vor 19 Stunden
Lucic vor Schluss im Fokus
Die Basketballer des FC Bayern haben ihre EuroLeague-Talfahrt der vergangenen Wochen beendet. Bei ASVEL-Villeurbanne fuhren die Münchner ihren dritten Europapokalsieg ein. Eine glückliche Schiedsrichterentscheidung vor Schluss spielte ihnen dabei in die Hände.

Die Bayern traten ohne zwei Leistungsträger der vergangenen Wochen an: Oscar da Silva leidet weiterhin unter Rückenschmerzen und Duane Washington ist kürzlich Vater geworden.
Ins Spiel schickte Trainer Anton Gavel dann eine Startformation, die eine Änderung im Vergleich zur Vorwoche - der haushohen Niederlage bei Roter Stern (103:73) - aufwies: Miles Norris, seinerzeit mit 14 Punkten einer der Topscorer, musste seinen Platz zugunsten von Johannes Thiemann freimachen.
Im Spiel selbst präsentierte sich der deutsche Vizemeister dann stark verbessert. Offensiv eröffnete Rokas Jokubaitis (13 PTS, 5 AST) mit einem Dreier, defensiv sah zugleich vieles besser aus als noch in den vergangenen EuroLeague-Wochen. Einzig auf Big Man Both Gach (18 PTS) hatten die Münchner lange keine Antwort parat. Der Südsudanese erzielte neun der ersten elf Punkte für die Hausherren. Für die Bayern hielt Vladimir Lucic (18 PTS, 6/8, 8 AST) dagegen, der seine ersten fünf Abschlüsse allesamt traf.

Einen signifikanten Vorsprung konnten sich beide Teams nicht erarbeiten. Stattdessen wechselte die Führung allein in der ersten Hälfte elfmal; in den drei Schlussminuten des zweiten Durchgangs allein sechsmal: TyTy Washington (9) und Jokubaitis wechselten sich mit Dreiern ab, der starke Austin Wiley (22 PTS, 9 REB) bestrafte die Franzosen unter dem Korb, Patty Mills (22 PTS, 9/16) antwortete und Johannes Thiemann stellte den Halbzeitstand her (45:45).
Nach dem Seitenwechsel ging es auf diese Weise - auf Augenhöhe - weiter, wobei sich auf Münchner Seite Center Austin Wiley zunehmend in den Fokus spielte. Vorn schenkte er dem Gegner drei Körbe in Folge ein, defensiv räumte er einmal Mills ab und gab einer vorsichtigen Bayern-Führung damit Auftrieb. Es folgte ein 10:2-Lauf, bei dem sich vor allem auch Johannes Thiemann auszeichnen konnte, und an dessen Ende die Gäste aus Bayern den höchsten Vorsprung der Partie (61:69) verbuchten. Nach Dreiern von MarJon Beauchamp (9) und Hugo Besson (11) ging es mit +7 für die Gäste in den Schlussabschnitt (66:73).
Hier legten die Franzosen direkt nach. Nathan Sestina und Tremont Waters verkürzten aus der Distanz auf -3. Doch die Bayern blieben im Rhythmus - auch dank eines erneut starken Justinian Jessup (14, 5 REB), der fünf Punkte in Folge erzielte. Die Schlussphase gehörte dann aber den Routiniers von ASVEL. Jae Crowder schwang sich zum Point Guard auf und dirigierte nahezu jeden Angriff seines Teams. Für die Exekution sorgte dann zumeist der überragende Patty Mills. Der 38-Jährige erzielte acht seiner 22 Punkte im Schlussviertel und brachte seine Farben zur Viertelmitte sogar erstmals wieder in Front (82:83).
Das Spiel stand jetzt auf Messers Schneide, wobei sich beide Teams einige Fouls - trotz erreichter Foulgrenze - leisteten. Wieder waren es die Münchner Helden der ersten Hälfte, die ihr Team auf die Siegerstraße brachten: Wiley und Lucic erzielten acht Punkte in den Schlussminuten, davon sechs an der Linie. Am Ende wurde es nochmal hitzig. Bei einer knappen Münchner Führung (95:97) blieb ein hartes Lucic-Foul an Mills ungeahndet - es war zugleich die Vorentscheidung. Jokubaitis blieb anschließend an der Linie cool und besorgte den Schlusspunkt.
Die Bayern beenden damit ihre Serie von vier EuroLeague-Niederlagen in Folge und fahren ihren dritten Saisonsieg auf internationaler Bühne ein - kurios: allesamt auswärts! Tabellarisch tut sich deshalb aber erstmal nicht viel. Das Team von Trainer Gavel bleibt hinter ASVEL auf Rang 17 der Tabelle.
jos