vor 10 Stunden
Deutscher Big versucht sich im Ausland
Kevin Yebo wechselte im Sommer überraschend in die Türkei zum bisher unbekannten Klub Erokspor. Mit dem kleinen Istanbuler Klub läuft es national wie international, doch das Interesse ist quasi nicht da. Woran liegt das?

Es war durchaus eine Überraschung, als Kevin Yebo im Sommer seinen neuen Klub bekanntgab. In Chemnitz hatte der Deutsch-Ivorer vor allem im EuroCup eine starke Saison hingelegt und sich danach auch noch in der spanischen ACB mit Teneriffa weiter empfehlen können. Und nun: Esenler Erokspor - ein Team, welches in Deutschland vermutlich kaum jemand kennt.
Das muss zunächst nichts heißen. Immer wieder entstehen in der Türkei neue Projekte, zumeist durch Mäzene. Bei Erokpsor ist es eine Mischung aus vielen Dingen. Ein starker Sponsor durch ein Logistikunternehmen, ein reicher Präsident und dazu kann es auch nicht schaden, dass ein gewisser Recep Erdogan in der Jugend für Erokspor Fußball spielte.
| Spiele | MIN | PTS | FG% | REB | AST |
|---|---|---|---|---|---|
| 9 | 25,2 | 14,7 | 65,7 | 6,6 | 1,8 |
Doch während die Fußballer in der zweiten Liga spielen, hat die Basketballabteilung bereits die erste Liga erreicht und spielt in seiner zweiten Saison im Oberhaus nebenbei auch international im FIBA Europe Cup. Dafür wurde ordentlich aufgerüstet. Oldie Erick McCollum, 2025 noch EuroLeague-Sieger mit Fenerbahce, führt das Team an, dazu kommen jede Menge Akteure mit BBL-Erfahrung.
Da wäre Yebo, aber auch James Webb III (Bonn), Mike Davis (Würzburg) oder Amadou Sow (Chemnitz) hinterließen in Deutschland bereits Spuren. Und bisher läuft es: Nach der Auftaktniederlage in Manisa hat Erokspor alle Pflichtspiele für sich entscheiden, darunter auch ein Heimspiel gegen EL-Klub Anadolu Efes. Nach fünf Spieltagen befindet sich der Newcomer-Verein in der Spitzengruppe und daran hat auch Yebo einen großen Anteil.
Mit durchschnittlich 16,6 Punkten und 6,2 Rebounds ist der Big Man einer von gleich vier Spielern, die mindestens 16 Zähler im Schnitt erzielen, dazu zieht der Niederländer Keye van der Vuurst (den kennt man noch aus dem WM-Quali-Spiel gegen Deutschland) sehr erfolgreich die Fäden.
Ein Hype will aber nicht entstehen. Im Gegenteil: In der ohnehin recht schwach besuchten türkischen Liga spielt Erokspor quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Offiziell 535 Besucher wollten das Spiel gegen Anadolu Efes sehen, international waren es bisher 130 Zahlende im Schnitt. Stell dir vor, du spielt erfolgreichen Basketball, nur keiner will es sehen!

Das hat natürlich Gründe. Einerseits wurde der Klub innerhalb weniger Jahre aus dem Boden gestampft, andererseits braucht Istanbul vieles, aber sicher nicht noch einen Basketballklub. Erokspor ist nach den Traditionsklubs Fenerbahce, Besiktas, Galatasaray sowie Anadolu Efes und Bahcesehir bereits der sechste Klub aus der Hauptstadt.
Erokspor kommt zudem aus dem Stadtteil Esenler, hat dort aber keine Halle und spielt stattdessen zumeist im Rahmen fast vollständiger Anonymität in der kleinen Arena von Besiktas mit seinen vielen grauen Sitzschalen. Am derzeitigen Erfolg ändert das nichts, doch selbst in der Türkei wird Erokspor nur als "Projekt-Team" gesehen, wirkliches Interesse gibt es aber nicht.
So bleibt die Frage, wie nachhaltig es sein kann und ob der Geldhahn auch dann offen bleibt, wenn die Resonanz weiterhin so mager ist. Yebo kann dies zunächst einmal egal sein. Nach turbulenten Jahren in Chemnitz und München spielt der 30-Jährige in einer der besten nationalen Ligen Europas oben mit und kann gleichzeitig die Anonymität der Metropole und seines Vereins genießen. Und so schlecht verdienen wird Yebo bei Erokspor sicherlich auch nicht …
| Platz | Team | Spiele | Schnitt |
|---|---|---|---|
| 1 | Türk Telekom | 3 | 5.421 |
| 2 | Besiktas | 2 | 4.165 |
| 3 | Bahcesehir | 3 | 3.922 |
| 4 | Cayirova | 3 | 2.614 |
| 5 | Fenerbahce | 2 | 2.582 |
| . | ...................... | . | .... |
| 15 | Körfez Basket | 2 | 978 |
| 16 | Erokspor | 2 | 368 |
Robert Arndt