03.03.2026
Zu grün für den Titel?
Zwei der drei derzeit besten Teams der NBA können eigentlich keine legitimen Kandidaten für die Meisterschaft sein. Sie würden zumindest eine goldene Regel der Geschichte brechen. Was kann den Detroit Pistons und den San Antonio Spurs dennoch Hoffnung machen?

Das NBA-Titelrennen ist voller ungeschriebener - und manchmal doch geschriebener - Gesetze. "No Rebounds, no Rings" etwa, ein altes Mantra von Pat Riley. "Defense Wins Championships". Contenden kann (meist) nur, wer Top-10-Werte in der Offensive und Defensive produziert. Wer den 40. Sieg vor der 20. Niederlage holt (die Phil-Jackson-Regel!). Und einen (mindestens) Top-10-Spieler sein Eigen nennt.
Und, nicht zu vergessen: Erfahrung ist wichtig. Es braucht die eine oder andere Playoff-Narbe, um zu wissen, was zählt. Was wäre Michael Jordans Heldengeschichte ohne den vermeintlich unbezwingbaren Antagonisten aus Detroit? Genau, es würde etwas fehlen. Die Bad Boys machten MJ zu dem, der er wurde, gewissermaßen.
Nun sind all diese Gesetze natürlich dafür da, um gebrochen zu werden, und in der Regel finden sich Ausnahmen. Auch bei der Erfahrung allerdings? Das ist die heute relevante Frage - weil sie vielleicht etwas über zwei der drei besten Teams der aktuellen Saison aussagen könnte. Die all die anderen Kriterien erfüllen.
Sind die Detroit Pistons (45-14) und die San Antonio Spurs (43-17) die echten Titelkandidaten, die durch ihre Bilanzen, ihre Zahlen, ihre Leistungen und ihre Superstars angedeutet werden? Oder sind sie schlichtweg zu grün dafür?
Zunächst, die Rahmendaten. Detroit erreicht die derzeit beste Bilanz der NBA mit einer Achter-Rotation, in der nur drei Spieler die 30 schon überschritten haben. Das Durchschnittsalter dieser Top 8 beträgt 26 Jahre, die wichtigsten Spieler allerdings sind mit Cade Cunningham (24) und Jalen Duren (22) noch jünger.
Playoff-erfahren sind nur die Veteranen. Der junge Kern schaffte es vergangene Saison immerhin in die erste Playoff-Runde, wo New York in sechs Spielen knapp unterlegen wurde. Den Großteil der kombinierten 185 Karriere-Playoff-Spiele tragen Duncan Robinson (70), der mit Miami als Rollenspieler an zwei Runs bis in die Finals beteiligt war, und Tobias Harris (67) bei.
Auch bei den Spurs liefern die Rollenspieler die Erfahrung. Aus der Top 9 haben Harrison Barnes (71) und Luke Kornet (43) sogar schon Meisterschaften gewonnen, De’Aaron Fox stand einmal mit Sacramento in Game 7 der ersten Runde. Die restliche Kernrotation kennt dafür bisher ausschließlich Lottery-Jahre und der beste Spieler wurde Anfang Januar 22.
Das Durchschnittsalter der Spurs liegt bei 25,3 Jahren, die gesammelten Playoff-Spiele belaufen sich auf 121. Was nicht nur jung und playoff-unerfahren klingt, sondern tatsächlich extrem jung und unerfahren für einen Titelkandidaten wäre - wie das Durchschnittsalter der Kernrotationen aller Champions seit 2005 zeigt (zu Beginn der jeweiligen Playoffs).
| Jahr | Meister | Alter Kern-Rotation | Playoff-Spiele |
|---|---|---|---|
| 2005 | Spurs | 28,3 | 412 |
| 2006 | Heat | 30,3 | 496 |
| 2007 | Spurs | 31 | 588 |
| 2008 | Celtics | 28,8 | 242 |
| 2009 | Lakers | 27 | 454 |
| 2010 | Lakers | 28 | 617 |
| 2011 | Mavericks | 31,3 | 501 |
| 2012 | Heat | 29,1 | 443 |
| 2013 | Heat | 30 | 648 |
Sowohl Detroit als auch San Antonio wären Outlier - beide Teams wären als Champions auf dem zweiten Platz in Sachen Durchschnittsalter, San Antonio wäre aufgrund der mangelnden Playoff-Spiele sogar noch unerfahrener als der bisherige Spitzenreiter. Der, und das ist vielleicht die gute Nachricht, gerade erst im vergangenen Jahr seinen Platz eingenommen hat.
Womöglich begünstigt das schnellere, kräftezehrendere Spiel der heutigen Ära die jüngeren Teams (auch der zweitjüngste Champion dieser Ära wurde innerhalb der letzten drei Jahre gekrönt). Womöglich ist es aber auch irreführend, die historische Anomalie Oklahoma City als Vergleich heranzuziehen.
Zumal: So jung die Thunder waren, sie hatten im Vorjahr bereits die beste Bilanz im Westen erreicht - und waren in den Playoffs gut genug, um Spiel 6 in einer extrem ausgeglichenen Zweitrundenserie gegen den späteren Finalisten Dallas zu erreichen. Sie kassierten zumindest eine dieser Narben, die irgendwie dazugehören. Woraus sie ihre Schlüsse zogen.

Und sie waren, wie erwähnt, eine Anomalie; jünger war zumindest im Kern noch nie ein Champion (was gesamte Kader betrifft, waren nur die 77er Blazers um Bill Walton jünger). Und weniger Playoff-Erfahrung fand sich in der "modernen" Ära seit den 80er Jahren auch bloß einmal - direkt, als diese anfing.
Die Lakers-Meisterschaft im Jahr 1980 lässt sich noch ausklammern. Zwar befand sich Magic Johnson in seinem Rookie-Jahr, Kareem Abdul-Jabbar jedoch war über 30 und galt als bester Spieler nicht nur der Lakers, sondern der gesamten NBA. Ein Ausreißer, in gewisser Weise vergleichbar mit OKC, war am ehesten der 81er Champion, die Celtics.
Diese gewannen 1979 noch 29 Spiele. Im Folgejahr waren es 61, das Team scheiterte dann in Runde zwei deutlich (1-4) an den 76ers. 1981 folgte der Durchbruch, mit 62 Siegen und der Meisterschaft. Die besten Spieler des Teams waren der 24-jährige Sophomore Larry Bird und der 25-jährige Viertjahresprofi Cedric Maxwell, der sich gegen Houston zum Finals-MVP krönen durfte.
Boston hatte zwar auch einige Veteranen, das Durchschnittsalter der Top 8 betrug 29,5 - aber Playoff-Erfahrung fehlte auch den älteren Spielern wie Tiny Archibald und Robert Parish. Lediglich 90 Playoff-Spiele hatte die Rotation zum Playoff-Start kombiniert auf dem Buckel. Da kommen sogar Detroit, San Antonio und das letztjährige OKC deutlich drüber.
Was lässt sich daraus ableiten? Natürlich nichts Definitives. Regeln sind dafür da, um gebrochen zu werden, und die Geschichte der NBA in ihrer modernen Ära ist noch nicht so extensiv, dass sich aus ihr ableiten lässt, dass ein junges Team ohne Playoff-Narben auf keinen Fall den Titel holen oder die Finals erreichen kann.
Klar ist allerdings, dass die Historie eher nicht an die Pistons und Spurs glaubt. Für Detroit spricht immerhin, dass der Kern schon einen, wenn auch sehr kurzen, Playoff-Run gemeinsam absolviert hat, und dass das Team im Osten spielt. Der Weg zumindest bis in die Finals wirkt nicht so steinig, wie das im Westen höchstwahrscheinlich der Fall wäre.

Die Spurs hingegen wären mit einem Run bis zur Meisterschaft sogar ein noch krasserer Ausreißer als Oklahoma City im Vorjahr. Deren bester Spieler war wenigstens 26 Jahre alt, hatte 23 Playoff-Spiele absolviert. Wemby ist 22, seine einzige Playoff-Erfahrung sammelte er in Frankreich und bei Olympia. Bis zum Start wird er noch nicht einmal 200 Spiele in der Regular Season absolviert haben.
Andererseits: In gewisser Weise ist es bereits die Calling Card des Aliens, dass er regelmäßig Dinge vollbringt, die zuvor noch nie jemand gesehen hat. Das klingt doch zumindest nach einem guten Kandidaten, um die Geschichtsbücher auch in dieser Hinsicht umzuschreiben.
Ole Frerks
| 2014 | Spurs | 29,9 | 737 |
| 2015 | Warriors | 27,3 | 240 |
| 2016 | Cavaliers | 27,5 | 442 |
| 2017 | Warriors | 27,9 | 537 |
| 2018 | Warriors | 28,9 | 549 |
| 2019 | Raptors | 28,3 | 475 |
| 2020 | Lakers | 28,9 | 509 |
| 2021 | Bucks | 29 | 266 |
| 2022 | Warriors | 28,1 | 436 |
| 2023 | Nuggets | 26,9 | 263 |
| 2024 | Celtics | 28,9 | 560 |
| 2025 | Thunder | 24,3 | 126 |