vor 11 Stunden
Schöder mit der Entscheidung
Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft feiert in Danzig einen hart erarbeiteten Sieg gegen das bis dahin noch ungeschlagene Polen. Kapitän Dennis Schröder erwischte einen unglücklichen Start ins Spiel, sorgte aber letztlich für die Entscheidung.

Die Partie begann zunächst kurios. Nachdem der Ball nach vier Sekunden ins Aus getrudelt war, warfen sich Dennis Schröder (18, 5/11, 5 AST) und Polens Starspieler Jordan Loyd (16 PTS) den Ball - auf passiv-aggressive Art - mehrfach gegenseitig zu. Lange schauten sich die Unparteiischen das Schauspiel nicht an und sanktionierten beide Guards mit je einem technischen Foul. Für beide Spieler sollte sich das später rächen - für den DBB-Kapitän aber schon sehr zeitnah.
Bereits eine Minute später zog Loyd ein weiteres Foul gegen den Braunschweiger. Nach nur vier Spielminuten war dann schon das dritte fällig und Schröder musste vom Platz. An dessen Stelle trat Maodo Lo (13 PTS, 3/6, 5 REB, 4 AST), der wahrscheinlich eines der besten Viertel seiner jüngeren DBB-Karriere absolvierte: Acht Punkte, 3/3 FG und drei Assists zauberte der Aufbauspieler von Zalgiris Kaunas in nur sechs Minuten auf das Parkett und verhalf Deutschland damit trotz allem zu einer deutlichen Viertelführung (15:25).
Diese wuchs auch im zweiten Durchgang weiter, weil Polen offensiv nahezu gar nicht stattfand. Immer wieder suchten sie ihre physischen Vorteile unter dem Korb, was das DBB-Team mit schnellen Händen und Double-Teams zu verhindern wusste. Dazu sammelte die Mumbru-Mannschaft weiter fleißig offensive Rebounds und daraus resultierende Second-Chance-Points (zwölf zur Pause). Einzig Jordan Loyd war es zu verdanken, dass Polen in dieser Phase nicht völlig abreißen lassen musste. Mit +10 aus deutscher Sicht ging es in die Kabinen (31:41).

Aus diesen kam das DBB-Team mit einer Veränderung: Der bereits dreifach verwarnte Tristan da Silva (9, 3/10) blieb zugunsten von Louis Olinde (8, 3/5, 4 REB) auf der Bank. Letzterer sollte direkt eine wichtige Rolle spielen. In einer Drangphase Polens war es der Forward, der mit drei wichtigen Körben den Vorsprung konservierte. Dann wurde es ruppig: Die Hausherren foulten allein im dritten Durchgang zwölfmal und nahmen der Partie damit jeglichen Spielfluss - sich selbst aber auch.
Noch bitterer wurde es für sie zwei Minuten vor Viertelende, als Loyd sich nach einem ausbleibenden Pfiff durch einen unnötigen Ausraster sein zweites Technisches abholte und das Spielfeld somit vorzeitig verlassen musste.

Doch diese Szene schien Polen aufgeweckt zu haben, die nun aus der Distanz heiß liefen. Je zwei Dreier von Pluta (14) und Milicic (18) brachten die Gastgeber plötzlich in den einstelligen Bereich. Auch Topscorer Ponitka lief nun heiß (20, 5/11, 8 REB, 5 AST). Deutschland schien die Nervosität erwischt zu haben. Minuten vor Schluss glich Sokolowski an der Linie dann sogar aus. In der Restzeit wurde es hektisch und physisch. Schröders möglicher Gamewinner zählte nicht, weil er bei seinem Drive knapp auf der Auslinie stand. Die mögliche Antwort Polens schaute ebenfalls in den Korb, wackelte aber wieder raus. Verlängerung.
In den fünf Zusatzminuten holte Schröder umgehend nach, was er zuvor verpasst hatte, und traf einen schweren Leger aus der Bewegung. Weggehen würden die Polen aber nicht. Bonga- und Thiemann-Freiwürfe konterte Milicic mit einem ansehnlichen And-One. Das letzte Wort hatte letztlich doch wieder der DBB-Kapitän, der sich nach hartem Drive zwei Foulwürfe verdiente und diese versenkte.
Deutschland zieht damit tabellarisch an Polen vorbei auf Platz zwei. Weiter geht es für die deutschen Basketballer Ende November, dann wohl wieder ohne die ganz große Stargarde. Am 27. November gastiert das DBB-Team in Lettland, ehe man am 30. das Rematch mit Polen erwartet (Spielort noch unklar).
jos