnitz hielt, was es versprach. Nach schwachem Start und eiskaltem Wurf erwachte der Aufsteiger im zweiten Viertel zum Leben und entschied die Partie dank eines starken Schlussspurts mit 85:72 für sich.

29 Mal standen sich Jena und Chemnitz bereits gegenüber - in jedem Fall allerdings im deutschen Unterhaus. Das 30. Aufeinandertreffen sollte also erstmals in der BBL stattfinden. Obwohl die Statistik mit 18:11 klar an die Thüringer geht, waren die Vorzeichen im Ost-Derby andere. Es waren die Gäste aus Sachsen, die die Favoritenrolle innehaben sollten.
Und dieser wurden die Niners auch von Beginn an gerecht. Weil die Würfe erstmal nicht fielen, nutzten die Chemnitzer die Zone zu ihrem Vorteil. Jenas Center Osobor (6 Punkte, 5 Rebounds) verabschiedete sich mit zwei schnellen Fouls nach weniger als zwei Minuten auf die Bank, was Amadou Sow (Topscorer per Double-Double mit 16 Punkten, 12 Rebounds) freie Handhabe ermöglichte. Der Big Man erzielte zehn der ersten zwölf Chemnitzer Punkte unter dem Korb. Jena hingegen versucht es munter weiter von der Dreierlinie, blieb jedoch absolut kalt (0/11). Währenddessen arbeiteten die Gäste sauber unter dem eigenen Brett und kamen so zu vielen einfachen Abschlüssen im Fastbreak (8:24).
Es dauerte keine acht Sekunden im zweiten Viertel, ehe Lorenz Bank (11, 6 Rebounds) den Dreierfluch der Jenenser brach. Defensiv sorgte jetzt Alex Herrera für mehr Präsenz unter dem Korb und bereitete den Chemnitzer einige Probleme. Diese ließen in dieser Phase allerdings auch zahlreiche einfache Versuche am Korb liegen. Jena machte es besser und wurde infolge der Distanztreffer jetzt immer selbstbewusster. Mit einem 16:7-Lauf beendeten die Saalestädter das Viertel und waren plötzlich wieder in Schlagdistanz (36:41).
Es verging kaum eine Minute nach dem Seitenwechsel, als Jenas Washington (14) per Dreier für den Ausgleich sorgte (41:41). Danach ging es hin und her, wobei die Gastgeber stets die Oberhand behielten. Nun waren es die Chemnitzer, die aus der Distanz jeglichen Rhythmus vermissen ließen. Das änderte sich ausgerechnet mit der Schlusssirene des dritten Durchgangs, als der bis dahin völlig kalte Yordan Minchev (11) seinen ersten Feldwurf zur Führung verwandelte (56:57).
Das Spiel nahm jetzt richtig Derby-Charakter an. Es wurde physisch und phasenweise wild. In den ersten drei Minuten des Schlussviertels tat sich auf der Anzeigetafel erstmal nicht viel. Das änderte sich dank eines Korblegers von Jenas Bohannon, der beide Teams wieder anzuheizen schien. Die Führung wechselte nun mehrfach binnen weniger Minuten.
Fünf Minuten vor Schluss brachte Minchev mit seinem zweiten Dreier Chemnitz wieder +4 in Front. Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Dunn-Martin (13) verkürzte im direkten Gegenangriff und verwandelte anschließend auch noch seinen Heatcheck aus tiefer Dreierdistanz. Mit dem Publikum im Rücken hatten die Thüringer jetzt das Momentum. Ein 10:2-Lauf brachte die Entscheidung. Die Partie endete mit 85:72.
Julius Ostendorf