vor 3 Stunden
Nach Blamage in Estalnd
Nach der haushohen Niederlage gegen Estland hat sich der Wind für die slowenische Nationalmannschaft abrupt gedreht. Aus einer komfortablen Ausgangslage in der WM-Qualifikation ist ein Krimi geworden. Umso wichtiger ist das Abendspiel gegen Schweden.

Drei Siege aus vier Spielen, Tabellenführung in Gruppe H. Der Status quo Sloweniens vor dem dritten Qualifikationsfenster hätte entspannter kaum sein können. Das änderte sich am vergangenen Freitag, als der Europameister von 2017 mit satten 31 Punkten in Estland verlor und damit auch die Tabellenführung abgeben musste.
Rechnerisch ist die Niederlage zu verkraften gewesen. Slowenien ist die Teilnahme an der zweiten Gruppenphase der Qualifikation kaum noch zu nehmen. Dazu ist man weiterhin Tabellenzweiter. Dennoch löste der Auftritt in der estnischen Hauptstadt Unruhe aus: "Wir haben den Gegner machen lassen, was er wollte", wurde Nationaltrainer Aleksander Sekulic nach dem Spiel deutlich und kritisierte die fehlende Physis seiner Mannschaft: "Es geht nicht nur um Taktik, es geht um mehr als das."
Das Fehlen von Superstar Luka Doncic kann kaum als Begründung angeführt werden. Der Spieler der Los Angeles Lakers fehlte in allen zurückliegenden Qualifikationsspielen. Im Vergleich zum vergangenen Fenster, in dem man Tschechien einmal mit 40 Punkten vom Heimcourt fegte, sind diesmal einzig Klemen Prepelic und Luka Scuka nicht mit von der Partie.
Dramatischer mutet die Ausgangslage ob zweier weiterer Faktoren an. Einerseits die Tabellensituation in der Überkreuzgruppe G. Bekanntermaßen werden aus den Gruppen G und H nur drei Länder ein WM-Ticket ziehen. Die Ergebnisse aus der ersten Vorrundenphase gehen in die zweite über. Und hier steht nicht nur Estland derzeit besser da: Finnland und Frankreich haben bereits vier Siege eingesammelt - eine der beiden Nationen fährt heute mit Gewissheit den fünften ein.
Andererseits spricht auch die personelle Verfügbarkeit nicht für die Slowenen. Luka Doncic hat seine Teilnahme in diesem Sommer aufgrund familiärer Angelegenheiten bereits kategorisch ausgeschlossen. Das betrifft wohl nicht nur das laufende Fenster, sondern auch das kommende, welches vom 24. August bis 1. September stattfindet (und die darauffolgenden wegen des NBA-Spielbetriebs sowieso).
| # | Land | S | N | PTS |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Finnland | 4 | 1 | 9 |
| 2 | Frankreich | 4 | 1 | 9 |
| 3 | Estland | 3 | 2 | 8 |
| 4 | Slowenien | 3 | 2 | 8 |
| 5 | Ungarn | 2 | 3 | 7 |
| 6 | Tschechien | 2 | 3 | 7 |
| 7 | Schweden | 2 | 3 | 7 |
| 8 | Belgien* | 0 | 5 | 5 |
*Belgien ist bereits sicher ausgeschieden. Insgesamt können sich nur sechs Teams für diese Gruppe qualifizieren (jeweils die drei Besten aus den Gruppen G und H)
Andere Länder können hier auf eine dickere Personaldecke vertrauen. Sloweniens heutiger Gegner Schweden (für den es ums Ausscheiden geht) führt Miami-Heat-Star Pelle Larsson in seinen Reihen. In der Überkreuzgruppe sieht das nicht anders aus. Finnlands Lauri Markkanen hat sich zum Dienst gemeldet. Und Frankreich geht auch ohne Superstar Victor Wembanyama derzeit noch mit einem NBA-Quintett an den Start (Gobert, Risacher, Raynaud, Coulibaly, Yabusele).
Die Situation für Slowenien ist also durchaus ernst, nach 2019 erneut die WM-Teilnahme zu verpassen. Gleichzeitig muss zu diesem Zeitpunkt noch nicht schwarzgemalt werden. Inklusive zweiter Gruppenphase stünden den Slowenen noch sieben Gruppenspiele ins Haus. Man hat das eigene Schicksal also noch selbst in der Hand.
Und dennoch wäre es nicht das erste Mal, dass eine nationale Topmannschaft an der Verfügbarkeit seiner Spieler scheitert. Es ist das wiederkehrende Thema der FIBA-Qualifikationen, das kleine, dünner besetzte Nationen abstraft.
jos