12.12.2024
Neuer Kollektivvertrag mit vielen Hürden
85 Spieler, die im Sommer neue Verträge unterschrieben, können ab dem 15. Dezember wieder getradet werden. Es ist der inoffizielle Start der Trade-Saison. Dennoch spricht vieles dafür, dass Trades schwerer denn je durchzuführen sind. Die NBA selbst spielt dabei eine bedeutende Rolle.

Wer kennt sie nicht, die Trade Machine von ESPN, um seinem Lieblingsteam mit teils aberwitzigen Transaktionen einen weiteren Star zuzuschustern? Die Sache war ja oft auch recht simpel, nur wenige Dinge waren zu beachten. Klar, bei den Draft-Picks konnte es schnell mal unübersichtlich werden, doch bei Spielern waren die Regeln meist sehr simpel und verständlich.
Zufall, dass in der NBA deswegen in den vergangenen Jahren fleißig gedealt wurde? Eher nicht, doch in den vergangenen Jahren kamen immer wieder neue Regeln hinzu, vor allem da diverse Teams, zu nennen sind hier die L.A. Clippers oder die Golden State Warriors, kaum noch Respekt vor Salary Caps oder Luxussteuergrenzen hatten. Ein Steve Ballmer, Ex-CEO von Microsoft und derzeitiger Besitzer der Clippers, unterschrieb einfach die Checks, sodass die Personalkosten explodierten und die Schere zwischen Arm und Reich (eher die Reichen und die Super-Reichen) immer größer wurde.
Mit dem neuen Kollektivvertrag steuerte die NBA zuletzt gewaltig dagegen, es ist ein Manifest gegen diese "Super Spender" und ein gleichzeitiger Bruch mit allem, wofür die NBA für viele, viele Jahre stand. Superteams gab es schon immer die Celtics der 60er und 80er, die Lakers der 80er und frühen 00er-Jahre, in der jüngeren Vergangenheit stachen die Miami Heat, Golden State Warriors oder die (erfolglosen) Brooklyn Nets heraus.
Solche Superteams werden immer schwerer zu realisieren sein, insbesondere durch Trades. Dazu sind die Strafen für das Überziehen des Salary Caps mit den neuen "Apron Rules" zu drastisch, auf Dauer werden Teams lieber Schlüsselspieler abgeben, als dass man zum Beispiel das Einfrieren eines eigenen Draft-Picks zulässt.
Hier soll es zunächst einmal darum gehen, warum Trades in diesem Jahr solch eine Herausforderung sind, gerade für die Mannschaften, die um eine Meisterschaft spielen wollen. Dazu kann man die Team in vier Kategorien unterteilen und zwar: Capspace-Teams, Over-the-Cap-Teams, First-Apron-Team und Second Apron-Teams.
Was das nun im Hinblick auf Trades bedeutet, erklären wir nun.
Der Salary Cap liegt in dieser Saison bei rund 140,6 Millionen Dollar. Die Teams sind nicht verpflichtet, diese Summe zu erreichen, allerdings wurde im neuen Kollektivvertrag eine neue Regel festgelegt, dass ein Team mindestens 126,5 Millionen für die Saison ausgeben muss. Früher war das nicht Pflicht, stattdessen wurde dann das übrige Geld unter den Spielern im Kader verteilt.
Das einzige Capspace-Team in dieser Saison sind die Detroit Pistons, die derzeit bei 130,3 Millionen Dollar stehen. Detroit hat also die Möglichkeit, mehr Geld in Trades zu absorbieren, sie unterliegen keinen Reglementierungen.
Das Gleiche trifft auf die folgende Gruppe zu. Dies sind Teams, die den Salary Cap überzogen haben, aber noch Luft bis zu First Apron (178,1 Mio. Dollar) haben. Zunächst einmal die Tabelle dieser Mannschaften.
| Team | Gehälter (in Mio. Dollar) | |
|---|---|---|
| Utah Jazz | 144,2 | |
| Orlando Magic | 153,0 | |
| San Antonio Spurs | 155,7 | |
| Portland Trail Blazers | 168,6 | |
| Memphis Grizzlies | 172,0 | |
| Cleveland Cavaliers | 174,0 |
So weit, so gut, allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass Teams "hard capped" sind. Das heißt, dass eine Franchise unter keinen Umständen den First Apron überschreiten darf. Dabei handelt es sich um diese Teams
| Team | Gehälter (in Mio. Dollar) |
|---|---|
| Charlotte Hornets | 161,6 |
| Oklahoma City Thunder | 161,9 |
| Houston Rockets | 162,9 |
| Washington Wizards | 165,8 |
| Toronto Raptors | 167,4 |
| Chicago Bulls | 168,6 |
| Indiana Pacers | 171,1 |
| Sacramento Kings | 172,2 |
| Atlanta Hawks | 172,8 |
| Brooklyn Nets | 172,9 |
| L.A. Clippers | 173,3 |
| New Orleans Pelicans | 174,3 |
| Golden State Warriors | 177,6 |
| Dallas Mavericks | 177,6 |
Nun stellt sich die Frage: Wie kann ein Team "hard capped" sein? Dafür gibt es gleich sieben Szenarien
1. Die Verwendung der Bi-Annual Exception in der Free Agency (Beispiel: Die Clippers verpflichteten Nicolas Batum auf diese Weise im Sommer)
2. Die Verwendung der Mid-Level Exception, welche die Taxpayer Mid-Level (rund 5,2 Mio.) übersteigt oder wenn die Taxpayer Mid-Level für mehr als zwei Jahre Vertrag für einen Spieler verwendet wird. Dallas ist mit der Verpflichtung von Naji Marshall ein Beispiel.
3. Verwendung der Mid-Level Exception bei einem Trade oder eines "Waiver Claims" (Beispiel: Nuggets und Russell Westbrook)
4. Verpflichtung eines Spielers via Sign-and-Trade
5. Wenn ein zuvor entlassener Spieler verpflichtet wird und dieser zuvor mehr als die Mid-Level Exception verdiente (12,8 Mio.)
6. Wenn ein Team mehr Geld in einem Trade aufnimmt als es abgibt (Ausnahme: Capspace-Team)
7. Verwendung eines Traded Player Exception, die in der vergangenen Offseason kreiert wurde
Das sind viele Szenarien, entsprechend sind bereits jetzt zwölf Teams "hard capped" für den First Apron.
Hier wird es langsam haarig bzw. müssen diese Teams nach der Saison Luxussteuer zahlen, wenn sie nicht bis Saisonende unter die magische Grenze von 178,1 Millionen Dollar kommen. Dies gilt im Moment für fünf Franchises.
| Team | Gehälter (in Mio. Dollar) | geschätzte Steuer |
|---|---|---|
| Philadelphia 76ers | 182,7 | 16,5 |
| Denver Nuggets | 183,8 | 20,4 |
| Miami Heat | 187,7 | 27,0 |
| New York Knicks | 188,4 | 36,3 |
| Los Angeles Lakers | 188,9 | 53,2 |
Die Knicks und die Nuggets verwendeten zudem ihre Taxpayer Midlevel Exception, sie sind damit "hard capped" für den Second Apron (188,4 Mio.).
Folgende Dinge können nun Teams über dem First Apron nicht mehr machen:
· In einem Trade mehr Geld aufnehmen als abgehen
· Einen Spieler via Buyout unter Vertrag nehmen, der zuvor mehr als 12,8 Millionen Dollar für die Saison verdiente.
· Verwendung einer Trade Exception aus der Vorsaison
Noch komplizierter wird es für die "Super Spender" der NBA, die dazu noch nach der Saison höhere Strafen für das Überziehen des Salary Caps zahlen müssen. Um das mal einzuschätzen. Die Boston Celtics geben derzeit rund 196 Millionen Dollar für ihr Team, dazu erwartet sie noch eine zusätzliche Rechnung von ca. 65,5 Millionen Dollar für das Überziehen. Das ist sogar noch moderat, da Phoenix als "Wiederholungstäter" (das wird noch härter bestraft) unfassbare 188 Millionen Dollar abdrücken muss.
| Team | Gehälter (in Mio. Dollar) | geschätzte Steuer |
|---|---|---|
| Milwaukee Bucks | 195,4 | 74,8 |
| Boston Celtics | 196,6 | 65,6 |
| Minnesota Timberwolves | 203,5 | 96,0 |
| Phoenix Suns | 220,4 | 188,5 |
Es zeigt sich schon, dass es schon sehr gute Gründe geben muss (zum Beispiel eine Meisterschaft), um über dem Second Apron zu sein. Dazu sind folgende Dinge verboten:
· Zwei oder mehr Spieler in einem Trade abgeben
· Die Verwendung von Cash in Trades
· Die Verwendung einer Trade Exception aus den Vorjahren
· Dazu darf das Team nur maximal so viel Geld aufnehmen wie es abgibt
Wer das alles gelesen hat, der wird sicher verstehen, wie schwer Traden geworden ist. Es müssen nun viel mehr Faktoren passen, dass Deals funktionieren würden. Zahlreichen Teams sind aber so oder so die Hände gebunden.
Teams müssen kreativer werden, gleichzeitig ist der Kreis von potenziellen Abnehmern kleiner geworden, wodurch weniger Trades eine Folge sein könnten.
rar