11.03.2026
Gelingt im EuroCup der nächste Coup?
Die Niners Chemnitz sind eine der Enttäuschungen der Bundesliga-Saison, international läuft es hingegen. Dennoch ist bei den Sachsen Druck auf dem Kessel, da Anspruch und Wirklichkeit derzeit einfach nicht zusammenpassen.

Wer beim Spiel zwischen Würzburg und Chemnitz genau aufpasste, der sah im zweiten Viertel, dass Niners-Coach Rodrigo Pastore mit der Taktiktafel in den Huddle marschierte, dann aber ohne jenes Brett herauskam. In der Zwischenzeit hatte es deutliche Worte und böse Blicke gegeben, ein abgegebener Offensiv-Rebound, dazu ein Turnover für zwei leichte Baskets-Punkte und Pastore platzte die Hutschnur.
Der Dauerbrenner an der Seitenlinie der Sachsen klopfte wild auf sein Taktikbrett ein, bis es nur noch verbogen am Boden lag. Der nächste Angriff? Chemnitz überspielte die Ganzfeldpresse, doch Eric Washington Jr. verlor beim Drive zum Korb den Ball. Die Niners unterlagen mit 69:81 in Franken. Das kann gegen eines der besseren Teams der BBL passieren, doch in Chemnitz hängen die Trauben inzwischen deutlich höher und eine Bilanz von 10-12 passt einfach nicht zu den Ambitionen der Messestädter.
Wir müssen uns gegenseitig vertrauen und mehr als Team spielen, als wir es heute getan haben“, ärgerte sich Pastore und verwies auf gerade einmal elf Assists. Für einen Kader mit Ausnahmekönnern wie Kevin Yebo, Corey Davis oder Nationalspieler Kostja Mushidi ist das schlichtweg zu wenig.
Zwei Jahre ist es nun her, dass Chemnitz ans Tor zu den BBL Finals klopfte und erst in Spiel 5 gegen Alba Berlin unterlag. Im gleichen Jahr gelang der Coup mit dem Gewinn des FIBA Europe Cups. Doch mit den Erfolgen stiegen auch die Erwartungen. Im Vorjahr wähnten nicht wenige die Niners als möglichen Kandidaten für die Finals, stattdessen war in der ersten Runde gegen Heidelberg Schluss.
Und in diesem Jahr sind trotz eines stattlichen Budgets sogar die Play-Ins in Gefahr. Chemnitz bekommt einfach keine Konstanz in seine Saison. Die Sachsen hatten enormes Verletzungspech, auch das überraschende Karriereende von Jonas Richter spielte eine Rolle. Plötzlich brach ein wichtiger deutscher Rotationsspieler weg, als die besten Deutschen schon alle vom Markt waren.
Nur Yebo und Mushidi genügten in dieser Hinsicht höheren Ansprüchen, weil Roman Bedime und Julian Steinfeld lange fehlten. So gab es in der BBL häufig eine Achterrotation, die mit der neuen Doppelbelastung im EuroCup (18 Gruppenspiele!) einfach zu wenig war. Denn das es Chemnitz kann, stellten sie international unter Beweis.

In der ersten EuroCup-Saison qualifizierte sich Chemnitz direkt und als einziger deutscher Vertreter für die Playoffs, was Pastore zuletzt mit dem Gewinn des FIBA Europe Cups auf eine Stufe stellte. Daheim wurden große Kaliber wie Besiktas oder Bourg geschlagen, die als Favoriten auf den Titel gelten.
Gleiches gilt übrigens auch für den Gegner in den Playoffs Olimpija Ljubljana. "Wir haben absolut keinen Druck", meint Yebo im Hinblick auf das Spiel gegen eines der Top-Teams der ABA League. Der Chemnitzer Vorteil. Das Weiterkommen entscheidet sich in einer einzigen Partie. "Wir haben da nichts zu verlieren und eine breite Brust. In solchen Situationen sind wir schwer zu schlagen", gab sich Mushidi dem MDR gegenüber selbstbewusst.
Immerhin: Mit Ausnahme von Steinfeld (und Washington Jr., der nicht spielberechtigt ist) ist der Chemnitzer Kader endlich mal wieder komplett, Ausreden für die schwankenden Vorstellungen gibt es aber keine mehr. "Wir müssen jedes Spiel so angehen, als ob es ein Finale ist", forderte zuletzt auch Co-Trainer Gjorgji Kochov. Heute Abend haben die Niners dann auch wirklich ein echtes Endspiel. Sind die Sachsen dafür wirklich gebaut oder muss doch wieder die Taktiktafel dran glauben?
rar