17.04.2026
US-Guard schließt Verbleib aus
Die MLP Academics stehen am Ende einer emotional fordernden Saison. Sportliche Talfahrt, Trainerentlassung, Spielerkonflikte. Knapp einen Monat vor Saisonende spricht Michael Weathers erstmals über das umstrittene Aus seines Bruders, seine Zukunft in Heidelberg und, warum der Klassenerhalt trotz bevorstehenden Umbruchs immer noch möglich ist.

Sportlich ist der Status quo todernst. Leistungsträger Michael Weathers bleibt sich und seiner immerwährend positiven Erscheinung im Interview aber dennoch treu: "Nach einigen Niederlagen würden viele Leute den Kopf in den Sand stecken", erklärte er gegenüber basketball-world.news. "Aber unser Team reagiert auf Rückschläge in einer sehr positiven Art und Weise."
Zuletzt stellten die Akademiker das am vergangenen Wochenende unter Beweis. Mit dem hohen Auswärtssieg in Frankfurt (73:93) sendete das Team ein dringend benötigtes Lebenszeichen im Abstiegskampf, mit dem man den Rückstand auf Science City Jena zwischenzeitlich auf zwei Siege verkürzte.
Nicht zuletzt aufgrund des Trainerwechsels herrsche in Heidelberg ein gewisse Aufbruchsstimmung. "Danny war eher der entspannte Typ", so Weathers über Ex-Coach Jansson. Nachfolger Carlo Finetti hingegen habe einen anderen, proaktiveren Ansatz. "Viele von uns werden in der nächsten Saison weg sein. Umso wichtiger ist es, die Spieler zu pushen und an ihr Limit zu bringen. Carlo macht einen großartigen Job darin, uns herauszufordern."

Diese Herangehensweise helfe sei auch deshalb so effektiv, weil sich - so offen ist Weathers - das Team lange auf dem Erfolg der Vorsaison ausgeruht habe. "Viele von uns waren mit dem, was wir letztes Jahr geleistet haben, zufriedengestellt. Der Hunger war ein bisschen verloren gegangen." Unter Carlo, so spüre man es innerhalb der Mannschaft, kehre dieser Hunger nun zunehmend zurück.
Für Weathers ganz persönlich war die Saison, die er eine "emotionale Achterbahnfahrt" nennt, aber aus vielerlei Hinsicht eine schwierige. So hatte der US-Amerikaner lange Zeit mit verschiedenen Verletzungen zu kämpfen. Hinzu kam die überraschende Entlassung von Bruder Marcus im Dezember, dessen Verpflichtung als Bedingung für Michaels Verlängerung in Heidelberg galt.
"Ich war davon völlig überrascht", blickt Weathers zurück. "Es hat mich stark beeinflusst. Ich bin sehr eng mit meinem Bruder und das hat mich in eine düstere Stimmung versetzt." Der frühe Tod ihrer beiden Elternteile habe die Weathers-Brüder umso stärker zusammenrücken lassen. Entsprechend tief habe ihn die Entlassung seines großen Bruders getroffen. "Es war sehr unglücklich, was meinem Bruder da passiert ist."
Einen Verbleib in Heidelberg über die laufende Saison hinaus könne sich Weathers heute nicht mehr vorstellen. Auch eine Zukunft in der BBL erscheint unwahrscheinlich. Interesse gibt es inzwischen aus allen Teilen Europas. Im Schlussspurt der laufenden Saison gelte seine volle Aufmerksamkeit jedoch dem Ziel, die Academics in der Bundesliga zu halten.
Dass man hierfür nahezu alle verbleibenden Spiele gewinnen müsse, nimmt Weathers aber nicht seinen allseits bekannten Optimismus: "Die letzten paar Spiele können wir definitiv gewinnen, wenn wir mit der richtigen Einstellung herangehen." Außerdem müsse man zur sportlichen Identität der Vorsaison zurückfinden. "Die größte Frage war für uns in dieser Saison die Defensive. Die muss jetzt ein neues Level erreichen."
Hoffnung gibt Weathers die steigende Formkurve im vergangenen Monat. "Der Sieg gegen Trier hat gezeigt, wer wir wirklich sind." Ein Problem sei jedoch die weiterhin fehlende Konstanz. So folgten auf den überraschenden Heimsieg gegen Ulm Ende März zwei zwei krachende Niederlagen - unter anderem mit 31 Punkten zuhause gegen Rostock.
Unter Finetti sei diese Konstanz in den Leistungen dennoch besser geworden. Für den Klassenerhalt ist das aber auch zwingend notwendig. Der Spielraum für Fehler ist fünf Spiele vor Saisonende auf ein Minimum geschrumpft. Weathers bleibt dennoch gewohnt positiv: "Ich glaube immer daran, dass wir alles gewinnen können." Das meint der 28-Jährige wortwörtlich. Jedes verbleibende Viertel wolle man ab jetzt gewinnen. Dann werde man "noch viele Teams überraschen." Immerhin: Im Spiel gegen Frankfurt, dem ersten nach dem Interview, waren Weathers und die Academics diesem Ziel gerecht geworden.
Julius Ostendorf