vor 16 Stunden
Spurs schocken den Meister
Mit einer herausragenden Leistung hat Victor Wembanyama die San Antonio Spurs zum Auftaktsieg im Western Conference Final geführt. Kann die junge Mannschaft Titelverteidiger OKC wirklich gefährlich werden?

Mit seinen unwirklich langen Armen klatschte Victor Wembanyama den Ball einfach weg, als wäre es nichts. Seine Botschaft: Hier ist kein Vorbeikommen - auch nicht für den amtierenden NBA-Champion. "Ich hab's euch gesagt", brüllte der erst 22 Jahre alte Star der San Antonio Spurs nach seinem mächtigen Block bei Titelverteidiger Oklahoma City Thunder in Richtung des aufgewühlten Publikums. Und auf der Gegenseite legte der 2,24-Meter-Mann den Ball wenige Sekunden vor Schluss mit spielerischer Leichtigkeit selbst in den Korb.
"Heute Abend waren wir unerbittlich", tönte der Ausnahmespieler nach dem 122:115 nach Verlängerung im Auftaktspiel der Conference Finals im Westen. Eine Aussage, die vor allem auf ihn selbst zutraf. Gegen das "Alien" fand der Champion des Vorjahres um Topstar Shai Gilgeous-Alexander und den Deutschen Isaiah Hartenstein kein Mittel.
Vielleicht war "Wemby" auch zusätzlich angestachelt, hatte er doch vor dem Spielstart zuschauen müssen, wie die Trophäe des wertvollsten Spielers der Saison an seinen Konkurrenten ging. Im MVP-Voting war der Spurs-Star hinter "SGA" und Nikola Jokic (Denver Nuggets) "nur" Dritter geworden. Aber okay, er "habe noch viel zu lernen", sagte der Franzose: "Und ich will diese Trophäe viele Male in meiner Karriere gewinnen."
Das Augenmerk liegt aber zunächst auf anderen Titeln. Im Auftaktspiel kam Wembanyama, der die Texaner mit einem Dreier in die zweite Verlängerung gerettet hatte, am Ende auf 41 Punkte und 24 Rebounds - und wandelt in seinen jungen Jahren auf den Spuren der Allergrößten: Auf eine Punkte- und Rebound-Ausbeute über 40 bzw. 20 kam bei seinem Conference-Final-Debüt ansonsten nur Wilt Chamberlain, die Legende der 1960er-Jahre.

Vielleicht wird aber ausgerechnet die Jugend des Stars und seiner Teamkollegen zum Knackpunkt in der Finalserie der Western Conference - keine 23 Jahre war die Startformation der Spurs im Schnitt alt. "Wir gleichen unseren Mangel an Erfahrung durch unseren Siegeswillen aus", behauptete Wembanyama selbstbewusst: "Wir spielen mit Intensität, ohne nachzulassen, komplizierter ist es nicht."
Einfach bleibt nur die Philosophie des Ausnahmesportlers. Schließlich steht seiner Mannschaft die beste Franchise der regulären Saison gegenüber, ein eingespieltes Team, das mit zwei 4:0-Serien bisher durch die Playoffs marschiert war. Der Titelverteidiger ist mittlerweile abgezockt - und seine Ära scheint längst noch nicht vorbei zu sein.
Ob das Alien mit übernatürlichen Kräften für eine Wachablösung sorgen kann? Seine Spurs immerhin seien "bereit, in jeder Umgebung, an jedem Ort und gegen jeden anzutreten", betonte Wembanyama: "Wir haben eine Chance, auch wenn wir noch einen langen Weg vor uns haben."
SID