vor 7 Stunden
Vechta offensiv kaum zu stoppen
Rasta Vechta hat mit dem 103:89-Erfolg bei Alba Berlin direkt den Heimvorteil geklaut - und dabei vor allem mit aggressiver Defense und extrem viel Selbstvertrauen überzeugt. Nach der Partie sprachen unter anderem Tibor Pleiß, Martin Hermannsson und Matchwinner Tevin Brown über das Spiel.

Vor allem Vechta wirkte über die gesamte Partie deutlich lockerer und freier als die Berliner. "Wir hatten nicht viel zu verlieren, sondern konnten eigentlich nur gewinnen", erklärte Pleiß nach dem Spiel bei Dyn. Genau so sei das Team auch aufgetreten. Besonders die aggressive Verteidigung bereitete Alba massive Probleme. Vechta sammelte insgesamt 14 Steals, störte bereits den Ballvortrag der Berliner und zwang Alba immer wieder zu einfachen Fehlern und schwierigen Abschlüssen.
Auch Hermannsson sprach die Probleme offen an. "Wir haben 103 Punkte zuhause zugelassen", sagte der Isländer. Gleichzeitig betonte der Point Guard aber auch, dass die Nervosität bei einigen Berliner Spielern spürbar gewesen sei. Für einige der Akteure sei es das erste echte Play-off-Spiel gewesen. "Man hat gemerkt, dass einige emotional und vielleicht etwas gestresst waren", so Hermannsson. Vor allem offensiv wirkte Alba oft statisch und fand kaum echten Rhythmus, obwohl die Berliner mit 43 Prozent Dreierquote eigentlich ordentlich trafen.
Die schwache Freiwurfquote von nur 63 Prozent (17/27) sprach ebenfalls für den fehlenden Rhythmus der Berliner. Auffällig: Vechta bekam im Vergleich zu Alba nur neun Freiwürfe (7/9) - trotzdem wirkten die Gäste offensiv deutlich klarer. Gerade dort ließ Alba einfache Punkte liegen - eigentlich eine der Konstanten im Spiel der Hauptstadtklubs.
Dabei machte sich möglicherweise auch das Fehlen des verletzten Malte Delow bemerkbar (Gehirnerschütterung), der mit mehr als 40 Play-off-Spielen zu den erfahrensten Berliner Akteuren zählt.
Defensiv setzte Alba dagegen bewusst auf Risiko - und wurde dafür bestraft. Es wirkte teils so, als hätten die Berliner bewusst darauf gesetzt, gewisse Würfe der Gäste zuzulassen. Doch genau diese Würfe traf Vechta hochprozentig. Die Gäste verwandelten starke 50 Prozent ihrer Dreier bei 32 Versuchen und trafen zusätzlich 60 Prozent aus dem Zweierbereich. "Sie haben viele schwierige Würfe getroffen und man hat gespürt, wie viel Selbstvertrauen sie gerade haben", sagte Hermannsson.
Grund zur Sorge wäre für die Berliner nach einem Spiel allerdings wohl noch übertrieben. Vechta dürfte kaum noch einmal derart heiß werfen, gleichzeitig wird Alba seinen Gameplan anpassen müssen. Weniger Risiko, mehr Kontrolle - also genau das, was die Berliner in dieser Saison eigentlich ausgezeichnet hat: solide Defense, Rhythmus zerstören und Spiele kontrollieren. Spiel zwei dürfte deshalb deutlich mehr darüber verraten, wohin sich diese Serie entwickelt.

Besonders Brown war dabei kaum zu stoppen. Der Guard erzielte 30 Punkte und traf fünf Dreier. Nach der Partie betonte er, dass Vechta die Physis der Berliner unbedingt matchen wollte. "Wir wussten, dass es hier extrem schwer wird. Aber ich finde, wir haben ihre Intensität gut angenommen", erklärte Brown.
Für Alba wird Spiel zwei nun bereits enorm wichtig. Denn mit einem weiteren Sieg würde Vechta mit einer 2:0-Führung und zwei Heimspielen im Rücken nach Niedersachsen zurückkehren. Hermannsson blieb aber vorsichtig optimistisch: "Es ist eine Serie. Ein Spiel ist weg. Wir müssen zeigen, was uns ausmacht, und reagieren."
Pleiß erwartet deshalb ein komplett anderes Alba-Team am Dienstag: "Das hat heute definitiv wehgetan. Alba wird anders auftreten." Gleichzeitig betonte der Center aber auch, dass Vechta genau bei seinem Stil bleiben müsse: aggressiv verteidigen, als Team auftreten und weiter ohne Angst spielen.
sgm