vor 10 Stunden
Schlechteste zweite Halbzeit der Playoff-Geschichte
Die Orlando Magic haben ihren ersten Playoff-Seriensieg seit 16 Jahren verpasst. Dabei führte das Team, das erneut auf Franz Wagner verzichten musste, noch bis zur Pause deutlich zweistellig. Was folgte war ein historischer Einbruch.

Die größten Fragezeichen vor Spielbeginn waren mit der Frage verbunden, welcher Magic-Akteur denn mit dem Auftrag, Cade Cunningham zu verteidigen, betraut werden würde. Es sollte der Star selbst machen - Paolo Banchero. Der 23-Jährige hatte diese Aufgabe bereits gegen Ende von Spiel 5 sehr ordentlich gelöst. Und auch im nun sechsten Duell schien er, in Abwesenheit vom verletzten Franz Wagner, die beste zur Verfügung stehende Antwort auf den Pistons-Star zu sein.
Mit seiner Größe und Physis hielt er Cunningham zu lediglich acht Punkten aus neun Würfen in der ersten Halbzeit. Der All-Star-Guard zog nur einmal erfolgreich zum Korb, versuchte es stattdessen ein ums andere Mal aus der Mitteldistanz.
Bei den Magic war hingegen mehr Bewegung in der Offensive. Allein 16 der am Ende 20 Assists kamen bis zum Seitenwechsel zustande. Dazu lief es auch aus der Distanz sehr ordentlich. Desmond Bane verwandelte seine ersten drei Versuche von Downtown allesamt. Knapp 40 Prozent waren es als Team in den ersten zwei Durchgängen.
Anfang des zweiten Viertels zog Orlando dann dank eines 14:2-Laufs erstmals zweistellig davon. Offensive Funken versprühte auch Tristan da Silva. Bereits bis zur Halbzeitpause hatte sich der Zweitjahresprofi sieben Punkte in den Boxscore eintragen lassen.

Julius Ostendorf
In den Schlussminuten der ersten Hälfte spielte sich dann auch erstmals Paolo Banchero in den Fokus. In einer Minute erzielte der Starspieler Orlandos sechs Punkte am Stück und schraubte die Pausenführung auf +22 hoch.
Die ersten Minuten der zweiten Halbzeit würden wichtig werden für die Pistons. Und sie lieferten: Die ersten fünf Zeigerumdrehungen gewannen die Gäste mit 16:4 und verkürzten damit wieder auf zehn Punkte Rückstand. Angefeuert wurde der Run insbesondere von zwei Duncan-Dreiern. Dem Lauf ein Ende setzte Tristan da Silva, der einen offenen Distanzwurf nach Banchero-Pass sicher verwandelte. Eine auffällige Umstellung bei Detroit: Anstelle von Duren und Stewart erhielt nun der nominell dritte Big Man Paul Reed umfangreiche Minuten. Ein 8:0-Lauf zum Viertelende brachte Detroit wieder in den einstelligen Bereich (71:62).
Doch die Talfahrt der Magic war an dieser Stelle noch nicht beendet. Der Korb wirkte für die Gastgeber wie zugenagelt, besonders die beiden Stars Banchero und Bane tauchten in dieser Phase völlig ab. In den ersten sechs Minuten des Schlussviertels erzielte Orlando einen mageren Punkt. Und Detroit? Die übernahmen, angeführt vom erwachten Cade Cunningham, plötzlich die Führung.
Die Misere ging weiter und weiter. 23 Würfe versemmelte Orlando nacheinander - Playoff-Negativrekord. Detroit zog zweistellig davon - und die Magic-Fans aus der eigenen Arena. Die letzten Spielsekunden wurden mit Buhrufen der eigenen Anhänger begleitet. Am Ende erzielten sie in der gesamten zweiten Halbzeit 19 Punkte bei 4/37 FG und 1/20 im vierten Viertel, was die schlechtesten Werte in der Playoff-Historie bei mindesten 35 Versuchen sind.
Die Orlando Magic müssen damit weiter um ihren ersten Playoff-Sieg seit 16 Jahren bangen. Das definitiv entscheidende siebte Spiel findet am Sonntag in Detroit statt.
