vor 11 Stunden
Thunder von Beginn an chancenlos
Victor Wembanyama hat die San Antonio Spurs zu einem dominanten 103:84-Sieg in Spiel 4 gegen die Oklahoma City Thunder geführt, wodurch es in der Serie jetzt 2-2 steht. Die Offensive der Thunder war dabei das gesamte Spiel über komplett abgemeldet.

Das zeigte sich auch schon direkt zu Beginn des Spiels. Anders als in den bisherigen Spielen doppelten die Spurs Shai Gilgeous-Alexander nicht mehr, was zu deutlich weniger Räumen für die OKC-Offense führte. Gleichzeitig verteidigten die Spurs mit derselben Energie wie zu Beginn von Spiel 3 und ließen kaum Räume zu - außer für Isaiah Hartenstein. So war der Deutsche bis zu Minute 3:22 (!) im ersten Viertel der einzige Thunder-Spieler, der Punkte erzielte (8, 4/4 FG).
Auf der anderen Seite war Victor Wembanyama von Beginn an viel aggressiver als in den bisherigen Spielen. Er forderte den Ball, traf gute Entscheidungen und führte sein Team zu einem frühen 16:0-Lauf, der die Seinen im ersten Viertel zweistellig in Front brachte. Das erinnerte stark an den Beginn von Spiel 3, genau wie der anschließende 10:0-Lauf der Thunder, der sie wieder in Schlagdistanz brachte. Das war es allerdings schon mit den Parallelen zu Spiel 3.
Durch das ausbleibende SGA-Doppeln waren die Shooter der Thunder nur selten offen und fanden nie in ihren Rhythmus, die historische Bank aus Spiel 3 fand in der ersten Halbzeit so gut wie gar nicht statt. Bezeichnend war es auch, dass Alex Caruso keinen einzigen Wurf nahm. Stattdessen warfen die Thunder den Ball viel zu oft weg und trafen nichts von draußen (1/11 in Halbzeit 1). Die Spurs machten es auf der Gegenseite deutlich besser und gingen durch einen Wemby-Buzzer-Beater von der Mittellinie mit +12 in die Pause. Dadurch stand der Franzose zur Halbzeit schon bei 22 Punkten.

Nach der Pause machte das Team von Mitch Johnson genau da weiter, wo es aufgehört hatte. Sie spielten durch die Bank weg überragende Defensive, erzwangen Turnover (17 insgesamt), dominierten die Zone (50 zu 36 Punkte) und erzielten viele einfache Punkte in Transition. Ein Dunk von Wembanyama stellte kurz nach der Pause auf +18, ehe sie kurze Zeit später schon +25 führten, was die höchste Führung der gesamten Serie war.
Obwohl sie selbst schlecht von Downtown trafen (27,3 Prozent), schafften sie es, jeden noch so kleinen OKC-Run schnell im Keim zu ersticken, und ließen den Gästen mit ihrer Defensive (10 Blocks, 11 Steals) kaum Platz zum Atmen. Da sie selbst kaum Turnover verursachten (12), konnten sie den Sieg in den Schlussminuten locker über die Zeit bringen. SGA spielte im Schlussviertel sogar überhaupt nicht mehr. Die 84 Punkte auf der Anzeigetafel waren dabei die wenigsten der Thunder in den gesamten Playoffs und nach den Rockets (81) die zweitwenigsten überhaupt.
Mit 19 Punkten war der MVP dennoch der beste Werfer seines Teams, traf aber nur 6/15 aus dem Feld und leistete sich vier Turnover, spielte aber auch sieben Assists. Danach war Hartenstein mit zwölf Punkten der zweitbeste Scorer, Chet Holmgren kam auf zehn Punkte und neun Rebounds. Caruso blieb punktlos, Jared McCain erzielte magere vier Pünktchen.
Bei den Spurs war Wemby mit 33 Zählern (11/22 FG, 3/7 Dreier) in 31 Minuten der beste Scorer, dazu holte er sich acht Rebounds, spielte fünf Assists, blockte drei Würfe und klaute zweimal den Ball. Auch sein Plus-Minus von +29 war das beste seines Teams. Devin Vassell und Stephon Castle steuerten je 13 Zähler bei, De'Aaron Fox legte ein schönes Double-Double (12 Punkte, 10 Rebounds) auf.
Nach dem Ausgleich wanderte die Serie zurück nach Oklahoma City, wo Mittwochnacht (2.30 Uhr deutsche Zeit) das wichtige Spiel 5 steigt.
Gianluca Fraccalvieri