16.04.2026
Meistermacher der Vorsaison nur noch Statist
Es ist keine zehn Monate her, dass Johannes Voigtmann die Bayern zum Meistertitel schoss. Seine zwei Dreier in Spiel 5 gegen ratiopharm Ulm sorgten für einen versöhnlichen Saisonabschluss einer kräftezehrenden Saison, als die Münchner unisono aus dem letzten Loch pfiffen.

Voigtmann war unter Gordon Herbert einer der Leader, ein verlängerter Arm. Der Thüringer spielte unter dem Kanadier in Frankfurt und natürlich in der Nationalmannschaft, über Jahre wuchs das Vertrauen zwischen den beiden. Nun ist aber Herbert nicht mehr Coach und unter Altmeister Svetislav Pesic haben sich die Vorzeichen komplett verändert.
Gegen Chemnitz war nach einem Schnitzer nach nicht einmal zwei Minuten Schluss, am Dienstag gegen Ludwigsburg kam Voigtmann erst 4:30 Minuten vor dem Ende, als die Bayern bereits mit 26 Punkten Differenz führten. Pesic plant scheinbar nicht mehr mit dem 33-Jährigen und scheut auch nicht vor den Erfolgen von Voigtmann aus den vergangenen Jahren.
Der Deutsche ist hier nicht der Einzige, auch Pesics Landsmann Stefan Jovic, mit dem der Coach bei Olympia 2024 noch Bronze gewann, hat derzeit keine Chance und fehlt nun schon seit Wochen im Kader. Mangelnde Fitness ist einer der Vorwürfe, das kann bei Voigtmann aber nicht das Problem sein.
Nach dem EuroLeague-Spiel gegen ASVEL Mitte März hatte Pesic die Situation erklärt, allerdings erst nach dreimaligem Nachfragen und dem Hinweis, dass Voigtmann immerhin Weltmeister mit Deutschland war und dabei auch eine wichtige Rolle spielte. "Er war Weltmeister, ich war auch Weltmeister. Im Sport existiert für niemanden die Vergangenheit, nicht für ihn und nicht für mich", wischte der 76-Jährige dies weg.
Voigtmann ist einer der Verlierer des Wechsels an der Seitenlinie, er passt nur bedingt ins System, welches Defense mehr priorisiert. Pesic setzt auf mobile Big Men, die Guards unter Druck setzen und dann schnell wieder in Position kommen können. Das war noch nie die Stärke des Vize-Kapitäns der Nationalmannschaft, erst recht nicht im höheren Alter.

In der BBL steht Voigtmann in dieser Saison bei nur 14 Einsätzen, durchschnittlich spielt er 11,5 Minuten und verbucht 3,4 Punkte sowie 3,4 Rebounds. "Wenn er kämpft, bekommt er wieder seine Chance und mit seiner Erfahrung hat er uns auch schon geholfen", meinte Pesic, doch so leicht ist es oft nicht.
Während der EM musste sich Voigtmann einer Knie-OP unterziehen, eine Vorbereitung auf die Saison gab es nicht. Voigtmann kehrte stattdessen zurück, als die Bayern Auswärtsspiel um Auswärtsspiel in der EuroLeague verloren und Herbert seinen Hut nehmen musste. Wirklich Selbstvertrauen konnte nicht getankt werden, einige Male fiel er mit Pässen auf, die keine Chance hatten, anzukommen.
Und zur Wahrheit gehört eben auch, dass seine Verteidigung weiter nachgelassen hat. Auf seine 2,11 Meter kann sich Voigtmann weiter verlassen, doch im Pick'n'Roll ist eben anfällig - vor allem auf EuroLeague-Niveau. In der BBL sollte sich dies kaschieren lassen, doch die Chancen dazu werden seltener.
Es ist eine verzwickte Situation. Pesic hört im Sommer auf, ein neuer Coach ist noch nicht gefunden. Voigtmann hat dagegen noch einen Vertrag bis 2027 und die Bayern können weiterhin jeden Spieler mit deutschem Pass gut gebrauchen, auch wenn Sportdirektor Dragan Tarlac gerne betont, dass man sich hier verjüngen möchte. Gleichzeitig dürfte Voigtmann zu den besseren Verdienern im Kader zählen.
Das letzte Wort wird hier noch nicht gesprochen sein. David McCormack scheint unter Pesic unverzichtbar, dahinter gehen die Minuten an Ex-Laker Wenyen Gabriel. Durch die wegfallende EuroLeague wird Pesic eher weniger rotieren. Kommt die Chance also noch einmal? Womöglich wird Voigtmann stattdessen warten müssen, wer ab der kommenden Saison an der Seitenlinie stehen wird.
Robert Arndt