vor 10 Stunden
Zwischenfazit nach den ersten drei Partien
Drei Spiele in der Summer League haben Hannes Steinbach und Christian Anderson Jr. nun für die Charlotte Hornets auf dem Buckel. Zeit für ein kleines Zwischenfazit.

Man muss nicht alles für bare Münze nehmen, was man in den gut zwei Wochen von Las Vegas zu Gesicht bekommt. Das Setting hat wenig mit einem richtigen NBA-Spiel zu tun. Teams sind schnell zusammengewürfelt, viele kämpfen um ihre vielleicht einzige Chance in der NBA. Entsprechend chaotisch kann es manchmal zugehen.
So ist es schwer, Spieler ordentlich zu beurteilen, vielmehr geht es um Tendenzen, die sich ablesen lassen. Genau dies versuchen wir nun in den Fällen von Hannes Steinbach und Christian Anderson Jr., die beide in der ersten Runde gedraftet wurden und nun die ersten drei Partien absolviert haben.
Den besseren Eindruck macht dabei Steinbach, bei dem man klar sieht, was seine Stärken sind. 10,0 Punkte und 5,7 Rebounds sind es bislang im Schnitt, obwohl kaum ein Play für den Würzburger gelaufen wird. Big Men haben es ohnehin schwer, zum Zug zu kommen, weil zumeist Guards die Spiele dominieren.
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Abpraller sammelt der Deutsche dennoch fleißig ein, sein Motor läuft wie gewohnt. Interessant dabei: Die Hornets setzen ihn sowohl als Backup-Center sowie auf der Vier ein. Die Frage, wo Steinbach spielen wird, wird damit nicht beantwortet. Der 20-Jährige steht zumeist richtig in der Verteidigung, hatte auch schon einen Chasedown-Block. Es setzt sich aber auch der Trend fort, dass seine Gegenspieler auffällig gut treffen, obwohl Steinbach eigentlich eine gute Position einnimmt.
Dazu ist sein Spiel eher unter dem Ring angesiedelt, noch blieb Steinbach ohne Dunk und ohne einen einzigen Dreierversuch. Dass Gegenspieler in der NBA auf seinen Pump Fake reinfallen, darauf sollte man sich nicht verlassen. Dennoch ist es bislang grundsolide, was der Big Man bisher zeigt.
Dass er nur von der Bank kommt, liegt daran, dass sich Drittjahresprofi Tidjane Salaun unbedingt zeigen muss, wenn er eine Zukunft in der NBA haben will. Dazu war Ryan Kalkbrenner schon in der abgelaufenen Saison ein sehr solider Backup-Center.

Das Zepter bei den Hornets hat aber klar Liam McNeeley in der Hand. Der Forward macht viel mit dem Ball, was dafür sorgt, dass Christian Anderson Jr. kaum wie ein echter Point Guard eingesetzt wird. Seine ersten Einsätze verliefen mit mehr Schatten als Licht. Zunächst das Positive: Der kleine Aufbauspieler ackert in der Verteidigung, ist aktiv, versucht sich um Blöcke zu kämpfen und war auf diesem Niveau bisher keine Schwachstelle.
Das ist ein klarer Pluspunkt, war dies doch einer der großen Fragezeichen rund um den zweimaligen A-Nationalspieler. Dagegen steht, dass Anderson bisweilen passiv in der Offense agiert. Nur selten kam er zum Korb durch, oft schaffte er es nicht, seinen Gegenspieler zu schlagen. Auffällig war auch, dass er einige Fehler im Ballhandling hatte. Vorteile für Mitspieler kreierte er bisher kaum.
| Spiele | MIN | PTS | FG% | 3P%: | AST |
|---|---|---|---|---|---|
| 3 | 26,2 | 9,7 | 36,4 | 25,0 | 1,0 |
Die zweite Halbzeit gegen New Orleans war etwas besser, weil Anderson endlich auch mal Selbstvertrauen durch verwandelte Jumper tankte. Dennoch besiegelte ein schlechter Pass von Anderson die knappe Niederlage. "Es ist hier alles viel physischer", gab der Guard nach der Partie zu. "Es wird gehalten, gerangelt. Du musst wirklich in Top-Form sein."
12/33 aus dem Feld, 5/20 aus dem Dreierbereich - das ist die bisher recht magere Ausbeute für den Deutschen. Zumindest die Partie am Sonntagabend war schon deutlich besser. In Abwesenheit von Sion James hatte Anderson den Ball häufiger in der Hand und tat diesem sichtbar gut. Zudem half es, dass gleich der erste Dreier fiel, sodass der 20-Jährige erstmals mit Selbstvertrauen agierte. Es zeigt sich eben, dass jeder Spieler sich erst an das neue Spiel gewöhnen muss, bei manchen geht es schneller, bei anderen langsamer.
Robert Arndt