vor 23 Stunden
Kommentar zur Final-Niederlage der Münchner
Der FC Bayern Basketball hat seinen ersten Threepeat in der BBL verpasst. Die ambitionierten Münchner stehen somit trotz hoher finanzieller Investitionen komplett titellos da. Zurück bleibt ein Scherbenhaufen, der dem scheidenden Svetislav Pesic nicht gerecht wird.

Eine Saison ohne Nebengeräusche gibt es beim FC Bayern Basketball einfach nicht. Die wenig rühmliche Entlassung von Gordon Herbert, das Intermezzo von NBA-Star Spencer Dinwiddie, das Überraschungscomeback von Trainer-Oldie Svetislav Pesic und zuletzt die Posse um Anton Gavel. Ruhe war mal wieder selten bei den Bayern. Gekrönt wurde dieses Unglücksjahr von der verpassten Deutschen Meisterschaft gegen ein nach EuroLeague-Austritt angeschlagenes ALBA Berlin.
Schon der Pokal war eigentlich fest eingeplant gewesen. Doch waren es die BMA365 Bamberg Baskets die die Bayern auf dem falschen Fuß erwischten - mit eben jenem Gavel an der Seitenlinie. Auch Pesic konnte also keine Wunder vollbringen.
So bleibt das Gefühl, dass diese Mannschaft für große Teile der Saison unter ihren Möglichkeiten blieb. Womöglich lag es auch an der Zusammenstellung des Kaders, die federführend der scheidende Geschäftsführer Sport Dragan Tarlac betreute. Es fehlte der klare Go-to-Guy. Andi Obst stieß in dieses Vakuum herein und doch fehlte über die komplette Saison die klare Idee, was eigentlich die beste Fünf der Bayern war.
Stellvertretend dafür stand auch der enttäuschende Xavier Rathan-Mayes. Er sollte so etwas wie der Ersatz für Topscorer Carsen Edwards sein, stattdessen wechselte er zwischen Starting Five, Bank oder letztlich sogar der Tribüne. Pesic konnte offensichtlich wenig mit dem US-Amerikaner anfangen, gleichzeitig war er einer der wenigen Spieler, die einen eigenen Wurf kreieren konnten.

In der Bundesliga reichte das trotzdem fast immer, nur gegen Alba waren diese Defizite erkennbar, weil diese als einzige zumindest die Qualität hatten, um die Münchner mit ihrer Defense auszubremsen und selbst gute Offensivspieler hatten. Vor allem aber waren sie die Mannschaft und Einheit, die die Bayern nie wurden.
Dabei war das nicht einmal das Berlin von vor zwei, drei Jahren. Dennoch mühten sich die Bayern, die der Bundesliga (man blicke nur auf die Budget-Tabelle) spätestens seit der Eröffnung des SAP Gardens entwachsen sind. Klar, eine Saisonvorbereitung durch die vielen EM-Fahrer gab es nicht, dazu kam die härteste EuroLeague-Saison aller Zeiten, aber spätestens Anfang März war der Playoff-Zug hier abgefahren.
Anspruch und Wirklichkeit hinken auch weiterhin weit auseinander in München. Auch deswegen wurde mit dem Ulmer Thorsten Leibenath für die kommende Saison eine frische Stimme für die sportliche Leitung verpflichtet, der den dringend benötigten Schlussstrich nach dieser unzureichenden Saison einleiten muss.
Für Trainerfuchs Pesic ist es hingegen ein unrühmlicher Abschluss seiner langen und verdienten Karriere. Der 76-Jährige verabschiedet sich zähneknirschend und ohne den Erfolg, der ihm aus narrativen Gründen zugestanden hätte. Viel wird von dieser Saison nicht in Erinnerung bleiben - zumindest nicht viele positive Dinge.
Robert Arndt, Julius Ostendorf